Walle

Für 500 Meter mehr Wohnqualität in Walle

Walle. Beim Senator für Bau, Umwelt und Verkehr wird zurzeit ein neues Verkehrskonzept für das Gebiet zwischen Nordstraße, Waller Ring, Waller Heerstraße und Hansestraße erarbeitet.
05.12.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten

+Beim Senator für Bau, Umwelt und Verkehr wird zurzeit ein neues Verkehrskonzept für das Gebiet zwischen Nordstraße, Waller Ring, Waller Heerstraße und Hansestraße erarbeitet. Doch besonders in der Elisabethstraße sind Sofortmaßnahmen fällig, fordern die Waller Stadtteilpolitiker und vor allem die Anwohner. Eine Lösung ließ sich auf Anhieb auf der Sitzung des Waller Verkehrsausschusses nicht finden. Nun sollen eine Verkehrsanalyse und ein Ortstermin mehr Klarheit bringen.

Für viele Autofahrer ist die Elisabethstraße eine komfortable Verbindung zwischen Waller Heerstraße und Nordstraße und umgekehrt. Für die Menschen, die rechts und links der Fahrbahn leben, ist der Durchgangsverkehr eine zunehmend unerträgliche Belastung geworden.

Mit den rund 500 Metern, die von Steffensweg, Bremerhavener Straße und Vegesacker Straße durchschnitten werden, beschäftigte sich der Waller Beirat bereits mehrfach. In der jüngsten Sitzung des Waller Fachausschusses „Bau, Verkehr und Umwelt“ stand das Thema erneut auf der Tagesordnung.

Dass der Verkehr in der Straße dringend entschleunigt und reduziert werden muss, darüber waren sich die Stadtteilpolitiker und die Zuhörerinnen und Zuhörer einig. Doch auf welchem Weg das Quartier vom Schleichverkehr bewahrt, aber gleichzeitig offen und erreichbar gehalten werden könnte, darüber wollte der Ausschuss keine vorschnelle Entscheidung treffen.

Einigkeit herrschte jedoch darüber, dass Sofortmaßnahmen fällig sind. „Ich bin am Abdrehen“, beschrieb eine Bewohnerin der Ecke Bremerhavener Straße die Lage: Autos und Lastwagen führen Tag und Nacht, „der Horror“, berichtete die Wallerin. „Es wird immer schlimmer, immer lauter“, bestätigte Beiratsmitglied Petra Fritsche-Ejemole, die selbst in der Elisabethstraße wohnt. „Die Anwohner können nicht mehr.“

Zwar haben beim Senator für Bau, Umwelt und Verkehr bereits die Arbeiten für ein Gesamtkonzept begonnen, das den Verkehr im Quartier zwischen Nordstraße, Waller Heerstraße, Waller Ring und Hansestraße neu regeln soll. Doch bis es im Frühjahr vorgestellt wird und irgendwann in Kraft tritt, wollen die Waller nicht warten.

Der Beirat hatte das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) schon im Juli zum Handeln aufgefordert. Unstrittig war die Forderung, die gesamte Straße als Tempo-30-Zone auszuweisen. Die Verlängerung der Geschwindigkeitsbegrenzung vom Steffensweg bis zur Nordstraße könne kurzfristig angeordnet werden, erläuterte Sandra Schönberger, zuständig für Waller Straßenverkehrsregelungen im ASV.

Doch die bestehende Tempobegrenzung habe sich noch nicht einmal flächendeckend herumgesprochen, berichtete ein Anwohner. Er kritisierte, dass das entsprechende Schild an der Einfahrt Waller Heerstraße schlecht zu sehen sei oder schlicht ignoriert würde.

Als „pädagogische Maßnahme“ soll die Elisabethstraße als erste Straße im Stadtteil von der Geschwindigkeitsmessanlage profitieren, über die der Waller Beirat ab dem kommenden Frühjahr verfügen kann. Die Ausschussmitglieder beschlossen außerdem, das Stadtamt zu Verkehrsüberwachungsmaßnahmen aufzufordern – auch, um das Parken neben den Pollern und in den Kreuzungsbereichen zu ahnden.

„Dringend abraten“ wollte Behördenvertreterin Schönberger den Wallern von einer Einbahnstraßenregelung, die ihrer Erfahrung nach die Geschwindigkeit eher erhöhe. Welche anderen verkehrlichen Maßnahmen denkbar wären, erläuterte Siegfried Surma, Verkehrssachbearbeiter im Waller Polizeirevier.

Eine Möglichkeit wäre es, etwa auf Höhe des Grünzuges West das Tempo der Autofahrer zu drosseln, indem dort eine Hochpflasterung angelegt und die Fahrbahn baulich verengt würde. Den Durchgangsverkehr würde allerdings nur eine Sperrung der Straße verhindern, das wäre eine bauliche Blockade. Eine dritte Idee, die im Ausschuss diskutiert wurde, war die Sperrung des kompletten Bereichs zwischen Bremerhavener Straße und Vegesacker Straße außer für den Anwohnerverkehr.

Ausschusssprecher Wolfgang Golinski (SPD) warnte vor einer vorschnellen Entscheidung. Er plädierte für eine umfassende Verkehrszählung, um genauere Erkenntnisse darüber zu erlangen, zu welchen Zeiten und in welchen Bereichen die Straße besonders belastet sei.

Cecilie Eckler-von Gleich (Bündnis 90/Grüne) gab zu bedenken, dass das ansässige Gewerbe und die Gastronomie erreichbar bleiben müssten. „Man kann die Straße nicht einfach zumachen“, bestätigte ein Anwohner. „Die Läden und Handwerker in den Straßen wären die Leidtragenden.“ Und im Falle einer Vollsperrung müsste eine Wendemöglichkeit eingerichtet werden, gab Sandra Schönberger zu bedenken. Eine Hochpflasterung lehnte wiederum eine andere Nachbarin ab: „Wenn die Lkw mit ihren Anhängern erst abbremsen und dann wieder anfahren, wird es ja noch viel lauter“, prophezeite sie.

„Wir werden hier am Tisch keine Lösung finden“, bilanzierte Wolfgang Golinski. Der Ausschuss einigte sich daher darauf, für Januar einen Termin für eine Ortsbegehung anzusetzen, zu der auch die Anwohner eingeladen werden sollen.

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