Erdrückende Beweislast gegen Angeklagten

Nach Feuer in Bremer Bordell: 24-Jähriger wegen Brandstiftung vor Gericht

Im Juni 2020 soll ein 24-Jähriger in einem Bordellbetrieb in Walle Feuer gelegt haben. Er selbst schweigt vor Gericht zu den Vorwürfen. Doch die Beweislast gegen ihn ist erdrückend.
12.01.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Nach Feuer in Bremer Bordell: 24-Jähriger wegen Brandstiftung vor Gericht
Von Ralf Michel

Der Angeklagte soll im Juni 2020 in einem Bordellbetrieb in der Leutweinstraße in Walle Feuer gelegt und dabei Menschenleben gefährdet haben. Er selbst schweigt beim Prozessauftakt vor dem Landgericht am Montag zu den Vorwürfen, doch die Beweislast gegen ihn ist erdrückend.

Es ist vor allem die Aussage der Barbetrei­berin, die den 24-Jährigen belastet. Um drei Uhr nachts habe sie der Angeklagte zu Hause angerufen, erzählt die 37-Jährige. Sie solle sofort in die Bar kommen. Es gebe ein Problem, man habe etwas zu klären. Sie habe das aber nicht ernst genommen und abgelehnt. Daraufhin habe er ihr gedroht: „Wenn du jetzt nicht kommst, dann hole ich Benzin und brenn deinen Laden ab.“

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Ihre Schwester, die als Tresenkraft in der Bar arbeitet, bestätigt den Anruf. Sie habe neben ihm gestanden, als er telefonierte. Er sei verärgert gewesen, weil zwei Frauen, mit denen er zuvor getrunken hatte, mit zwei anderen Kunden verschwunden seien. Später habe er aus Wut sogar mit einer Whiskyflasche die Scheibe eines Glücksspielautomaten zertrümmert. Dann sei er gegangen. Keine halbe Stunde später habe es gebrannt.

Nicht in der Bar selbst, sondern nebenan in einem Gebäude, in dem „die Frauen“ ihre Zimmer hatten. Dass es sich um einen Bordellbetrieb handelt, wird im Gerichtssaal nicht ausgesprochen. Durchgehend ist von „Etablissement“ und dort tätigen „Damen“ die Rede. Und wenn die dann aus der Bar mit ihren Kunden verschwanden, dann nur, weil sie „Spaß zusammen haben wollten“.

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Auch der Angeklagte sei eigentlich immer ein lustiger Kerl gewesen, erzählt die 39-jährige Leiterin des Geschäftsbetriebs. Ein Stammkunde, man kenne sich seit Jahren. Sie habe sogar seine Nummer im Telefon gespeichert gehabt und deshalb gewusst, dass er der nächtliche Anrufer war. Außerdem habe er sich später bei einem zufälligen Treffen bei der Polizei bei ihr entschuldigt.

Aber damit noch nicht genug des belastenden Materials gegen den 24-Jährigen: In einer Tankstelle keine fünf Autominuten vom Brandort entfernt, stößt die Polizei auf ein Video, auf dem ein Mann vom Aussehen des Angeklagten kurz vor dem Brand einen leeren Kanister kauft und ihn mit Benzin füllt. Der Wagen, mit dem dieser Kunde gekommen ist, ist auf den Angeklagten zugelassen. Und gekauft hat er auch ein Feuerzeug mit dem Logo von Werder Bremen. Genau so ein Feuerzeug findet die Polizei später in seiner Wohnung. Zusammen mit Kleidung, die nach Benzin riecht...

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Verantworten muss sich der 24-Jährige dann auch für eine Verfolgungsjagd, die er sich im Januar 2020 mit der Polizei lieferte. Unter erheblichem Alkoholeinfluss und ohne Führerschein. Hierzu äußerte er sich am Montag: Ja, er habe in dem Wagen gesessen. Aber nicht am Steuer.

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