Ex-Kellogg-Gelände in der Überseestadt

Neue Ideen für die Überseeinsel

Die Pläne für das ehemalige Kellogg-Gelände schreiten weiter voran. In dem Quartier sollen unterschiedliche Wohnungen für mehrere Hundert Menschen entstehen, außerdem ein Gesundheitszentrum und vieles mehr.
27.08.2019, 18:41
Lesedauer: 4 Min
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Neue Ideen für die Überseeinsel
Von Maren Beneke
Neue Ideen für die Überseeinsel

So sah das Kellogg-Gelände bei Nacht im Mai 2019 aus. In dem Ex-Produktionsgebäude (Mitte) sollen Loft-Wohnungen entstehen.

Kramer

Es geht voran auf dem früheren Kellogg-Areal. Die ersten Firmen sind angesiedelt, die Vorbereitungen für ein Hotel, ein Bürogebäude sowie einen Bio- und Regionalmarkt laufen. Nun sollen die nächsten Ideen für das 15 Hektar große Gelände, das Überseeinsel genannt wird, umgesetzt werden.

Im Fokus stehen nun zwei Projekte, die sich nordwestlich und südöstlich an die bereits geplanten Gebäude anschließen sollen: Im ehemaligen Produktionsgebäude des US-amerikanischen Lebensmittelunternehmens Kellogg, das hier bis November 2017 Frühstücksflocken hergestellt hat, werden, so der Plan, Wohnungen in modularer Bauweise entstehen; auf einer weiteren Fläche sollen Häuser für sogenanntes Mikrowohnen gebaut werden, also kleine Wohnungen mit bis zu 30 Quadratmetern, die als großteils geförderter Wohnraum vor allem Senioren, Azubis und Studierende ansprechen sollen.

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Laut Plan werden künftig 300 Menschen in den kleinen Wohneinheiten ein neues Zuhause finden. In die Erdgeschossflächen könnte eine Kindertagesstätte ziehen. Dem angeschlossen werden soll außerdem ein Gesundheitszentrum. Vorstellbar ist, dass dort neben Praxen und Apotheken auch gesundheitsnahe Dienstleistungen wie Labore und Trainingseinrichtungen angesiedelt werden. Jens Lütjen, Geschäftsführer des Immobilienunternehmens Robert C. Spies, das die Überseeinsel GmbH bei den wohnwirtschaftlich und gewerblichen Nutzungen berät und die Vermarktung für wesentliche Bereiche übernimmt, spricht von einem „Meilenstein in der Versorgung der vielen Mitarbeiter und Unternehmen vor Ort“.

Als vorrangiges Baumaterial soll für diese Häuser Holz genutzt werden, auf abgeschrägten Dächern könnte Platz für Fotovoltaikanlagen entstehen, die zur Energiegewinnung für das Gebiet beitragen sollen. All diese Vorstellungen werden in einen Architektenwettbewerb eingehen. 2023 könnten die Gebäude dann fertig gebaut sein.

Brauerei, Bäckerei, Energiezentrale

Im Erdgeschoss der ehemaligen Produktionshalle, die zunächst hätte eigentlich abgerissen werden sollen, sollen neben der Energiezentrale für das Quartier auch eine kleine Brauerei sowie eine Bäckerei angesiedelt werden, die ihre Waren vor Ort herstellen. Darüber, so die Idee, auf sechs Stockwerken: bis zu einhundert Loft-Wohnungen zwischen 40 und 160 Quadratmetern mit einer Deckenhöhe von jeweils 4,50 Metern, die die Eigentümer kaufen und auch selbst ausbauen können. Der Preis soll sich nach Größe, Lage (Ost- oder Westausrichtung) und Etage richten, vorgeschaltet werden – wegen des Windes direkt an der Weser – entweder ein Wintergarten oder eine große Fensterfront. Auch hier könnten die Bagger, wenn alle Genehmigungen durch sind, ab 2021 rollen.

Maßgeblicher Treiber hinter dem Projekt „Überseeinsel“ ist Klaus Meier, der vor zwei Jahren das gleichnamige Unternehmen gegründet hatte. Der Investor ist Gründer und Aufsichtsrat des Windparkprojektierers WPD, der seinen Sitz in direkter Nachbarschaft zu dem Areal hat. Im April 2018 hatte WPD das Gelände von der Kellogg Manufacturing gekauft. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Die Mitarbeiter der 2017 von Meier ins Leben gerufene Überseeinsel GmbH haben die Aufgabe, das Kellogg-Areal zu entwickeln und dort ein Mischgebiet aus Wohnen und Arbeiten zu planen.

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Mit den nun geplanten Wohneinheiten sowie Hotel, Bürogebäude und dem Bio- und Regionalmarkt mit angeschlossener Gastronomie (wir berichteten) soll laut Investor Meier „die emotionale Mitte“ des Areals entstehen. In weiteren Schritten werden, so Meier, später weitere Wohnungen entstehen. Dabei sollen demnach auch Baugemeinschaften zum Zuge kommen, geplant werden aber auch Wohnungen aus dem Luxussegment.

Dem Unternehmer geht es nach eigenen Angaben darum, möglichst unterschiedliche Menschen in dem Quartier zusammenzubringen, damit Leben in die Überseestadt kommt. Auch mit dem neuen Nachbarn Kurt Zech, der vor Kurzem das angrenzende, 2,5 Hektar große Grundstück der Firma Reimer Logistics gekauft hat, sei man im Gespräch.

Weiteren Abstimmungsbedarf gibt es offenbar aber noch bei der geplanten zweizügigen Schule auf dem Areal. Eigentlich sollte das ehemalige Kellogg-Verwaltungsgebäude an der Stephanikirchenweide in diesem Jahr entsprechend umgebaut werden, damit dort eine Grund- und Oberschule für am Ende jeweils 200 Schüler Platz finden kann. So sahen zumindest im vergangenen Januar die Pläne der Überseeinsel GmbH aus. Demnach hätten die ersten beiden Grundschulklassen mit Schuljahresbeginn 2020/2021 unterrichtet werden sollen.

Schulstart wohl 2021

Doch ganz so schnell wird es wohl nicht gehen. Nach eigenen Angaben wollte die Überseeinsel GmbH die Umbauarbeiten finanzieren und das Gebäude später an die Stadt vermieten oder verkaufen. Wie genau die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Stadt am Ende aussehen wird, steht derzeit aber noch nicht fest. Bei Immobilien Bremen (IB) geht man davon aus, dass die Schule ihren Betrieb mit zwei ersten Grundschulklassen zum Schuljahresbeginn 2021/2022, also ein Jahr später als vom Investor angedacht, aufnehmen wird. Die Anstalt öffentlichen Rechts verwaltet für die Stadt Liegenschaften und Gebäude, die in bremischen Besitz sind, dazu zählen auch Schulen.

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Ein Sprecher von Immobilien Bremen spricht von „sehr positiven Gesprächen“ mit der Überseeinsel GmbH, es gebe keine unterschiedlichen Vorstellungen. Die Vorgehensweise werde in enger Zusammenarbeit mit der Senatorin für Kinder und Bildung abgestimmt – zu einem abschließenden Ergebnis, ob das Gebäude letztendlich gekauft, gemietet oder selbst umgebaut wird, ist man nach den Angaben des Sprechers aber noch nicht gekommen.

Info

Zur Sache

Abschlussveranstaltung am Freitag

Die finale Rahmenplanung für die Überseeinsel, die auch unter Bürgerbeteiligung entstanden ist, wird am Freitag, 30. August, erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Planende und Projektverantwortliche stehen zwischen 16 und 20 Uhr auf dem Gelände (Auf der Muggenburg 30) für Fragen zur Verfügung. Um 18 Uhr gibt es eine Podiumsdiskussion mit Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke), Stadtentwicklungssenatorin Maike Schaefer (Grüne) und Klaus Meier als Geschäftsführer der Überseeinsel GmbH. Zudem wird der Hopfengarten der Gemüsewerft zum ersten Mal geöffnet sein. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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