Waller Kult-Theater zeigt am Donnerstag, Freitag und Sonnabend nächster Woche nochmal das Musical „Linie 1“ Leben und Überleben in der Großstadt

Um Leben und Überleben in der Großstadt geht es in dem 1986 im Berliner Grips Theater uraufgeführten Musical "Linie 1". Jetzt ist das Stück, das inzwischen zu den erfolgreichsten deutschen Musicals zählt, auch im Waller Kult-Theater zu sehen.
24.05.2012, 05:00
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Von Anne Gerling

Um Leben und Überleben in der Großstadt geht es in dem 1986 im Berliner Grips Theater uraufgeführten Musical "Linie 1". Jetzt ist das Stück, das inzwischen zu den erfolgreichsten deutschen Musicals zählt, auch im Waller Kult-Theater zu sehen.

Walle. Wer in den 1980er-Jahren vor Mauerfall und Wiedervereinigung in Berlin war, der erinnert sich vielleicht noch an den damaligen Streckenverlauf der U-Bahn-Linie 1: Sie verkehrte im Westteil der Stadt zwischen den Bahnhöfen Ruhleben und Schlesisches Tor, fuhr dabei auch den Bahnhof Zoo an und verband mehrere unterschiedliche Berliner Kieze miteinander. Diese Tour durch verschiedene soziale Milieus inspirierte schließlich drei Berliner Theatermacher zu dem 1986 im Grips Theater uraufgeführten Musical "Linie 1", das inzwischen zu den erfolgreichsten deutschen Musicals zählt.

Darin wird die Geschichte von Sunny erzählt, einem naiven Mädchen vom Lande, das nach Berlin kommt, um seinen Traumprinzen zu finden. Am Bahnhof Zoo führt Sunnys Weg sie direkt in die U1, wo sie ganz unterschiedlichen menschlichen "Großstadtpflanzen" mit tragischen, lustigen und dunklen Schicksalen begegnet: Da treffen Penner auf Hausfrauen und Familien, Drogensüchtige auf Schüler oder Ausländer auf Nationaldeutsche.

Zweimal "Linie 1"

Seit kurzem ist "Linie 1" auch in Bremen zu sehen, und zwar im Kult-Theater in Walle – dem ehemaligen Waldau-Theater, an dem neuerdings ja auch die "Linie 1" der Nordwestbahn von Farge nach Verden vorbeifährt. Regisseurin Barbara Begerow hat den Stoff dort in einer Inszenierung der Bremer Musical Company (BMC) auf die Bühne gebracht. Realisiert wurde die Produktion zusammen mit der European Musical Academy Bremen (EUMAC) und Gastdarstellern.

Schon als Theaterleiter Thomas Blaeschke auf der Weihnachtsfeier ankündigte, sein Haus bringe 2012 "Linie 1" auf die Bühne, war der Beifall groß – ganz besonders bei den EUMAC-Studenten.

Seine Beliebtheit hat für Regisseurin Begerow weniger mit einer "Damals-in-den-80ern-in-Berlin-Nostalgie" zu tun als mit den Inhalten des Stücks. "Ich habe die Spielzeit des Stückes bewusst in meiner Inszenierung nicht weiter thematisiert und die Texte so moduliert, dass sie keinen zeitlichen Rahmen vorgeben", sagt sie. "Ich finde, dass die Problematiken, mit denen das Stück sich beschäftigt, zeitlos sind und sowohl in den Achtzigern, wie auch heute aktuell sind. Die menschlichen Sehnsüchte und zwischenmenschlichen Problematiken haben sich nicht geändert, sondern haben sich sogar eher verstärkt. Viele der Darsteller waren ja zur Uraufführung des Stückes in den 80ern noch nicht einmal geboren und finden sich trotzdem im Stück und in der Gesellschaft, die dort gezeichnet wird, wieder! Ein weiteres Indiz, dass das Stück seine Aktualität (leider) nicht eingebüßt hat."

Die 19 Darsteller standen für die Inszenierung vor einer besonderen Herausforderung: Sie verkörpern insgesamt mehr als 70 Rollen. Bernd Lanzke aus Bremerhaven, der auch für die Choreographien verantwortlich zeichnet, ist mal ein Rentner, der mit Rollator über die Bühne schleicht und dennoch "Es ist herrlich zu leben" singt, dann ein Büroangestellter, der sich betrinkt, weil sein Chef ihn unterdrückt. Im nächsten Moment wird er zur "Wilmersdorfer Witwe" und besingt gemeinsam mit Dirk Siebenmorgen und Alexander Hohler in einer musikalischen Persiflage die "gute alte braune Zeit".

In der Hauptrolle der Sunny ist die 21-jährige Bremerin Sara Dähn zu sehen, die im Dezember vom Deutschen Rock- und Popmusikerverband zur "Besten Musicalsängerin 2011" gekürt wurde und soeben den dritten Platz beim Internationalen Showpreis in Stuttgart-Backnang geholt hat. Für ein authentisches Bühnenbild hat Roland Wehner gesorgt, der seit mehr als vierzig Jahren Bühnenbilder für deutsche Theater entwickelt: Nicht nur am Bahnhof Zoo stimmen auch die kleinen Details – etwa wenn bei einem imaginär vorbeifahrenden Zug ab und an die Beleuchtung flackert. Die Graffiti im Gebäudehintergrund stammen von Kunstmalerin Katja Pischel, die sich im Vorfeld intensiv mit der Zeichensprache und Farbensprüherwelt der 80er-Jahre beschäftigt hat.

"Linie 1" ist noch am Donnerstag, 31. Mai, am Freitag, 1. Juni, und am Sonnabend, 2. Juni, jeweils um 19.30 Uhr im Kult-Theater, Waller Heerstraße 165, zu sehen. Karten gibt es unter der Telefonnummer 3775013 oder im Internet unter www.bremen-musical.de.

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