Polizei droht Strafen an Ab jetzt wird’s teuer

Sie war für viele Autofahrer die Abkürzung schlechthin auf dem Weg zur Autobahn: die Kohlenstraße. Jetzt darf sie in der entscheidenden Richtung nicht mehr befahren werden, was oftmals ignoriert wird.
24.04.2022, 18:08
Lesedauer: 4 Min
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Von Anke Velten

Vor einigen Wochen wurde die Kohlenstraße zur Einbahnstraße erklärt. Doch diese Tatsache muss sich offensichtlich erst noch allgemein herumsprechen. Es handelte sich nicht um einen Aprilscherz, wie manche Verkehrsteilnehmer nach Auskunft der Polizei anfangs vermuteten, und mittlerweile ist die Schonfrist auch vorbei. Falschfahrer können nicht mehr darauf hoffen, mit einer freundlichen Ermahnung davonzukommen. Die erwünschten positiven Effekte der Verkehrsmaßnahme sind derweil bereits deutlich spürbar, wie aus anliegenden Unternehmen berichtet wird.

Zur Erinnerung: Auf Anregung des Waller Beirats darf die Kohlenstraße vom motorisierten Verkehr nur noch aus Richtung Münchener Straße befahren werden. Die Durchfahrt aus Richtung Borkumstraße ist untersagt. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass Borkumstraße, Kohlenstraße und Parallelweg als Abkürzung von Verkehrsteilnehmern genutzt werden, die zum Autobahnzubringer Überseestadt wollen und denen es an der Utbremer Straße zu langsam vorangeht.

Befristete Maßnahme

Ansässige Gewerbetreibende hatten in der Vergangenheit den zunehmenden Durchgangsverkehr beklagt. Die Waller Stadtteilpolitiker führten zudem an, dass die Maßnahme die Sicherheit entlang der Straße selbst und vor allem an den beiden Kreuzungsbereichen verbessern werde. Die Einbahnstraßenregelung ist zunächst als befristeter Verkehrsversuch angelegt. Ein Vergleich der Verkehrszählungen vor und nach der Umsetzung soll im Frühsommer erweisen, ob sich die neue Regelung in der Praxis bewährt. Auch von Findorffer Seite wird man die Entwicklung aufmerksam beobachten. Der Findorffer Beirat hatte sich gegen die Maßnahme ausgesprochen, weil eine Verlagerung des Schleichverkehrs in die Straßen jenseits des Hemmstraßen-Tunnels befürchtet wurde.

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Vor allem in den ersten Tagen nach der Umsetzung machte der im Stadtteil als „Kreuzung des Grauens“ gebannte Knotenpunkt beim Tunnel seinem Namen noch alle Ehre. Von der Beschilderung, die an der Utbremer Straße kurz vor der Borkumstraße auf die geänderte Verkehrsführung hinweist, ließen sich längst nicht alle Autofahrer umstimmen, wie sich bei ein Ortstermin zeigte.

Etliche Radfahrer und Menschen auf Motorrollern und E-Scootern waren an diesem Nachmittag gegen 17 Uhr auf der Hemmstraße zwischen Findorff und Walle unterwegs. Es dauerte keine fünf Minuten Minuten, bis ein weißer SUV trotz der Verbotsschilder an beiden Seiten der Kohlenstraße schwungvoll in die Straße hineinfuhr – der Fahrer überlegte es sich aber schnell anders, wendete und fuhr zurück zur Utbremer Straße.

Aber dann: Im Minuten-Takt bogen flott und entschlossen drei Kleinwagen aus Richtung Walle kommend in die Kohlenstraße ab. Dann auch ein aus Findorff kommender Wagen. Es folgten vier Fahrzeuge aus Richtung Walle – und dann wieder eines aus Richtung Findorff. Eine Weile ging es so weiter; nur ein Fahrer aus Wilhelmshaven bemerkte seinen Irrtum und wendete direkt an der Ecke wieder. Die meisten anderen versuchten, möglichst schnell durch die Kohlenstraße hindurch zu kommen. Die Bilanz nach knapp 30 Minuten: 20 Verstöße. Radfahrende, die künftig die „Kreuzung des Grauens“ überqueren und dort aufgrund der Beschilderung nicht mit Autos aus Richtung Borkumstraße rechnen, sollten doppelt aufpassen. Dasselbe gilt für die Ecke Münchener Straße / Kohlenstraße, an der nicht nur Autos in die Kohlenstraße hinein, sondern auch aus ihr herausfahren.

Viele Verstöße

Noch könne man sich also „definitiv nicht darauf verlassen, dass kein Falschfahrer unterwegs ist“, bestätigt Anne Majowski aus der Geschäftsführung eines ansässigen Metallbau-Unternehmens: „Es gibt noch viele Autofahrer, die das Einbahnstraßen-Schild übersehen oder ignorieren.“ Sie geht jedoch davon aus, dass sich die „Startschwierigkeiten“ mit der Zeit erledigen werden. „Sobald wir Fahrer anhalten und auf die neue Regelung hinweisen, sind viele einsichtig und sagen, dass sie das Schild nicht gesehen haben und hier schon immer durchfahren, aber in Zukunft darauf achten möchten“, erklärt die Geschäftsfrau. Der positive Effekt der Einbahnstraßenregelung: „Es ist deutlich angenehmer geworden, keine Staus oder Slalom-Fahrten mehr“, sagt Majowski. „Wir hoffen sehr, dass die Regelung bestehen bleibt.“

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Auch Jörg Adam, Chef des benachbarten Haustechnik-Unternehmens, empfindet es als „sehr angenehm“, dass die Straße nun „wesentlich ruhiger und stressfreier“ geworden ist. Doch auch er beobachtet zahlreiche Verstöße vor allem im Berufsverkehr. „Viele fahren aus Gewohnheit diese Strecke oder einfach nur, weil es schneller geht und niemand kontrolliert“, vermutet der Utbremer Installateurmeister.

Tatsächlich sei die Polizei bereits mehrfach vor Ort gewesen und werde auch weiterhin Kontrollen durchführen, heißt es aus dem Waller Revier. Verstöße seien insbesondere zur Feierabendzeit und bei langem Rückstau in Richtung des Autobahnzubringers von der B 75 beobachtet worden. Manche derjenigen, die auf die neue Verkehrsführung hingewiesen werden mussten, hatten die Beschilderung offenbar übersehen. Anderen musste die Zuwiderhandlung sehr wohl bewusst gewesen sein, berichtet die Polizei – auf jeden Fall denjenigen, die rasch die Fahrtrichtung änderten, als sie die kontrollierenden Beamten erblickten.

Bessere Sichtbarkeit

Auf Initiative der Polizei hat das Amt für Straßen und Verkehr diverse Maßnahmen umgesetzt, um die Verkehrsführung deutlicher sichtbar zu machen. So wurde etwa eine Hinweistafel zur geänderten Verkehrsführung direkt an die Einmündung der Borkumstraße versetzt, und es wurden zusätzliche Richtungspfeile angebracht. Während an einem Wochentag Mitte April noch 47 Ordnungswidrigkeiten geahndet worden seien, habe sich die Situation mittlerweile deutlich beruhigt, sagt die Polizei. Und: Wer jetzt noch beim Falschfahren erwischt wird, muss mit einem Bußgeld in Höhe von 50 Euro rechnen.

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