Schweriner Künstler-Trio konfrontiert Galeriebesucher mit komischer Illusion Mit sich auseinandersetzen

Linie auf Fläche, rhythmisierte Linie, Linie in 3D: Die drei Künstler Tino Bittner, Udo Dettmann und Thomas Sander zeigen in der Waller Galerie des Westens (GaDeWe), was mit einer oder mehreren Linien möglich ist. Die Schau "Die Komische Illusion" rund um schräge Unwirklichkeiten ist der Auftakt zu einer Ausstellungs-Tournee des Künstler-Trios aus Schwerin.
21.05.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Anne Gerling

Linie auf Fläche, rhythmisierte Linie, Linie in 3D: Die drei Künstler Tino Bittner, Udo Dettmann und Thomas Sander zeigen in der Waller Galerie des Westens (GaDeWe), was mit einer oder mehreren Linien möglich ist. Die Schau "Die Komische Illusion" rund um schräge Unwirklichkeiten ist der Auftakt zu einer Ausstellungs-Tournee des Künstler-Trios aus Schwerin.

Westend. Schon vor einigen Wochen waren Tino Bittner, Udo Dettmann und Thomas Sander von Schwerin nach Bremen gereist. Denn der inhaltliche Rahmen der Ausstellung, die das Künstler-Trio aus Mecklenburg-Vorpommern hier plante, sollte sich konkret an den räumlichen Gegebenheiten des Ausstellungsraumes orientieren. So sahen sie sich in der Waller Galerie des Westens (GaDeWe) erst einmal ganz genau um und fotografierten. Aus ihren Beobachtungen ergab sich für die drei Künstler: "Alle Arbeiten sollten mit Linien und Geometrie zu tun haben."

Auf diesem Wege ist die Ausstellung "Die komische Illusion" entwickelt worden. Das "komisch" möchte Galeristin Mechthild Böger allerdings nicht im Sinne von spaßig verstanden wissen, sondern eher im Sinne von sonderbar oder merkwürdig. Das heißt allerdings nicht, dass Besucher der Schau keinen Spaß hätten.

"Uns geht es um Wahrnehmung", stellt Udo Dettmann heraus. " Mit unseren Arbeiten, die Gewohnheiten attackieren, fordern wir den Betrachter auf, sich mit sich selber auseinanderzusetzen, die eigene Wahrnehmung bewusst wahrzunehmen."

Er macht zum Beispiel in seiner Videoinstallation "Blaue Blume" Sprache sichtbar, indem er darin die Sprachübungen einer Schauspielerin als oszillografische Zeichnung visualisiert. In seiner Arbeit "Flying Boxes IV" entführen beim Blick durch eine Spezialbrille wenige und auf den ersten Blick eher unscheinbare Linien Auge und Gehirn schließlich in die Dreidimensionalität, sodass darin am Ende tatsächlich die Kisten durch den Raum fliegen.

"Was mir an dieser Arbeit im Grunde am besten gefallen hat: Dass es eine Videoarbeit ohne Strom ist. Der Grenzbereich der Videokunst", sagt Thomas Sander beim Blick auf seine "Frames". So wird im Fachjargon ein einzelnes Bild aus einer Filmsequenz bezeichnet. Bei Sander werden aus 24 Bildern pro Sekunde 25 chronologisch angeordnete Holzquader, aus denen jeweils ein Nagel ragt. Wer genauer hinschaut, entdeckt: Der Nagel verschwindet von "Frame" zu "Frame" jeweils ein bisschen mehr im Holz – genau so wie in einer Filmsequenz. Damit die Installation plausibel ist und so wirken kann, musste der Künstler viel rechnen und erst eine spezielle Vorrichtung konstruieren, mit deren Hilfe der Nagel 24 mal in exakt demselben Winkel auf den Untergrund traf.

Logisches Denken

Mit viel Logik geht auch Tino Bittner vor. "Das ‚lateinische Quadrat‘ ist die Basis von Sudoku-Spielen", gibt er einen Hinweis zu seiner Installation aus 81 weißen Pappwürfeln und acht Acrylglasscheiben auf einem Stahltisch. Denn: Die einzelnen Würfel sind wie in einem riesigen 3D-Sudoku so zwischen den Glasscheiben angeordnet, dass jedes einzelne Feld innerhalb jeder Linie durch diesen großen Würfel genau einmal belegt ist. Der Betrachter des Objektes bekommt also von allen Seiten aus jeweils eine geschlossene Fläche zu sehen. Nach der Schau in Bremen wollen Bittner, Dettmann und Sander auf Tournee gehen – ihre Arbeiten in Braunschweig und Heidelberg, in Schweden und Italien zeigen.

Die Ausstellung "Die komische Illusion" mit Arbeiten von Tino Bittner, Udo Dettmann und Thomas Sander ist noch bis Freitag, 15. Juni, in der Galerie des Westens, Reuterstraße 9-17, zu sehen. Geöffnet mittwochs und freitags von 15 bis 19 Uhr sowie donnerstags von 15 bis 21 Uhr.

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