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Kritik an neuem Busliniennetz in der Überseestadt

Zum April 2019 will die BSAG das Busliniennetz in der Überseestadt neu organisieren. Damit verlängere sich für sie der tägliche Weg zu ihrem Arbeitsplatz, kritisieren nun Pendler von außerhalb.
01.08.2018, 06:30
Lesedauer: 3 Min
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Kritik an neuem Busliniennetz in der Überseestadt
Von Anne Gerling
Kritik an neuem Busliniennetz in der Überseestadt

Die Pläne der BSAG für die Überseestadt stoßen auf Kritik.

Frank Thomas Koch

Über Bremens Landesgrenzen hinaus sorgt momentan die von der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) für das kommende Jahr geplante Umstrukturierung des Bus- und Straßenbahnverkehrs in der Überseestadt für Kopfschütteln. Wie berichtet, will das Unternehmen zum April die neue Straßenbahnlinie 5 einrichten, mit der Fahrgäste ohne Umsteigen vom Hauptbahnhof bis zur Straßenbahnhaltestelle „Europahafen“ beim ehemaligen Kelloggs-Gelände in der vorderen Überseestadt gelangen können.

Parallel dazu sollen im hinteren Teil der Überseestadt vom Hansator bis zum zukünftigen Strandpark Waller Sand außerdem anstelle der Buslinie 20 dann die beiden Linien 26 und 28 verkehren. Die 28 wird dabei auch die Haltestellen Konsul-Smidt-Straße und Hansator ansteuern, wo Fahrgäste von der Straßenbahn in den Bus umsteigen können. Die BSAG möchte auf diese Weise für Pendler attraktiver werden – allerdings sehen nicht alle Arbeitnehmer von außerhalb diese neue Linienführung als Verbesserung.

Beate Schmidt aus Lilienthal zum Beispiel, deren Arbeitgeber vor einiger Zeit in die Überseestadt gezogen ist, steigt derzeit – ebenso wie ihre Kollegen aus Alt-Osterholz und Huchting – morgens am Hauptbahnhof in den Bus Nummer 20, der sie sodann direkt bis zur Haltestelle Silbermannstraße bringt: „Das dauert etwa 16 Minuten, gegebenenfalls plus Stau.“

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Mit der Umstellung des BSAG-Fahrplans soll nun die Buslinie 26 vom Hauptbahnhof aus ohne weiteres Umsteigen die Silbermannstraße direkt anfahren – allerdings mit einem Umweg über Findorff und Walle. „Da machen wir eine Stadtrundfahrt und landen dann nach circa 25 Minuten – eventuell plus Stau – an der Silbermannstraße? Das kann doch nicht Ihr Ernst sein“, hat sie sich deshalb kürzlich mit einem Schreiben an Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne) und an die BSAG gewandt. Für sie und ihre Arbeitskollegen werde der öffentliche Personennahverkehr auf diese Weise definitiv nicht attraktiver, meint die Lilienthalerin und rechnet vor: „Da wir alle schon mit öffentlichen Verkehrsmitteln – ohne Stau – zwischen 30 bis 40 Minuten bis zum Hauptbahnhof unterwegs sind, kommen dann nochmal zusätzlich zu den jetzt schon 16 Minuten noch einmal neun Minuten Fahrtzeit hinzu.“ Wolle der Öffentliche Personennahverkehr für alle Fahrgäste attraktiv sein, dann müsse es vom Hauptbahnhof aus oder ab Domsheide eine direkte Verbindung in die hintere Überseestadt, etwa zum Landmarktower oder zum neuen Hansewasser-Hauptsitz an der Birkenfelsstraße, geben. Einige ihrer Kollegen seien schon jetzt dabei, sich nach Parkplätzen zu erkundigen, sagt Beate Schmidt: „Sie werden dann nicht mehr mit der BSAG fahren, sondern ihren Pkw nutzen. Denn mit dem neu geplanten Konzept ab April 2019 wird es ja statt besser noch schlimmer, als es jetzt schon ist. Ob das gewollt ist?“

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Das Verkehrsaufkommen in der Überseestadt sei deutlich gestiegen, unterstreicht dazu BSAG-Sprecher Andreas Holling: „Und die Staus betreffen leider die Buslinie 20 ebenso wie die Autofahrer.“ Neu sei das Phänomen nicht: Schon im Oktober 2017 habe man die Streckenführung am Nachmittag verändert – auch hierdurch aber konnten Verspätungen nicht verhindert werden. „Deswegen wird mit der Linie 5 nun eine ‚stauresistente’ Straßenbahnlinie eingerichtet und gleichzeitig auch das Busnetz angefasst: Die Linien 26 und 28 werden künftig deutlich weiter in die Überseestadt hineinfahren als bisher – die Linie 26 auch umsteigefrei ab Hauptbahnhof. Das sind zwei Buslinien, bei denen wir davon ausgehen, dass sie zeitlich deutlich zuverlässiger sind als die 20, so dass wir mit weniger Verspätungen rechnen müssen. Uns ist natürlich bewusst, dass damit für unsere Fahrgäste eine Umgewöhnung verbunden ist.“

Den Fahrzeitverlängerungen steht Holling zufolge dabei auf bestimmten Strecken ein deutlich größeres Angebot gegenüber. So fahren die Linien 26 und 28 heute unter der Woche tagsüber sechs bis sieben Mal pro Stunde – und damit deutlich öfter als die Linie 20. Und, so Holling: "Durch die bessere Vernetzung in Richtung Walle und Findorff entstehen außerdem am Bahnhof Walle neue Umsteigemöglichkeiten in die Überseestadt, zum Beispiel von der Regio-S-Bahn."

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