Osterfeuerberger Ring

Freie Bahn für ÖPNV-Trasse

Osterfeuerberg. Die „Zukunftswerkstatt Osterfeuerberg“ hat entschieden: Eine Trasse soll auf dem Osterfeuerberger Ring für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) freigehalten werden.
21.11.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten

Nach intensiver Diskussion hat die „Zukunftswerkstatt Osterfeuerberg“ entschieden, auf dem Osterfeuerberger Ring eine Trasse für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) frei zu halten. Zuvor hatten Baustaatsrat Wolfgang Golasowski und Wilfried Eisenberg, Vorstand der Bremer Straßenbahn AG (BSAG), mehr als zwei Stunden lang für diese Lösung geworben. Mit ihrem Votum rückt für die Osterfeuerberger die Umgestaltung der überdimensionierten Straße einen Schritt näher.

Staatsrat Wolfgang Golasowski hatte die Diskussion wegen eines Anschlusstermins vorzeitig verlassen müssen. Er hätte sich über den Stimmungswandel gewundert. Denn einer Straßenbahntrasse, die die Trennung des Waller Ortsteils Osterfeuerberg für alle Zukunft betoniert, wollten die rund 70 Bürgerinnen und Bürger nicht zustimmen, die der Einladung zur „Zukunftswerkstatt Osterfeuerberg“ gefolgt waren. Das mussten sie auch nicht, wie sich am Ende herausstellte. Nach mehr als zweistündigem Meinungsaustausch entschieden sich die Osterfeuerberger dafür, den öffentlichen Personennahverkehr der Zukunft nicht auszusperren.

Während der Versammlung war dem Vertreter des Bausenators noch offener Widerstand entgegengetreten. Von „Erpressung“ war gar die Rede, als der Staatsrat darauf hinwies, dass die Osterfeuerberger mit einer Ablehnung gleich die Chance für die gesamte Umgestaltung ad acta legen könnten: Im kommenden Jahr wird Hansewasser die Kanalbaumaßnahmen zwischen Fiegenstraße und Utbremer Kreisel beginnen, an die die Straßenumgestaltung gekoppelt werden könnte. In der Stadt gebe es jede Menge konkurrierender Projekte, aber nur begrenzte Mittel. Die Verantwortlichen würden sich kaum für ein umstrittenes Projekt entscheiden, vermutete der Staatsrat und mahnte: „Die Zeit läuft weg.“

Als er sich verabschieden musste, wurde ihm aus dem Publikum ein Plakat entgegengehalten: Der Bausenator wolle keine Bürgerbeteiligung, stand darauf in großen Lettern.

Wer das Thema verfolgt hat, den wundert der Widerstand nicht. Seit 2007 setzt sich die „Zukunftswerkstatt Osterfeuerberg“ für eine Umgestaltung des Osterfeuerberger Rings ein, der an seiner breitesten Stelle 42 Meter misst. Das sei breiter als die Autobahn bei Arsten, wie Beiratsmitglied Jupp Heseding (Grüne) bemerkte.

Wünsche für einen Rückbau und eine Neugestaltung der breiten Trasse wurden bei diversen Treffen gesammelt und in Vorentwürfen zu Papier gebracht. Mehr Grün, mehr Aufenthaltsqualität und vor allem mehr Verbindungen zwischen den Straßenseiten hatten sich die Teilnehmer gewünscht.

Im April 2012 meldete sich die Stadt und schien mit ihrem Begehren die Pläne der Stadtteilbewohner zu durchkreuzen: Die Osterfeuerberger sollten in ihren Plänen eine sieben Meter breite Trasse für den ÖPNV frei halten.

Vor allem BSAG-Vorstand Wilfried Eisenberg gelang es an diesem Abend, zwei Missverständnisse auszuräumen. Es gehe nicht um ein konkretes Verkehrsprojekt, erklärte er, sondern einzig darum, zukünftigen Generationen eine Option frei zu halten. Und einer Umgestaltung im Sinne der Osterfeuerberger stünde eine solche Entscheidung nicht im Wege.

Im Klartext: Die Berücksichtigung einer Trasse bei der Planung bedeutet zunächst nicht mehr, als dass die vorgesehenen sieben Meter weder auf der Oberfläche noch in der Tiefe nachhaltig verbaut werden – etwa durch Kanalrohre oder Baumbepflanzung. Mit einer provisorischen Trasse durch den Bürgerpark arrangierten sich die Bremer schon seit Jahrzehnten, ohne dass es ihnen bewusst wäre.

Es wundere ihn, dass im Stadtteil bereits so konkret über eine Straßenbahn diskutiert würde, hatte Staatsrat Golasowski eingangs betont. Denn das sei „Zukunftsmusik“. Fest stehe nur, dass die Nutzung des ÖPNV zukünftig stark zunehmen würde. Insbesondere durch die Entwicklung der Überseestadt würden neue Verbindungen notwendig.

Neue Systeme

Für ÖPNV-Systeme der Zukunft gehe es darum, ihre Fahrzeuge möglichst unabhängig vom übrigen Verkehr zu leiten und auf nachhaltige Energien umzusteigen, erklärte Wilfried Eisenberg die dahinterstehenden Überlegungen der BSAG. Das könne durch „eine Straßenbahn oder einen Trolleybus sein, oder ein anderes Verkehrsmittel der Zukunft, das wir jetzt noch nicht kennen.“ Dass eine moderne Straßenbahn ohnehin nicht durchs Schotterbett, sondern über attraktiv begrünte Wege geleitet werden kann, dafür hatte der BSAG-Chef fotografisches Anschauungsmaterial zur Hand.

Vor der Abstimmung der Teilnehmer meldete sich der Waller Bürgerschaftsabgeordnete und baupolitische Sprecher der SPD, Jürgen Pohlmann, zu Wort. Er appellierte an die Anwesenden, die Chance zu nutzen, ihre „Vision“ umzusetzen. „Das ist keine Erpressung, sondern politische Realität“, betonte er.

Erleichtert über das Votum der Osterfeuerberger war übrigens auch Stefan Bendrien (Grüne), der für den Findorffer Beirat die Debatte verfolgt hatte. Durch eine Ablehnung hätten die Waller Nachbarn auch den Findoffern, die einer Straßenbahn positiv gegenüberstehen, den Weg verbaut.

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