Fotoschule Westend stellt in einer Ausstellung Menschen und ihre Definition des Begriffs vor Heimat löst bei unterschiedlichen Menschen gleiche Gefühle aus

Walle. Unterschiedliche Wurzeln, Religionen, Ausbildungen und Berufe - dennoch verbinden unterschiedliche Menschen alle ähnliche Gefühle mit dem Begriff Heimat. Die Fotoschule der Kulturwerkstatt Westend hat sich ein Jahr lang mit der Bedeutung von 'Heimat' beschäftigt und eröffnete in der vergangenen Woche ihre Ausstellung 'Mobile Heimat'. Die Aufnahmen werden angereichert durch die von den abgebildeten Menschen handgeschriebene Definitionen des Begriffs.
11.11.2010, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von LIANE JANZ

Walle. Unterschiedliche Wurzeln, Religionen, Ausbildungen und Berufe - dennoch verbinden unterschiedliche Menschen alle ähnliche Gefühle mit dem Begriff Heimat. Die Fotoschule der Kulturwerkstatt Westend hat sich ein Jahr lang mit der Bedeutung von 'Heimat' beschäftigt und eröffnete in der vergangenen Woche ihre Ausstellung 'Mobile Heimat'. Die Aufnahmen werden angereichert durch die von den abgebildeten Menschen handgeschriebene Definitionen des Begriffs.

Bei der Wahl der Modelle sind Projektleiter Ilker Maga und die Teilnehmer Stephanie Tuschen, Norma Ranke, Rüdiger Bröhan, Dieter Onken, Nural Akdoan Peschties, Rainer Nehms, Gizem Albay, Aykut Akdoan und Anita Okoro methodisch vorgegangen. 'Wir haben zuerst aufgelistet, welche Personengruppen wir fotografieren und befragen möchten, damit wir einen guten Querschnitt durch die Bremer Gesellschaft bekommen', erklärt Ilker Maga. Zusätzlich haben die Freizeitfotografen wahllos Menschen auf der Straße angesprochen. Dank dieser Vorgehensweise haben die Künstler 130 Menschen aus 40 verschiedenen Kulturen befragt - unter anderem Politiker, Akademiker, Arbeitslose, Beamte, Obdachlose und Künstler. Auch Bürgermeister Jens Böhrnsen hat aufgeschrieben, was Heimat für ihn bedeutet.

'Was die einzelnen Befragten wiedergegeben haben, ähnelt sich stark, obwohl sie so unterschiedlich sind', stellt Kursteilnehmer Rüdiger Bröhan fest. Der Hobbyfotograf hat zum ersten Mal an einem Projekt der Fotoschule teilgenommen und gibt zu, sich zuvor mit dem Begriff Heimat und der Bedeutung nie so richtig beschäftigt zu haben. 'Für die Arbeit an diesem Projekt musste ich das. Und ich musste mich in dem Zuge auch intensiv mit den Fotomodellen beschäftigen', erzählt er.

Interessant ist, dass die Menschen Heimat nicht zwangsläufig mit einem bestimmten Ort verbinden. Viele definieren Heimat über Emotionen, haben ihre Heimat verlassen und woanders eine neue gefunden. Wieder andere haben sie mitgenommen. Der Titel der Ausstellung 'Mobile Heimat' soll das ausdrücken. 'Dadurch kann ich mich besonders mit diesem Projekt identifizieren', gibt Nural Akdoan Peschties unumwunden zu. Sie wurde in der Türkei geboren, kam vor zehn Jahren nach Deutschland. Inzwischen hat sie hier eine zweite Heimat gefunden. Sie kannte den Projektleiter und kam durch ihn zur Gruppe.

'Mit diesem Projekt möchten wir zeigen, dass Heimat unabhängig von Nationalität oder Religion auf der Basis der Menschlichkeit geschaffen wird', sagt Ilker Maga. Der Fotograf und Autor leitet die Fotoschule Westend seit fünf Jahren ehrenamtlich. Seine Arbeiten sind seit 1984 weltweit zu sehen - dazu gehörten mehr als 60 Einzelausstellungen und die Großprojekte 'Fahrradfieber' und 'Istanbul'. Zu der Ausstellung 'Mobile Heimat' steuerte er außer eigenen Fotos auch ein Essay bei, welches sich der Frage widmet, warum der Mensch Heimat braucht.

Zur Eröffnung der Schau las der Journalist Michael Augustin ein selbst verfasstes Gedicht vor. Der Integrationsbeauftragte der Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales, Erhard Heintze, sprach einführenden Worte. Die Musikerin Lilia Sukhova spielte Klavier.

Die Ausstellung 'Mobile Heimat' ist noch bis zum 12. Dezember im Westend, Waller Heerstraße 294, zu sehen. Nähere Informationen gibt es unter Telefon 6160455.

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