Verkehrssicherheit im Bremer Westen

Lange Reihe: Anwohner wollen Raser ausbremsen

Es muss etwas passieren, und zwar schnell: Das fordern mehrere Anwohner mit Blick auf die Lange Reihe. Täglich nämlich beobachten sie dort Autofahrer, die sich nicht an Tempo 30 und rechts vor links halten.
24.08.2020, 05:00
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Lange Reihe: Anwohner wollen Raser ausbremsen
Von Anne Gerling
Lange Reihe: Anwohner wollen Raser ausbremsen

Sie setzen sich dafür ein, dass die Lange Reihe möglichst schnell vor allem für Kinder und Senioren sicherer wird: Arno Kuhlemann (links) und Muammer Cil.

Roland Scheitz

„Bevor hier was Schlimmes passiert, sollte lieber schnell etwas Positives passieren“, sagt Muammer Cil, während hinter ihm die Autos durch die Lange Reihe sausen. 30 Stundenkilometer sind hier offiziell erlaubt, das Gebiet ist Tempo-30-Zone. Viele Fahrer sind aber deutlich schneller unterwegs. Plötzlich sind laute Stimmen zu hören: Fast wäre es an der Ecke Emder Straße zur Kollision gekommen, weil ein junger Mann die Vorfahrtsregeln missachtet hat.

Cil ist froh, dass hier bislang noch keine Menschen zu Schaden gekommen sind. Schon öfter hat er Kinder mit einem großen Fragezeichen im Gesicht am Straßenrand stehen sehen und ihnen dann geholfen: „Manchmal fährt hier Auto an Auto und man kommt kaum rüber.“ Traurig genug: Die Katze, die immer an der Langen Reihe lebte, ist vor einigen Tagen überfahren worden, wie Cil sagt: „Weil irgendjemand meinte, er müsse hier unbedingt aufs Gas treten.“

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Seit 2007 wohnt Muammer Cil im Quartier. Mit dem Umbau der Waller Heerstraße habe sich einiges geändert, sagt er: „Viele Autofahrer möchten nicht auf der Heerstraße hinter der Straßenbahn hinterherfahren und nehmen deshalb die Abkürzung über die Lange Reihe.“ Dass diese in einer 30er-Zone liege und dort dementsprechend die Rechts-vor-Links-Regelung gelte, sei vielen Fahrern dabei offenbar gar nicht bewusst.

Anwohner erzählen: Morgens kommen die Elterntaxis, deren Fahrer und Fahrerinnen ihre Kinder gerne mal mit dem Handy am Ohr zur Kita chauffieren. Ab 15 oder 16 Uhr bahnt sich bis in den Abend hinein dann der Schleichverkehr der Eiligen seinen Weg durch die Lange Reihe. Besonders schlimm sei es sonntags, erzählt Cil, der schon verschiedene Pizza-Lieferdienste angesprochen hat, um dort auf das Problem aufmerksam zu machen. Bei einem Unternehmen habe das gewirkt: „Die fahren hier jetzt langsamer.“

Denn an der Straße liegen gleich mehrere Einrichtungen, um deren Besucher sich Cil große Sorgen macht: „Wir haben hier eine Kita, eine Schule, eine Kirche und ein Hospiz. Und es gibt viele ältere Leute, die hier entlang zum Friedhof laufen.“ Auf dem Kopfsteinpflaster seien schnellere Fahrzeuge außerdem sehr laut, was die Anwohner zusätzlich nervt, die Cil kürzlich zusammengetrommelt hat: Sie wollen sich gemeinsam dafür stark machen, dass auf der Langen Reihe langsamer und umsichtiger gefahren werden muss.

Fahrbahnschwellen und Piktogramme

Dies ließe sich zum Beispiel durch Schwellen auf der Fahrbahn erreichen – niemand will schließlich die Spoiler an seinem Wagen beschädigen oder gar abfahren. Auch Piktogramme auf der Fahrbahn oder Hochpflasterungen an den Straßen-Einmündungen wie in der Vegesacker Straße könnten helfen. Der Schilderwald an der Ecke Waller Ring/Lange Reihe und das kleine und von Moos überwachsene Tempo-30-Schild im Bereich Waller Heerstraße/Lange Reihe jedenfalls reichen nach Ansicht der Anlieger bei Weitem nicht aus, um Autofahrern zu vermitteln, dass sie sich eben nicht auf einer Vorfahrtsstraße befinden.

Das Problem gibt es schon länger. Ein wenig geholfen habe eine Geschwindigkeitsmesstafel, die vorübergehend in der Straße angebracht worden sei, ist von einigen Anwohnern zu hören. Angeblich hatte sich allerdings jemand durch die blinkende Anzeige in seiner Nachtruhe gestört gefühlt und so sei das Gerät dann schließlich wieder abgebaut worden.

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Einmal sei auch schon die Polizei mit einem Laserhandmessgerät vor Ort im Einsatz gewesen. 84 Fahrzeuge seien allein an diesem einen Tag geblitzt worden – doch das sei es dann auch schon wieder gewesen. Offenbar konzentriere sich die Stadt lieber auf Geschwindigkeitskontrollen in besser situierten Stadtteilen, meinen sogar böse Zungen. Am Lehester Deich etwa werde praktisch jeden Tag geblitzt.

Kürzlich haben sich Muammer Cil und seine Nachbarn mit dem SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Falk Wagner getroffen, der auch Sprecher der Deputation für Mobilität, Bau und Stadtentwicklung ist und selbst gleich um die Ecke wohnt.

In der Emder Straße signalisiere eine Bodenschwelle Autofahrern, dass sie hier langsamer fahren sollten, sagt Wagner: „Die Lange Reihe signalisiert allein durch ihre Breite etwas anderes.“ Eine große Chance für einen Umbau der Straße sieht er in der Fahrradpremiumroute, die zukünftig durch den Steffensweg gebaut wird: Von Juli 2021 bis Februar 2024 wird dort der Kanal saniert und anschließend der komplette Straßenquerschnitt so verändert, dass Fuß- und Radwege breiter und die Fahrbahn schmaler werden.

Beirat einschalten

„Der nächste Abschnitt ist dann die Lange Reihe bis zur Heerstraße“, so Wagner, der den Anwohnern rät, ihren Stadtteilbeirat in der Angelegenheit einzuschalten. Die Ortspolitiker könnten sodann Forderungen zur Umgestaltung der Straße auf den Weg bringen: „Sollte es von dort eine Initiative geben, die das Thema aufgreift, flankiere ich das sehr gerne in der Baudeputation.“ Der Verkehrsausschuss des Waller Beirats treffe sich am 7. September, weiß Anwohner Arno Kuhlemann: „Wir sollten das Thema dort unbedingt einbringen.“ Bis zu einem Straßen-Umbau könnte es realistisch betrachtet Jahre dauern. Deshalb sei es sinnvoll, über ergänzende Sofortmaßnahmen wie Schilder oder mehr Überwachung nachzudenken, rät Wagner.

Muammer Cil hofft schnellstmöglich auf konkrete Maßnahmen: „Wir haben hier in Walle einen starken Zuzug von Familien mit Kindern. Diese Kinder wollen wir schützen.“

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