Von Überseestadt bis Herdentor

Hochstraßentour lockt Tausende Radfahrer auf Bremens Straßen

Einmal auf Straßen radeln, die sonst dem Pkw-Verkehr vorbehalten sind – über 3000 Radfahrer ließen sich dies am Sonntag bei der 13. Hochstraßentour des ADFC in Bremen nicht entgehen.
16.09.2018, 17:26
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Hochstraßentour lockt Tausende Radfahrer auf Bremens Straßen
Von Timo Thalmann
Hochstraßentour lockt Tausende Radfahrer auf Bremens Straßen

Auf rund 3500 Radfahrer schätzte die Polizei die Zahl der Teilnehmer an der 13. ADFC-Hochstraßentour.

Frank Thomas Koch (2)

Bis über 3000 Fahrräder vom Waller Ring nach rechts in die Waller Heerstraße abgebogen sind, dauert es etwa 15 Minuten. Zu lange für einen Autofahrer, der sich mit seinem Fahrzeug trotz Absperrung an einem Ordner des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) vorbeischiebt und die Kreuzung als Linksabbieger in den Osterfeuerberger Ring hinein passiert. Doch das sind laut Polizeisprecher Einzelfälle. „Keine nennenswerte Probleme“, lautet die offizielle Bilanz der Ordnungshüter zur inzwischen 13. Hochstraßentour des ADFC, die am Sonntag im Europahafen startete.

Durch Walle und Findorff führte der Weg zunächst zum Hochschulring. Dort ging es dann über die Auffahrt Überseestadt auf die Hochstraße in Richtung City, dann über die Hochstraße Breitenweg zum Rembertiring. Von dort wieder zurück über den sogenannten Fly-Over und anschließend über die Stephanibrücke in Richtung Neustadt. „Das ist schon ein tolles Erlebnis, einfach mal mit dem Rad dort entlang zu fahren, wo sonst nur Autos fahren dürfen“, sagt Peter Miruchna. Der 63-jährige aus der Vahr macht zum ersten Mal die Hochstraßentour mit und zeigt sich sichtlich begeistert. Auch über das Abschlussfest mit dem Dinner am Wall in Höhe der Windmühle, das die Radler nach gut zwei Stunden erreichen. „Ist natürlich prima, dass das Wetter heute mitspielt“, sagt er fröhlich über ein Stück Mohnkuchen gebeugt.

ADFC Hochstraßentour 2018 - Utbremen B6 Fly over -

Die Radtour war stellenweise auch eine Fahrradausstellung mit einer großen Vielfalt von Modellen – darunter zahlreiche Lastenräder.

Foto: Frank Thomas Koch

„Mehr Platz fürs Fahrrad in der Stadt“, hatte der ADFC als Motto für seine Radtour ausgegeben, die der Club vor allem als politische Demonstration pro Fahrradverkehr versteht. Sie ist zugleich Teil der Woche der Mobilität des Vereins Stadtraum Bremen, der auch das Fest auf dem Wall ausgerichtet hat. „Wir wollen eine Stadt, die auf menschliche Maße zugeschnitten ist und das Fahrrad ist dafür das ideale Verkehrsmittel“, sagt Bonnie Fenton, Vorsitzende des ADFC. Beim Auto würden bis zu zwei Tonnen Stahl bewegt, um in den meisten Fällen nur einen einzelnen Menschen zu transportieren. „Das ist unvernünftig.“

Auch Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne) tritt zum Auftakt am Kopf des Europahafen als Redner auf. Er verweist auf zahlreiche, bereits verwirklichte Veränderungen beim Umbau Bremens in eine fahrradgerechte Stadt. „Wir haben neue Fahrradstraßen ausgewiesen, in der Neustadt wird ein ganzes Fahrradquartier entstehen.“ Auch die jüngst von den Grünen in die Diskussion gebrachten Fahrradbrücken werden kommen, zeigt sich Lohse hier vor einigen Tausend Radlern gewiss. „Ich muss mich jeden Tag für meine Politik beschimpfen lassen, aber mehr Raum fürs Fahrrad ist das richtige Konzept für eine Stadt wie Bremen“, gibt sich der Senator kämpferisch, bevor er ebenfalls aufs Rad steigt und die gut 20 Kilometer über die Hochstraßen mitfährt.

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Weitaus mehr Kilometer legen dabei die rund 70 Ordner des ADFC zurück. Sie sperren Seitenstraßen und Kreuzungen ab und pendeln dafür viele Male vom Ende des einige hundert Meter langen Fahrradtross zu seinem Beginn. Das gelingt ihnen aber ganz gut, weil sich die bunte Radler-Schar insgesamt eher gemächlich vorwärts bewegt. Ganze Familien sind dabei mit kleinen Kinderfahrrädern, dazwischen auch Lastenräder, Liegeräder und andere spezielle Gefährte. Eine Familie bewältigt die Tour auf einem sehr langen Vierer-Tandem. Die für den Autoverkehr ausgelegten Steigungen der Hochstraßen machen sich bei vielen Ausflüglern sichtlich bemerkbar.

Die Helfer haben dabei noch eine zusätzliche Aufgabe: Auch Gründen der Sicherheit sollen auf dem Fly-Over und allen Brücken immer mindestens zwei Meter Abstand zwischen Radlern und dem Geländer liegen. Uwe Keller vom ADFC bemüht sich als Ordner darum, dass niemand den Brückenrändern zu Nahe kommt oder zum Fotografieren stehen bleibt, empfindet diese Auflage aber als Schikane. „Ich mach das jetzt das sechste Mal und das wurde bislang nie verlangt.“

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