Baugruppen in Walle

Innovative Wohnformen für Walle vorgestellt

Rund 80 Menschen verschiedensten Alters wollen demnächst am Dedesdorfer Platz in Bremen-Walle bauen. Was die fünf Baugruppen dort genau vorhaben, das präsentierten sie nun im Fachausschuss Quartiersentwicklung.
16.03.2019, 06:24
Lesedauer: 3 Min
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Innovative Wohnformen für Walle vorgestellt
Von Anne Gerling

Wie geht es weiter mit der Waller Mitte? Nachdem im Dezember fünf Baugruppen den Zuschlag für die vier am Dedesdorfer Platz gelegenen Baugrundstücke erhalten hatten, haben nun Vertreter dieser Initiativen im Fachausschuss Quartiersentwicklung des Waller Beirats ihre Pläne vorgestellt. Hinter den Baugruppen namens Hafenhaus, Lanke, Solidarisch Wohnen, Wallerleben und Waller Wohnen stehen rund 80 Menschen vom Kleinkind- bis zum Rentenalter.

Die Freifläche soll bis zum Sommer fertig gestaltet sein, was dann mit einem Fest gefeiert wird. Mit der Bebauung um den Platz herum dauert es etwas länger – erste Veränderungen sind aber schon sichtbar. Die Sportklause an der Vegesacker Straße ist abgerissen worden; der Martinsclub stimmt sich derzeit noch mit dem Bauressort über Details zum Torhaus 1 ab, das er dort baut. „Der Baukörper verändert sich etwas, denn wir müssen uns am Rebuz nebenan orientieren“, erklärt dazu Sebastian Jung. Demnach wird bei der Fassadengestaltung voraussichtlich nicht Holz zum Einsatz kommen: „Wir gehen davon aus, dass es in Richtung Backstein gehen wird.“

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„Wir wollen langfristig günstigen Wohnraum schaffen“, erklärt im Namen der Baugruppen Daniel Scholten. Vier Gruppen hätten dafür das Modell Freiburger Mietshäuser Syndikat (MHS) gewählt, mit dem bereits mehr als 150 Projekte umgesetzt worden sind. Drei davon – das selbstverwaltete Wohn- und Kulturprojekt an der Grünenstraße 18 in der Neustadt, das Mosaik-Wohnprojekt am Bunten­torsdeich 21 in Huckelriede und ein Projekt an der Schweizer Straße 3d im Steintor – in Bremen. Die fünfte Gruppe will sich über eine Genossenschaft gegen den Verkauf einzelner Wohnungen absichern.

Lucie Legay ergänzt dazu: „Wir möchten einen kulturellen und sozialen Beitrag leisten.“ Hierfür sollen ihr zufolge im Torhaus 2 drei verschiedene Quartiersräume eingerichtet werden, in denen verschiedene Aktivitäten stattfinden können: Eine Selbsthilfe-Werkstatt für Holzarbeiten und Fahrradreparaturen mit Lastenrad-Verleih, Repair-Café und speziellen Angeboten für Kinder sowie eine Lebensmittel-Kooperative, über die gemeinsam ökologische Lebensmittel zu bezahlbaren Preisen eingekauft werden können. Das Foyer als Übergangsraum zwischen dem Platz und den Quartiersräumen sei außerdem als gemütlicher Raum mit Schwarzem Brett und Büchertauschregal geplant.

Kita ab 2021 geplant

Im Haus der Gruppe Waller Wohnen soll 2021 eine Kita eröffnen; Betreiber ist laut Sprecher Frido Boost der Verein Die Grashüpfer, der sein Platzangebot dann von derzeit acht Krippenplätzen auf 24 Plätze erweitert: „Wir arbeiten mit Hochdruck an der Baureife und wollen auch Bezüge zum Platz herstellen.“

Noch gehören die Grundstücke der Stadt; Ende Dezember werden sie geliefert, dann können die Bauanträge eingereicht werden. Immobilien Bremen (IB) arbeitet nun Kaufverträge aus. Die Initiativen haben viel Zeit und Energie investiert und sind gut vorbereitet. „Seit unserer Gründung 2014 treffen wir uns monatlich, um den Prozess zu strukturieren und zu begleiten. Wir haben außerdem eine Finanz-AG, eine Rechts-AG, eine Ort-AG, eine Bau-AG und eine Prozess-AG“, schilderte etwa Lisa Morgenschweis von der Gruppe Solidarisch Wohnen. „Wir sind seit 2015 dabei und arbeiten auch schon lange mit Architekten zusammen“, berichtete eine Frau aus einer anderen Gruppe: „Deshalb sind wir dankbar, wenn es schnell geht und wir schnell eine Genehmigung bekommen.“

„Wir freuen uns, dass ihr hierher kommt und dass wir innovative Wohnformen und Finanzierungsmodelle nach Walle bekommen“, unterstrich Christof Schäffer, der sich für die Grünen im Waller Beirat engagiert und den Grundstücksvergabeprozess als Beiratsvertreter mit begleitet hat. „Die Freiraumplanung war ein quälend langer Prozess – aber auch ein Pilotprojekt, wo sich die Behörde noch ausprobieren musste“, meint er rückblickend: „Ich hoffe, dass es beim nächsten Mal flotter geht.“

Weitere Informationen

Wer sich für gemeinschaftliche Wohnprojekte interessiert, der kann sich unter Telefon 3 61 40 28 an Thomas Czekaj von der Koordinierungsstelle für Baugemeinschaften/Gemeinschaftliches Wohnen wenden.

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