Für das Ferienprogramm im Sommer

Landessportbund Bremen plant eine Kinderstadt

Der Landessportbund Bremen plant ein ungewöhnliches Angebot für das Sommerferienprogramm. In der Überseestadt möchte er eine Kinderstadt errichten. Das Vorbild heißt "Karlopolis" und stammt aus Kalsruhe.
20.01.2019, 10:42
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten
Landessportbund Bremen plant eine Kinderstadt

Ferienprojekte wie „Kunst im Camp“ am Pusdorfer Strand gab es bereits, doch die Vision des Landessportbundes ist weitaus größer.

Walter Gerbracht

Der Bremer Landessportbund (LSB) möchte für den kommenden Sommer ein Ferienprogramm zimmern, wie es zumindest Bremen noch nicht gesehen hat. Es soll eine echte Kinderstadt werden mit eigener Regierung, Wirtschaft, Arbeit, Kultur und Freizeitmöglichkeiten - kurz: eine Erwachsenenwelt im Miniaturformat.

Dass so etwas machbar ist und funktionieren kann, beweisen rund 40 kleine und größere Vorbilder in Deutschland. Damit es auch in Bremen umgesetzt werden kann, braucht es einen passenden Ort, Geld, und vor allem viele Menschen, die aktiv bei der Stadtgründung mithelfen. Und zwar möglichst schnell, denn die Zeit rennt.

Linus Edwards, Abteilungsleiter der Bremer Sportjugend, hat bereits seine Fühler ausgestreckt und ein erstes gutes Dutzend Engagierte zusammenbekommen. Vertreterinnen und Vertreter von Kreissportbund, Lebenshilfe, Turnverband, Deutschem Roten Kreuz, CVJM und Lebenshilfe sowie angehende Sport- und Gesundheitswissenschaftler der Bremer Universität trafen sich kürzlich zum Brainstorming in der LSB-Zentrale Auf der Muggenburg. Zwei Jahre lang, so Edwards, habe man sich „nicht an die Idee getraut“, die seine Kollegin Sandra Depken, Sachbearbeiterin im Bereich Integration, ins Spiel gebracht hatte. Und wie man sich so etwas praktisch vorstellen könnte, zeigte Edwards den Anwesenden anhand des filmischen Vorzeigebeispieles „Karlopolis“.

Vorbild aus Karlsruhe

Die inklusive Kinderspielstadt wurde erstmals 2015 anlässlich des 300-jährigen Gründungsjubiläums der Stadt Karlsruhe ins Leben gerufen und im vergangenen Jahr zum vierten Mal umgesetzt. Unter der Regie des Karlsruher Stadtjugendausschusses bildet sich an zwei Ferienwochen ein Camp aus Häusern, Hütten und Zelten, mit Straßen und Kaufläden. 600 Kinder im Alter zwischen 8 und 14 Jahren halten sich an den Wochentagen in Karlopolis auf und haben dort die Wahl zwischen mehr als 60 Mitmachangeboten, die im eigenen „Jobcenter“ vermittelt werden.

In Karlopolis wird mit Carlos bezahlt

In Karlopolis gab es 2018 unter anderem eine Bäckerei, eine Fahrradreparaturstation, Holz-, Textil- und Metallwerkstatt, eine kleine Landwirtschaft und Gärtnerei, Zeitung, Feuerwehr, Bank, Post und Versicherungsbüro, Theater und Zirkus. Die verschiedenen Arbeitsplätze und Werkstätten werden angeleitet und betreut von erwachsenen Experten aus vielen Feldern. Die Idee ist, dass die Kinder täglich ihren Beruf wechseln und ihre Interessen und Talente in vielen Tätigkeiten ausprobieren. Sie können sich dabei „Carlos“ verdienen, die Eigenwährung, mit der man im Spielstadt-Supermarkt oder am Eisstand einkaufen kann. Wie eine Demokratie funktioniert, lernen sie durch die Bildung ihres eigenen Gemeinderats. Eltern haben keinen Zutritt – es sei denn, sie melden sich für eine der Gästeführungen an, die die Kinder nur dann anbieten, wenn sie möchten.

Kinder sind Wissenschaftler und Handwerker

Karlopolis wurde wiederum von „Mini-München“ inspiriert. Die älteste und größte unter den deutschen Spielstädten wird seit 1979 im Münchner Olympiapark organisiert und verzeichnete 2018 rund 180 erwachsene Betreuer, 40 Projektpartner und 2500 Tagesgäste. „Jedes Kind lernt, von Anfang an. Kinder sind neugierig und wissbegierig. Sie sind zugleich Wissenschaftler und Handwerker, wenn man sie lässt und dabei fördert. Sie können nicht anders als lernen“, heißt es im pädagogischen Konzept von Mini-München. „Jedes Kind aber ist anders, hat seine eigene Art des Lernens, eigene Zeitfenster und fruchtbare Augenblicke für den Zugang zu Wissen und praktischer Aneignung von Welt. Aus dieser Einsicht wurde die Idee Spielstadt geboren.“

Vision von Bremopolis

Es gehe darum, „die Arbeitswelt abzubilden und die erwachsene Gesellschaft nachzuspielen“: Das ist auch die ambitionierte „Vision von Bremopolis“, die Edwards zur Diskussion stellte, und die es nun zu konkretisieren gilt. Anfangen möchte man mit zwei Wochen und mit 200 Kindern, die für jeweils eine Woche teilnehmen können. Gesucht wird zunächst ein passender Ort – zu den Vorschlägen der Anwesenden gehörten Gelände in der Überseestadt oder im Bürgerpark, andere mochten sich lieber eine überdachte Halle vorstellen. Organisiert werden müssen außerdem Sicherheitspersonal und die Infrastruktur von den sanitären Anlagen über Verpflegung, Energiever- und Müllentsorgung, Zelte und Mobiliar bis zur Sanitätswache. Und unverzichtbar sind neben dem professionellen Betreuungspersonal vor allem Experten aus vielen Branchen, die sich die Zeit für diese Form der Nachwuchsförderung nehmen.

Weitere Informationen

Alle Interessierten, die sich aktiv an der Gestaltung von „Bremopolis“ beteiligen möchten, Ideen für Orte, Angebote, Projektpartner, Sponsoring haben, sind gebeten, unter der Email-Adresse info@bremer-sportjugend.de Kontakt aufzunehmen. Die Planungsgruppe will sich Mitte Februar ein zweites Mal treffen.

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