Beteiligungskultur gilt als wegweisend

In Leipzig ist Bremen Vorbild

Überseestadt. Wie machen es die anderen, und was können wir von ihnen lernen? Darum geht es bei dem Stadtentwicklungsprojekt koop-stadt. Hier tauschen sich Bremen, Leipzig und Nürnberg über ihre unterschiedlichen Erfahrungen aus.
01.12.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Anne Gerling

Wie machen es die anderen, und was können wir von ihnen lernen? Darum geht es bei dem Stadtentwicklungsprojekt koop-

stadt. Hier tauschen sich Bremen, Leipzig und Nürnberg über ihre unterschiedlichen Erfahrungen aus. Nun berichteten sie darüber beim Stadtdialog Bremen – der dadurch ein Städtedialog wurde.

Seit 2008 dienen Bremen, Leipzig und Nürnberg als eine Art gemeinschaftliches „Versuchslabor“ in Sachen Stadtentwicklung: Im Pilotprojekt „koop-stadt“ des Bundesministeriums Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) tauschen sich noch bis 2015 regelmäßig Delegationen aus Bremen, Leipzig und Nürnberg über ihre Erfahrungen einer „Integrierten Stadtentwicklungspolitik“ aus, um voneinander und miteinander zu lernen.

Rund eine halbe Million Einwohner, eine relativ kompakte Stadtstruktur, ein reichhaltiges, kulturelles Leben und vielfältige urbane Milieus: Unter anderem dies haben die Städte gemeinsam. Und alle stellen jetzt die Weichen dafür, wie sie in Zukunft konkret aussehen wollen. Über die unterschiedlichen Methoden tauschen sich bei koopstadt Verwaltung, Stadtpolitik, Wirtschaft und zivilgesellschaftliche Akteure aus.

„Wir wollen ein gelebtes Beispiel auflegen, das Vorbild für andere Städte in Deutschland und Europa sein kann“, betonte Senatsbaudirektorin Iris Reuther beim Bremer Stadtdialog in der Hochschule im Speicher XI. Dieses Mal war die Veranstaltung zum Städtedialog rund um koopstadt erklärt worden.

Die Stadt nachhaltig entwickeln – also klimagerecht, energieeffizient, anpassungsfähig, sozial gerecht, wirtschaftlich effizient und gestalterisch hochwertig: Dieses 2007 in der „Leipzig-Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt“ formulierte Ziel verfolgen alle Städte auf unterschiedlichen Wegen.

So will Bremen das 2009 vom Senat beschlossene integrative Leitbild der Stadtentwicklung „Bremen! lebenswert – urban – vernetzt“ zunächst im Kleinen umsetzen. Und zwar im Bremer Westen. Denn mit der noch heranwachsenden Waller Überseestadt einerseits und Gröpelingen andererseits sei der Westen – im Zusammenhang gedacht – ein vielfältig strukturierter Experimentierraum, so Bianca Urban, Abteilungsleiterin Stadtentwicklung im Bauressort. Gröpelingen liefere über das Stadtmonitoring bestimmte Sozialdaten und trage viel zur sozialen und kulturellen Integration innerhalb Bremens bei.

Auch gebe es hier im Westen schon, erläutert Urban, viele Einzelaktivitäten, die es miteinander zu verschneiden gelte. Etwa die Untersuchung zur „Energetischen Stadtsanierung“ im Ohlenhofquartier, bei der ein komplettes Wohnviertel betrachtet wird. Oder das Quartiersbildungszentrum (QBZ), das gerade an der Fischerhuder Straße gebaut wird. Und in Osterfeuerberg wird mit der Union-Brauerei demnächst ein historisches Bauensemble neu entwickelt.

Um vier „Projektfamilien“ geht es in Bremen – um die Aufwertung der Hauptverkehrsachsen und die Schaffung von Querverbindungen, die Stärkung bereits vorhandener baulicher Kleinode, die Verknüpfung einzelner Projekte und die Förderung von Bildung etwa durch die Verbesserung der Übergänge vom Kindergarten zur Schule und in den Beruf. Denn die Bildung, so die einhellige Meinung, ist ein wichtiger Motor für eine positive Stadtentwicklung.

„Aber es geht nicht ohne andere Ressorts. Mein Wunsch zu Weihnachten wäre, dass alle Ressorts zusammenarbeiten und den Bremer Westen entwickeln“, machte Anne Lüking vom Referat Liegenschaften im Bildungsressort deutlich. Sie ist regelmäßig bei koopstadt dabei.

Und wie nehmen Beobachter von auswärts Bremen wahr? In Leipzig, wo wie hier aktuell über Lernen vor Ort ein Bildungsmanagement aufgebaut wird, gilt etwa das QBZ als Vorbild. Aber auch das Bremer Car-Sharing-Modell; gerade sei die Stadt dabei, 25 „Mobilstationen“ aufzubauen, schilderte Stefan Heinig vom Leipziger Stadtplanungsamt. „Raus aus den Rathäusern – hin zu den Bürgern“: In diesem Punkt, meint Peter Faßbender vom Stadtplanungsamt Nürnberg, sei Bremen seiner Ansicht nach „auf einem ganz hohen Niveau“.

Ähnlich sieht es Bürgerschaftsmitglied Carsten Werner (Grüne). In Sachen Beteiligungskultur stehe man nun aber wohl vor der nächsten Etappe, ergänzte er. Zum Städtedialog waren nämlich auch Vertreter des Vereins „Waller Mitte“ gekommen, um ihren Unmut kundzutun. Denn nach einem dreijährigen – von der Baubehörde initiierten – Beteiligungsprozess umgeht das Bauressort nun offenbar das vom Runden Tisch erarbeitete Ergebnis. Ein davon abweichender Entwurf zur Bebauung des Platzes soll offenbar am kommenden Dienstag, 18 Uhr, im Rahmen einer öffentlichen Sitzung im Ortsamt West vorgestellt werden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+