Hausbesichtigungstag Klimaschutzkampagne im Bremer Westen

Walle. Familie Middelberg lebt seit 13 Jahren in der Oldesloher Straße. Kürzlich öffnete sich die stilvolle Haustür ihres Wohnhauses, Baujahr 1912, für wildfremde Besucher. Das Haus der Middelbergs ist nämlich ein Vorzeigeobjekt.
08.11.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten

Walle. Familie Middelberg lebt seit 13 Jahren in der Oldesloher Straße. Kürzlich öffnete sich die stilvolle Haustür ihres Wohnhauses, Baujahr 1912, für wildfremde Besucher. Das Haus der Middelbergs ist nämlich ein Vorzeigeobjekt, das anschaulich macht, wie sich charmante Altbaudetails mit einer vorbildlichen energetischen Sanierung vertragen - und das so ganz bewusst zur Nachahmung einladen sollte.

Zum vierten Mal hatten die Energie-Experten der Klimaschutzagentur 'Bremer Energiekonsens' zum Hausbesichtigungstag in 13 Bremer Häuser eingeladen. Gemeinsam mit Hausherrin Martina Middelberg standen Architekt Burkhard Hennig sowie Dachdeckermeister und Firmenchef Bernhard Schaardt den Besuchern für Fragen zur Verfügung. In den vergangenen Monaten haben die Middelbergs mit Unterstützung der Fachleute ihr Haus richtig warm eingepackt - mit einem neuen Dach, einer Außenwanddämmung und neuen Fenstern. Das Haus besitzt jetzt eine Solaranlage für die Warmwasserbereitung und eine neue Gas-Brennwertheizung. Um etwa 30 Prozent wurde damit der häusliche Energieverbrauch gesenkt, das klingt gar nicht so viel. Doch weil im Zuge des Umbaus die Wohnfläche verdoppelt wurde, sei die Ersparnis im Verhältnis eigentlich doppelt so groß, erklärt der Architekt.

U-Werte und K-Werte waren für die Besucher keine Fremdworte; die meisten hatten sich schon im Vorfeld intensiv mit dem Thema befasst. Zum Beispiel Hellmut Lühmann, der die Sanierung seines Findorffer Reihenhauses aus den 1930er-Jahren angehen möchte. Er interessierte sich für die Dreifachverglasungen der Fenster: 'Ich wollte vor allem wissen, ob trotzdem noch genug Licht in die Räume fällt, und ob die einfallende Sonne, die ja auch Wärme spendet, zu stark gefiltert wird', erklärte er. Lühmann ließ sich vor Ort die Skepsis nehmen.

Kostenvoranschläge eingeholt

Auch für Familie Schnatmeyer, die vor kurzem ein Haus in der Nachbarschaft bezogen hat, sind Energiesparmaßnahmen fest eingeplant. Kostenvoranschläge wurden bereits eingeholt. Bei der Besichtigung ging es ihnen um praktische Tipps und Inspirationen, ebenso wie für Doris und Heiko Everding aus Oslebshausen. 'Sehr viel mehr kann man aus einem Altbau nicht machen', urteilt Architekt Hennig und hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg: Persönlich findet er, dass sich der CO2-Ausstoß am effektivsten über klimaschonende Methoden der Stromerzeugung senken ließe.

Die erste Stadtteilkampagne zur Altbausanierung geht jetzt ihrem Ende entgegen. Möglichst viele Hausbesitzer in Findorff und Walle sollten darin bestärkt werden, ihre Altbauten energietechnisch zu sanieren, und damit den Wert ihrer Häuser und deren Wohnqualität zu steigern und den ambitionierten Zielen des Klimaschutzes Auftrieb zu geben. Mit ihrem Pilotprojekt sind die Veranstalter zufrieden; besonders der Gebäude-Energiecheck habe sich bewährt, lobte Energiekonsens-Geschäftsführer Martin Grocholl. Rund 80 Mal haben seine Energieberater Häuser im Bremer Westen besucht. Die einstündigen Beratungen zum Preis von 25 Euro seien gut angekommen, findet Grocholl.

Wie viele der Hausbesitzer im Bremer Westen sich dann tatsächlich für Maßnahmen entscheiden, soll nach Abschluss der Kampagne abgefragt und ausgewertet werden. Fest steht, dass im kommenden Frühjahr in einem anderen Stadtteil das Thema Klimaschutz genau so intensiv angegangen werden soll. 'Wir sind präsenter geworden', so lautete die vorläufige Bilanz der Klimaschützer.

Nicht nur einmal hatten sie es früher bereut, in einen Altbau gezogen zu sein, gestand Hausbesitzerin Martina Middelberg. Zugig war es hier, die Vorbesitzer hatten immer nur provisorisch saniert, 'mit dem Energieverbrauch des Durchlauferhitzers im Bad hätte man wahrscheinlich die gesamte Straße beleuchten können', erzählte sie. Doch der Sanierungsaufwand habe sich gelohnt.

Heute zieht hier nichts mehr, selbst bei offenen Zimmertüren bleibt die Temperatur angenehm. 'Die Lebensqualität und die Behaglichkeit sind deutlich gestiegen'. Ob auch der Klimaschutz für die Familie eine Rolle spielte? 'Na klar', sagte Martina Middelberg, keine Frage: 'Wir haben doch Kinder.' Im Rahmen der Stadtteilkampagne 'Bremer Modernisieren' können noch bis zum kommenden Freitag, 12. November, Termine für Gebäudechecks in Walle und Findorff vereinbart werden.

Energieberater kommen für 25 Euro ins Haus und prüfen Sanierungsbedarf und Einsparungspotenziale. Online-Termine lassen sich unter www.bremer-modernisieren.de buchen. Hier finden sich auch viele weitere Informationen zum Thema Altbausanierung.

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