Ausstellung „Das Original und seine Mutationen“

Kunst in der Weinkiste

Walle. Ein Mensch, drei Mutationen, ein Gesamtkunstwerk: Delia Nordhaus und Ruth Degenhardt lichteten Besucher ihrer Galerie im Walle-Center ab und nahmen sich dann die Freiheit zu künstlerischer Interpretation.
28.11.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Katharina Hirsch

Ein Mensch, drei Mutationen, ein Gesamtkunstwerk: Delia Nordhaus und Ruth Degenhardt lichteten Besucher ihrer Galerie im Walle-Center ab und nahmen sich dann die Freiheit zu künstlerischer Interpretation. Herausgekommen sind „Das Original und seine Mutationen“, eine kleine Ausstellung und die Chance für Auftraggeber, sich selbst so darstellen zu lassen.

Ein Engländer zu Besuch in Bremen? Ein verirrter Golfer im Walle-Center? Wer sich das Foto, das Porträt oder die kleine Skulptur „Das Original und seine Mutationen“ in der Wallerie anschaut, könnte leicht das eine oder das andere denken. Der Titel dieses speziellen Kunstwerks mit seinen drei zusammengehörenden Elementen heißt „Ein Gentlemen genießt und schweigt“.

Heiko Rudolph aus dem Steintor mit dem etwas auffälligeren Modegeschmack stand dafür Modell. Er genießt es, sich umzuschauen, aber ganz so schweigsam ist er nicht: „Da war ich einmal hier einkaufen, und schon war ich auf dem Foto drauf.“

Das war Ende August, am Tag der offenen Tür der kleinen Galerie im Walle-Center. Rund 400 Fotos hat Ruth Degenhardt seinerzeit von den Besucherinnen und Besuchern gemacht. Die interessantesten Bilder wählten die freie Künstlerin aus dem Westend und ihre Kollegin, die Malerin Delia Nordhaus, als Ausgangspunkt für gestalterische Abwandlungen aus.

Die Wallerin Nordhaus bannte die Gesichter – mit einem angenehmen Hauch künstlerischer (Farb-)Freiheit – auf kleine Leinwände. Und Ruth Degenhardt formte Ton-Skulpturen unterschiedlicher Art. „Es soll ja auch nicht langweilig werden, deswegen habe ich nicht immer das Gleiche gemacht“, sagt sie. Nicht immer das Gleiche, das bedeutet konkret: Von Heiko Rudolph ist der ganze Oberkörper zur Skulptur geworden.

Bei Ina Kuttler recken sich getöpferte Hände in die Luft vor dem Porträt an der Rückwand einer hölzernen Weinkiste, worin die Werke jeweils präsentiert werden. Die Arbeit trägt den Namen „Bravissimo“. Jörg Thomsens freundlich-breites Grinsen hat sich noch breiter in seinem Ton-Konterfei und dem Titel „verybigsmile“ niedergeschlagen. Da gibt es ein geteiltes Gesicht – und noch extremer: einen Bart mit Nase und halber Brille.

Jürgen Günther, der sein eigenes Antlitz und das seiner Frau Margot unter den Kunstobjekten wiederfindet, freut sich: „Die Sachen sind alle unterschiedlich realisiert. Nicht nur eins zu eins, zack, sondern mit verschiedenen Merkmalen herausgestellt.“ Die beiden Waller waren schon von der Idee zum Projekt begeistert, für die fertigen Ergebnisse haben sie am Tag der Ausstellungseröffnung sicherheitshalber eine Anzahlung geleistet. Schließlich wollen sie nicht als Schmuck in fremden Wohnzimmern landen.

„Es ist schon komisch, sich so an der Wand hängen zu sehen“, gesteht Heiko Rudolph. Und Delia Nordhaus hat die Arbeit Spaß gemacht. Seit 15 Jahren ist sie im Stadtteil aktiv. Aus Erfahrung weiß sie: „Viele Menschen, die ein Porträt in Auftrag geben, erwarten im Grunde ein Foto.“

Bei diesem Projekt hingegen konnte sich die Malerin die Freiheit zu feinen Verfremdungen nehmen. Zu Mutationen eben, die sie als Künstlerin viel spannender findet, da sie selbst den Ausschnitt, die Farbe und den Strich wählen durfte. Diese Freiheit, die sie auskoste, habe der Schau auch den Titel gegeben, meint Nordhaus. Denn bei angekündigten Mutationen müsse sich das Abbild einfach vom Original unterscheiden.

Christiane Jacobsen schaut nur mal eben so herein in die Wallerie. Auch ihr gefällt, was sie sieht: „Witzig“, kommentiert sie das Zusammenspiel der drei Darstellungsformen, das Ganze sei eine nette Geschenkidee. Wie praktisch, dass Delia Nordhaus und Ruth Degenhardt diese Projektarbeit auch für Einzelaufträge anbieten.

Wenn das Kunstwerk allerdings zu Weihnachten fertig sein soll, drängt die Zeit, denn die Tonskulpturen brauchen einige Tage zum Trocknen. Doch dann kommt alles gemeinsam in der Weinkiste und mit LED-Beleuchtung: das Foto, das Gemälde und eine kleine Skulptur.

„Das Original und seine Mutationen“ ist nur noch heute, 28. November, in der Wallerie, Walle-Center, WallerHeerstraße 103, zu sehen.

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