Pläne vorgestellt Nächste Stufe für Entwicklung des Überseeinsel-Quartiers

Am Sonntag wurden die Entwürfe für das Überseestadt-Quartier vorgestellt. Der Rahmenplan soll im Sommer stehen.
10.02.2019, 19:00
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Nächste Stufe für Entwicklung des Überseeinsel-Quartiers
Von Justus Randt

Und es lohnt sich doch, sich am verregneten Sonntagvormittag auf den Weg in die Überseestadt zu machen. Dass da nicht viel los ist, soll sich schließlich bald ändern. Die „gläserne Werkstatt Überseeinsel“ hat Einblicke ermöglicht in den Stand der sogenannten Rahmenplanung für das insgesamt 41 Hektar große Areal. Allein 15 Hektar nimmt das frühere Kellogg-Werk ein. Und genau genommen ist von einer Halbinsel die Rede.

In der ehemaligen Müsli-Packerei, einer riesigen Halle, in der Planen als provisorische Wände dienen, ging es in der zweiten Runde des Beteiligungsverfahrens um die Zukunft des Quartiers. Vier Stunden lang standen Fachleute aus Architektur-, Stadt-, Landschafts- und Verkehrsplanungsbüros an rustikalen Europaletten-Inseln Rede und Antwort zu den bisherigen Überlegungen. Die sollen im Sommer abgeschlossen sein und sind später die formale Grundlage für die Bauleitplanung.

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Umbau soll noch dieses Jahr starten

„Noch dieses Jahr soll der Umbau beginnen. Das ist ein sehr ambitioniertes Ziel und nicht simpel zu erreichen, aber zum Schuljahr 2020/2021 könnte es losgehen“, sagt Immobilienbesitzer Klaus Meier. Eine Grund- und eine Oberschule in der Nähe des Europahafenkopfes sind bereits in Planung. Meier steht für die Überseeinsel GmbH, die gemeinsam mit der Stadt Bremen die frühere Industriezone in ein Gebiet verwandeln will, in dem gewohnt und gearbeitet wird.

Klaus Meier und Senatsbaudirektorin Iris Reuther übernahmen es gemeinsam, Bremerinnen und Bremer, aber auch die aus Hannover, Berlin und Wien angereisten Fachleute zu begrüßen. Mehr als 100 Besucher dürften es gewesen sein, die es pünktlich bis elf durch das Werkstor geschafft hatten, vorbei an Haarnetz- und Bartschutzspendern und vorbei an den Sicherheitsabsperrungen in der alten Lebensmittel-Produktionsstätte. „Sie müssen sich aktiv einbringen“, forderte Meier sie auf. Reuther erinnerte an den Auftakt der Öffentlichkeitsbeteiligung im Spätsommer und versprach, dass auch neueste Anregungen in den Prozess einfließen. „Deine Stimme zur Überseeinsel“ war ein Fragebogen betitelt, auf dem die Meinungen zur Grundstruktur, zu den Entwürfen für die Quartiere, zu den Park- und Freiflächen, dem Silogebäude und der Verkehrsanbindung kundgetan werden konnten.

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Hotel soll in Siloanlage entstehen

"Wir haben ein großes Interesse bemerkt und große Erwartungen", sagt Iris Reuther, "das Gelände war ja lange Zeit gar nicht zugänglich." Klaus Meier hat festgestellt, dass "viele Anregungen sich auf die Weiternutzung von Bestandsbauten bezogen haben, was wir als zeitweilige Nutzung sowieso auf dem Programm hatten". Das betreffe vier bis fünf "markante Gebäude” wie die Reishalle, das Silo oder die 120 Meter lange Querhalle aus rotem Klinker. "Die alte Werft wollen wir teilweise oder komplett erhalten." Eine "Gemüsewerft" mit Hopfenanbaufläche soll im Juli auf 2500 Quadratmetern starten. In die Kellogg-Kantine, in der früher bis zu 450 Beschäftigte saßen, soll ein vietnamesisches Restaurant einziehen, darunter, im ebenerdigen Geschoss, wo früher Umkleiden waren, stellt sich Meier eine Pizzeria vor.

Vieles wird abgerissen, doch damit wird es erst im kommenden Jahr so richtig losgehen. Anderes, wie die Siloanlage, bleibt. Dort soll ein Hotel entstehen. Immerhin 25 Quadratmeter Grundfläche hätten die Zimmer zu bieten. Dieses und viele weitere Details waren an den Paletten-Theken zu erfahren, wenn auch stets unter dem Vorbehalt, „dass wir noch in der Vorplanungsphase sind“, wie Fred Radder vom Senator für Umwelt, Bauen und Verkehr sagt, der zum Thema Mobilität Rede und Antwort steht. Wo früher Güterzüge die Szene bestimmten, gehe es jetzt darum, „die Verkehrsmittelverteilung so anzupassen, dass weniger Bedarf für Autos besteht“. Klar, dass es nicht ganz ohne Kraftfahrzeuge geht, aber nach Möglichkeit außerhalb der drei nach ihren früheren Nutzern benannten Wohnquartiere Reimers, Atlas und Kellogg, die vornehmlich über Rad- und Fußwege erreichbar sein sollen. Jeweils am Kopf der Quartiere, an der Einmündung zur Hoerneckestraße, die künftig den Hauptverkehr tragen soll, sind Parkhäuser geplant. „Die Gesamtbreite des Quartiers beträgt 200 Meter, kein Fußweg wird länger als 500 Meter“, sagt Radder.

2000 Wohneinheiten geplant

Die Draufsicht auf die Landzunge, die Bremen der Welt flussabwärts herausstreckt, ein Modell mit käsewürfelgelben Klötzchen auf weißem Grund, verdeutlicht den ersten Rahmenplanentwurf durchaus anschaulich: „Drei bis sechs Geschosse maximal“ kündigt Senatsbaudirektorin Iris Reuther an. „Mit wenigen Ausnahmen.“ Brücken nach Walle, aber auch nach Woltmershausen zeigen, dass großer Wert auf die Anbindung der Stadtteile gelegt wird – für Fußgänger und Radfahrer. „Wirklich spannend ist, dass wir auf der Insel die Chance haben, ein neues Quartier, ein neues Stück Bremen an der Weser zu schaffen“, sagt Iris Reuther. „Zum ersten Mal, seit die Überseestadt geplant wird, seit dem Masterplan 2005, haben wir ein gemischtes Wohnquartier. Das wird ein familienfreundlicher Wohnstandort.“

Insgesamt geht man derzeit von 2000 Wohneinheiten auf der „Überseeinsel“ aus, allein auf dem Kellogg-Gelände dürften es laut Klaus Meier etwa 1200 Wohnungen werden. „Da sind wir von durchschnittlich 100 Quadratmetern ausgegangen, am Ende könnten es mehr Wohnungen werden.“ Auch in Reihenhäusern. Kellogg sei für Bremen so etwas wie „eine Memory-Box“, etwas, das viele Erinnerungen wachruft, mindestens zwei Generationen seien groß geworden mit den Produkten und mit den Gerüchen, die ihre Herstellung mitbrachte. Jetzt sollen sie diesen Teil ihrer Stadt neu für sich entdecken.

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