Neue Kontaktpolizistin

Dienstübergabe in Walle

Seit 2016 war Polizeioberkommissar Wilhelm Mohrlüder als Kontaktpolizist Ansprechpartner für alle im Bereich Überseestadt, Heimatviertel und Steffensweg. Nun übernimmt Polizeioberkommissarin Mareike Meines.
29.03.2020, 11:34
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Dienstübergabe in Walle
Von Anne Gerling
Dienstübergabe in Walle

Einige gemeinsame Runden konnten die beiden Waller Kops Wilhelm Mohrlüder (v.l.) und Mareike Meines noch durch die Überseestadt drehen.

Roland Scheitz

Walle. Die Fuß- und Fahrradstreifen am Waller Revier sind ab sofort fest in weiblicher Hand: Die beiden Kontaktpolizistinnen (Kops) Martina Bruns und Sandra Pinkawa haben Unterstützung von Mareike Meines bekommen, die sich künftig als Ansprechpartnerin für alle Bürgerinnen und Bürger um die Ortsteile Steffensweg und Überseestadt inklusive Heimatviertel kümmert.

Die Polizeioberkommissarin tritt die Nachfolge von Wilhelm Mohrlüder an, der zum 1. April in den Ruhestand geht. „Ich hatte den ‚Luxus’, dass eine Übergabe stattgefunden hat und ich das Netzwerk kennenlernen konnte, das Willi Mohrlüder sich hier aufgebaut hat“, sagt Meines. 1988 hat die Polizeioberkommissarin bei der Bremer Polizei angefangen, wie sie erzählt: „Wir waren der zweite Jahrgang mit Frauen.“ Nach der Ausbildung war Meines 15 Jahre lang bei der Bereitschaftspolizei, bekam zwei Kinder und wechselte 2006 schließlich ans Waller Revier, wo sie bis Dezember 2019 im Einsatzdienst tätig war. Nach mehr als 30 Jahren ist für sie nun mit dem Schichtdienst Schluss: Seit dem 6. Januar ist Meines als Kontaktpolizistin (Kop) tätig. „Ich wollte gerne nochmal etwas Neues machen. Dies ist ein sehr interessanter Bereich und es war für mich eine Herzensangelegenheit, weiter hier in Walle zu arbeiten“, sagt die 52-Jährige.

Ihren neuen Zuständigkeitsbereich empfindet sie als spannend und vielseitig: „Es wird dort viel gebaut. Der Stadtteil wächst dort noch und wir haben viele Schulen und Kitas dabei.“ Ein Hauptproblem in der Überseestadt ist ihrer Einschätzung nach die Park- und Verkehrssituation: „Dazu gibt es viele Bürgerbeschwerden. Da steht man dann dazwischen und versucht zu vermitteln.“ Ein Teil des Problems: „Die Leute sind nicht bereit, 70 Euro für einen Platz in der Tiefgarage zu bezahlen. Man fährt lieber die Grünanlagen platt.“

In den vergangenen Wochen war Meines viel mit Vorgänger Wilhelm Mohrlüder in der Überseestadt und umzu unterwegs. „Ich fand es wichtig, dass wir beide nochmal die Einrichtungen und Personen abgrasen, die mir wichtig waren“, sagt der 62-Jährige, der zum 1. April nach fast 46 Jahren bei der Bremer Polizei in den Ruhestand geht und sich ab dann verstärkt dem Singen im Shanty-Chor und der Heimatforschung widmen will.

2013 hatte Mohrlüder als Kop in Findorff angefangen und war 2016 nach Walle gekommen, wo er in der Überseestadt mit einigen Protagonisten besonders häufig und positiv zusammengearbeitet hatte: „Als zum Beispiel der Löwenhof bebaut wurde und es dort innerhalb von fünf Monaten fünf Bombenfunde gab. Da bin ich quasi im Steigenberger und im GOP ein- und ausgegangen und habe die evakuiert. Da ist es gut, wenn man die Verhältnisse kennt und weiß, wen man anrufen muss. Das nimmt sehr viel Druck weg.“ Insbesondere ein Freitag ist Mohrlüder noch gut in Erinnerung, an dem gerade Hertha BSC für eine bevorstehende Partie im Steigenberger eingecheckt hatte und im GOP zwei Sonderveranstaltungen angesetzt waren, als wieder ein Bombenfund gemeldet wurde. Situationen wie diese schweißen zusammen: „Mit dem Baggerfahrer sind wir inzwischen per Du. Und mit dem Sprengmeister sowieso.“

„Ich weiß Bescheid, wen ich anrufen muss“, sagt Mareike Meines – auch für Großveranstaltungen wie den City-Triathlon oder den Velotörn sei sie ausführlich gebrieft worden. Hier habe es einige wenige Anwohner-Beschwerden gegeben, weil Zufahrten für Autos vorübergehend gesperrt werden mussten, erzählt Mohrlüder, der deutlich lieber an den „Red Bull Flugtag“ im Sommer 2018 zurückdenkt: „Das war tiefenentspannt und hat Spaß gemacht. Geparkt wurde auf dem Großmarktgelände – das lief gut. Wir wussten ja vorher nicht, wie viele kommen. 50 000 Besucher waren da und das Wetter war ein Traum.“

Ebenfalls vor zwei Jahren hatte Mohrlüder einen Fernsehauftritt, der viele positive Reaktionen auslöste: Für die Buten-un-Binnen-Serie „Die Aufpasser“ hatte ihn einen Tag lang ein Kamerateam begleitet – etwa ins „Rote Dorf“, wo er Ansprechpartner für die dort untergebrachten Geflüchteten war, oder in die Allgemeine Berufsbildende Schule (ABS), wo er sich um Schüler in Schwierigkeiten kümmerte. „Die Folge war noch nicht zuende, da klingelte schon das Telefon“, erzählt er – und Revierleiterin Kirsten Dambek erklärt, weshalb sie Radio Bremen damals bewusst diesen Kop vorgeschlagen hatte: „Er ist eloquent – das ist wichtig, wenn man vor der Kamera steht.“

Außerdem merkt man, dass ihm seine Tätigkeit Freude bereitet hat. „Als Kop darf man kreativ sein“, schwärmt Mohrlüder, der unter anderem für die Verkehrserziehung in Kitas und Schulen eigens ein Kinderlied umgedichtet hat: Eine Strophe zur Links-rechts-links-Guckregel, eine zur Ampel und eine zum Zebrastreifen. Seine helle Freude hatte der gestandene Polizeioberkommissar außerdem an den vielen erstaunten Kinderaugen, wenn er in Schulklassen sein Kuscheltier – Polizei-Teddy Alfred – vorstellte. „So ist das Eis dann ganz schnell gebrochen“, schmunzelt Mareike Meines, die auf den ersten Touren in ihrer neuen Funktion als Kop auch gleich positive Erfahrungen gemacht hat: „Die Bürger gehen ganz anders auf einen zu. Es ist, als ob man die Seiten gewechselt hat. Man baut ein Verhältnis zu den Menschen auf, während man im Einsatzdienst einen Fall abarbeitet. Als Kop ist man ja auch mehr Ansprechpartner und möchte helfen.“

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