Pladoyer für die Fantasie

Wie Anna die Träume rettete

280 Seiten voller Fantasie hat die Bremerin Franziska Thaufelder beschrieben. Ihr Buch „Anna und die Traumwelt“ ist ab sofort in ausgewählten Buchhandlungen zu finden.
11.01.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Anke Velten

Anna sieht vieles, das den meisten anderen Menschen verborgen bleibt: Den freundlichen Zauberer zum Beispiel, der immer wieder in ihren Träumen zu Besuch kommt. Oder die winzigen Gnorks, die ihre kleinen Lichter in die Welt tragen. Genau wie die Elfen sind sie entstanden, als das erste Baby lachte, und sein Lachen in Tausende winzige Stücke zersprang. Davon erzählt Anna aber besser nichts, denn die Anderen würden ihr sowieso nicht glauben. Doch nun ist die Zwischenwelt in Gefahr. Ein böswilliger Professor hat sich vorgenommen, die Macht über die Träume der Menschen an sich zu reißen. Nur Anna kann die Traumwelt retten. Doch bis es soweit ist, muss sie viele gefährliche Abenteuer bestehen.

Mit „Anna und die Traumwelt“ hat Franziska Thaufelder einen Kinderroman verfasst, in dem sich Fantasie und Wirklichkeit nicht ausschließen. Denn parallel zu Annas Traumwelt gibt es ja auch noch die Realität, wie sie vielleicht auch viele andere Kinder kennen werden: Der Verlust der Mutter, der alleinerziehende Vater, das Leben zwischen zwei Kulturen beschäftigen Anna. Doch die Schildkröte mit dem quietschenden Rad, die Wüstenmaus mit der Sandallergie oder das schüchterne Sandstürmchen geben wiederum viel Grund zum Schmunzeln. „Das Lesen soll Spaß machen“, betont die Autorin. „Das ist mir am Wichtigsten“.

Von der Nichte inspiriert

Den zwölften Geburtstag sollte die Zielgruppe schon gefeiert haben, um den 280-Seiten-Schmöker zu verstehen und in Annas Universum eintauchen zu können Nach oben gibt es keinerlei Altersbegrenzung. Die erwachsenen Testpersonen, die das Manuskript vor der Veröffentlichung wieder und wieder zu lesen bekamen, berichteten alle, „dass sie es total gerne gelesen haben“, so Thaufelder.

Inspiriert wurde die Erzählung von ihrer Nichte, erzählt sie, die – damals wohl sieben, acht Jahre alt – lebhaft träumte und den Großen ebenso lebhaft von ihren Träumen erzählte. „Träume sind etwas sehr Wertvolles“, sagt Thaufelder. „Sie sagen uns immer etwas.“ Zeit, die Geschichte zu Papier zu bringen, blieb im beruflichen Alltag nicht, und so wuchs die kleine Nichte in den vergangenen 15 Jahren zu einer jungen Frau. Die Geschichte wuchs ebenfalls, aber nicht ganz so schnell: „Es brauchte viel Zeit und Unterstützung, um das Vorhaben umzusetzen“, sagt die Autorin.

Der freundliche Drache Malimo, das Motiv des Diebstahls eines ideellen Guts, der magische Spiegel, die liebevoll beschriebene, skurrile Parallelwelt: Wer sich dabei an Kinderbuchklassiker von Michael Ende, Otfried Preußler oder Cornelia Funke erinnert, liegt genau richtig. Denn genau das sind die Autoren, die auch Franziska Thaufelder liebt und schätzt. Die Ähnlichkeiten sind daher vielleicht nicht rein zufällig, aber auch nicht bewusst geplant. „Als ich anfing zu schreiben, hatte ich noch kein fertiges Konzept, wohin die Reise geht“, erzählt Thaufelder.

Mit Astrid Lindgren verbindet die Wallerin nicht nur die Figur der starken, unabhängigen Protagonistin, sondern auch eine andere kuriose Gemeinsamkeit: Die Bücher der beiden sind das Resultat von medizinischen Ausnahmesituationen. Lindgrens Pippi Langstrumpf konnte bekanntlich Gestalt annehmen, weil die junge Schwedin mit einem verstauchten Fuß und einer fiebrigen Tochter ans Haus gefesselt war. Bei ihrer Waller Kollegin war es die zwölfwöchige Pause nach einer komplizierten Schulter-Operation. Pausieren musste erzwungenermaßen auch ihre künstlerische Arbeit mit Holz „Ich habe mich wahnsinnig gelangweilt“, erzählt Thaufelder. „Also habe ich mir meinen ersten Laptop angeschafft und mit dem Schreiben begonnen.“ Im Laufe der Zeit wurde die Geschichte immer länger, und die Ideen, die
Figuren entstanden fast von selbst. „Ich habe mich einfach treiben lassen“, sagt die Autorin. Umso mehr staunte sie selbst darüber, wie letztlich alle Fäden zusammenflossen, wie alle Handlungsstränge sich auflösten. Genauer gesagt: Fast alle. Denn die aufmerksame Leserschaft wird bemerken, dass eini-
ge Fragen offen bleiben. Und das heißt
natürlich: Eine Fortsetzung ist nicht ausgeschlossen.

Info

Zur Sache

Gruseln mit den Brüdern

„Ich hatte immer eine blühende Phantasie“, erzählt die 57-jährige Autorin, die mit Frau, Katzendame Philine und Hundekind Frieda in Walle lebt. „Meine beiden Brüder und ich haben uns abends im Bett Gruselgeschichten erzählt, wir haben stundenlang Spiele gespielt, die wir uns selbst ausgedacht haben“. Es waren natürlich andere Zeiten, lange vor der Erfindung von Spielekonsolen und Smartphones.

„Ich habe schon das Gefühl, dass Kindheit heutzutage viel weniger märchenhaft ist“, sagt Thaufelder. In ihrem Berufsleben hat sie mit einer weit weniger traumhaften Materie zu tun: Als Lehrerin für die Fächer Biologie und Politik war sie an einem Achimer Gymnasium tätig. Seit sieben Jahren ist Franziska Thaufelder Vertrauensperson für die schwerbehinderten Beschäftigten im Auftrag der niedersächsischen Schulbehörde, und pendelt dafür – zu normalen Zeiten, versteht sich – zwischen Walle und Lüneburg.

Besonders wichtig sei es ihr gewesen, dass ihr Erstling ein Buch werden sollte, das man gerne anschauen und in die Hand nehmen mag. Einen Beitrag dazu leistete die Findorffer Künstlerin Isa Fischer, die zauberhafte Illustrationen für den Einband schuf. Die erfahrene Buchautorin vermittelte auch den Kontakt zur Bremer Druckerei Girzig & Gottschalk, die das Manuskript in 500 hochwertig gestaltete, optisch wie haptisch ansprechende Hardcover-Bände verwandelte, die den Vergleich mit den Produkten renommierter Kinderbuchverlage nicht scheuen müssen.

Weitere Informationen

„Anna und die Traumwelt” ist zum Preis von 19 Euro in folgenden inhabergeführten Buchläden erhältlich: Logbuch an der Vegesacker Straße, Findorffer Bücherfenster an der Hemmstraße sowie Buchhandlungen Sieglin und Georg-Büchner im Steintor. Direktkontakt zur Autorin: franfields@nordcom.net.

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