Passage: Projekt der Allgemeinen Berufsschule in Walle endet / Mehr als 300 geförderte Schülerinnen und Schüler Hilfe beim Übergang in die Arbeitswelt

Drei Jahre lang hatte das Projekt "Passage" zum Ziel, Jugendliche mit Migrationshintergrund beim Übergang von der Schule in den Job zu unterstützen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Mehr als 300 Schülern wurde geholfen. Allein Hundert von ihnen erreichten den Hauptschulabschluss. Drei von vier geförderten Jugendlichen fanden eine Perspektive.
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Volker Althoff

Drei Jahre lang hatte das Projekt "Passage" zum Ziel, Jugendliche mit Migrationshintergrund beim Übergang von der Schule in den Job zu unterstützen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Mehr als 300 Schülern wurde geholfen. Allein Hundert von ihnen erreichten den Hauptschulabschluss. Drei von vier geförderten Jugendlichen fanden eine Perspektive.

Walle. Es hat in drei Jahren viele Schülerinnen und Schüler der Allgemeinen Berufsschule (ABS) regelrecht angeschoben. Nun ist die Laufzeit des Projekts "Passage" beendet. Das lieferte den Anlass für eine Präsentation und Bilanz. Jugendliche haben sich mit einer kleinen Feier im Zentrum für Schule und Beruf (ZSB) am Steffensweg, das die Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales, das Ressort für Bildung und Wissenschaft, das Amt für Soziale Dienste und der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes Bremen stützt, bei dem Träger bedankt. Bei einem Tag der offenen Tür haben sie anhand einer Fotoschau gezeigt, in welchen Bereichen sie Hilfe und Unterstützung erhielten.

Möglich war die Förderung durch das Bundesprogramm "Xenos - Integration und Vielfalt", das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und dem Europäische Sozialfonds initiiert wurde. Das Ziel war, Schüler mit Migrationshintergrund beim Übergang von Schule in den Beruf zu begleiten. Ein weiteres Anliegen war, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus entgegenzuwirken.

Hätte es das nicht gegeben, wäre Aminat Mukhueva aus Huchting nicht da gelandet, wo sie jetzt ist. Die 20-Jährige, die ursprünglich aus Tschetschenien stammt, macht zurzeit eine Ausbildung als Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin. Diesen Weg hat sie zum großen Teil dem Projekt "Passage" zu verdanken. Es wurde drei Jahre von Pädagogischen Mitarbeitern des ZSB umgesetzt und hat sich an Schülerinnen und Schüler der ABS gerichtet, die einen Migrationshintergrund haben.

Ausbildungschancen verbessern

Das Ziel war, ihre Ausbildungschancen zu verbessern. "Außerdem wollten wir erreichen, das Berufswahlspektrum zu erweitern", erklärte Udo Casper. Ein entscheidender Schwerpunkt sei gewesen, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus entgegenzuwirken. Der Projektmitarbeiter des ZSB arbeitet gleichzeitig auch beim Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes Bremen, der diese Maßnahme ebenfalls unterstützt hat. "Die Organisation hat einen humanitären Auftrag und geht eben auch gegen Benachteiligung vor, zu der unter anderem Migration führen kann", sagte Casper.

Nun ist die Laufzeit der Förderung zu Ende, was mehrere Jugendliche der ABS für eine kleine Feier mit Musik in den Räumen des ZBS am Steffensweg 166 nutzten. Koray Arslan, Sozialpädagoge, spielte mit einigen der Schüler auf Gitarre und Schlagzeug. "Die Lieder sind bei den Kreativtagen entstanden", so Arslan. Julita Mund aus Gröpelingen sang den Song "Träume nicht Dein Leben, lebe Deinen Traum". "Wenn ich singe, fühle ich mich gut", sagte sie. Die 18-Jährige und viele ihrer Mitschüler hatten den Tag der offenen Tür organisiert und Ergebnisse der dreijährigen Arbeit in einer Fotoserie zusammengestellt.

Auch Aminat Mukhueva war gekommen und erzählte Schülern, wie ihr das Projekt geholfen habe. "Ich hatte jemanden, der mir zeigt, wo es langgeht. Die Projektmitarbeiterin Martina Rothgänger hat mir zum Beispiel geholfen, Bewerbungen zu schreiben. Ich habe mit ihrer Hilfe einen Praktikumsplatz im Klinikum Mitte gefunden." Ihr Wunsch sei immer gewesen, im medizinischen Bereich zu arbeiten. "Das hat geklappt, worüber ich mich sehr freue. Ich bin dankbar, dass ich die Hilfe bekommen habe", blickte sie glücklich zurück.

Die Teilnehmenden haben in fünf Bereichen eine individuelle Begleitung bekommen. "Zu unseren Angeboten gehörten Berufsorientierung, Kommunikations- und Bewerbungstraining, Vorbereitung auf Betriebspraktika, individuelle Förderplanung und Beratung in aktuellen Krisen und Problemlagen", zählte Rothgänger auf. Diese und weitere Unterstützung erhielt auch Rui Nacumbizo aus Kattenesch. Der 18-Jährige, der seine Wurzeln in Kenia hat, kämpfte mit Sprachproblemen. "Das war für mich sehr schwierig. Da hat mir zum Glück Herr Casper geholfen", berichtet er. Er besucht jetzt die Klasse für Berufsvorbereitung Wirtschaft und Verwaltung. Es macht ihm sehr viel Freude. "Ich lerne hier sehr viel. Ich möchte meinen Realschulabschluss, Fachabitur machen und dann studieren." Da sieht Frank Grönegreß, Schulleiter an der ABS, keine Probleme. "Der wird seinen weiteren Weg machen und das schaffen. Unsere Schüler haben es genossen, dass sie durch das Projekt betreut wurden", hat er beobachtet.

Dem stimmt auch Jamsched Azadzoy aus Huchting zu. Der 29-Jährige, der ursprünglich aus Afghanistan kommt, hat ein Praktikum beim ZSB gemacht und vielen Schülern im Rahmen des Programms "Passage" geholfen. "Ich habe zum Beispiel mit ihnen Behördengänge erledigt, sie bei der Wohnungssuche unterstützt und auch Dolmetschertätigkeit gemacht. Denn viele von ihnen kommen aus demselben Land wie ich. Ich habe gemerkt, dass sie die Hilfe brauchen."

Das allein beweisen Zahlen, die Elisabeth Mahlberg-Wilson, Leiterin des ZSB, nannte: "Annähernd 50 Prozent der Schülerinnen und Schüler waren Deutsche mit Migrationshintergrund, knapp die Hälfte kam aus mehr als 30 verschiedenen Herkunftsländern. Und knapp 60 Prozent der Teilnehmenden hatten bei Projekteintritt noch keinen Schulabschluss erworben."

Auf der anderen Seite stehen die Erfolge, die das Projekt in den drei Jahren erreicht hat. "Insgesamt konnten 305 Schülerinnen und Schüler gefördert werden. Über 100 Teilnehmenden ist es gelungen, durch unsere Unterstützung einen einfachen oder erweiterten Hauptschulabschluss zu erzielen. Besonders erfreulich ist auch, dass es Dreivierteln der Teilnehmer gelungen ist, eine Anschlussperspektive zu finden", bilanziert Casper.

Insofern war die Freude bei allen pädagogischen Mitarbeitern sehr groß. "Unser Projekt hat einen kleinen Beitrag dazu geleistet, die Anzahl migrantischer Jugendlicher in Arbeit und Ausbildung zu erhöhen und somit der Arbeitsmarktbenachteiligung und gesellschaftlicher Ausgrenzung in Bremen entgegenzuwirken", war Martina Rothgänger über das Ergebnis dieser Arbeit glücklich.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+