Graffiti-Kunst

Vor 37 Jahren ersetzten Gemüseregale die Kinosessel

25 Jahre lang gönnten sich viele Bremer im „Regina“ immer mal wieder ein paar schöne Stunden. Nun erinnert ein Graffito an das Kino an der Landwehrstraße, das insbesondere für seine große Leinwand berühmt war.
04.06.2020, 05:29
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Vor 37 Jahren ersetzten Gemüseregale die Kinosessel
Von Anne Gerling
Vor 37 Jahren ersetzten Gemüseregale die Kinosessel

Graffiti-Künstler Adem Sahantürk hat ein Motiv entwickelt, das Geschichte und aktuelle Nutzung des Hauses verbindet.

Scheitz

Landwehrstraße 38: Mit dieser Adresse verbinden etliche alteingesessene Bremer vor allem aus Walle, Findorff und der früheren Doventorsvorstadt bis heute ganz besondere Erinnerungen. Von 1957 bis 1983 nämlich befand sich genau hier das „Regina-Filmtheater – das Kino mit der größten Leinwand der ganzen Stadt, eine Institution über Bremens Grenzen hinaus.

Und dieses Kapitel bremischer Kinogeschichte ist ab sofort wieder im Straßenbild sichtbar – und zwar in Form eines Wandbildes an der Fassade des früheren Kino-Foyers. Gestaltet haben das bunte Graffito Adem ­Sahantürk und Patrick Przewloka. Dafür haben die beiden Graffiti-Künstler einen roten Samtvorhang, Filmrollen mit Zelluloidfilm und eine Kinoleinwand mit Bananen, Äpfeln, Gurken und Kürbissen kombiniert, von denen einige wie Kino-Zuschauer 3-D-Brillen tragen.

In dem ehemaligen Kino werden mittlerweile nämlich Lebensmittel verkauft: Die Rewe-Group betreibt dort seit vielen Jahren den Penny-Markt Utbremen und wollte die Fassade optisch aufwerten. Mindestens 20 Jahre lang sei die Fassade eine „Problemwand“ gewesen, sagt Sahantürk, der selbst eine Zeit lang direkt gegenüber gewohnt hat: „Sobald dort frisch gestrichen wurde, war immer wieder sofort was drauf.“ Mehrfach habe er sich auf die Wand beworben, sagt der 44-Jährige – nun sei zu seiner Freude die Rewe-Group an ihn herangetreten: „Es ist eine schöne und sehr zentrale Wand.“

Nach mehreren Gesprächen zwischen Künstlern, Gebäude-Eigentümerin und den Mietern sei dann schließlich die Idee für das Motiv herangereift, das die Geschichte der Immobilie und ihre aktuelle Nutzung auf eine ansprechende Weise miteinander verbinden sollte.

Fünf „Spray-Sessions“ brauchten Sahantürk und Przewloka, um die Wand anschließend neu zu gestalten. Mit viel positivem Feedback von Passanten, wie Sahantürk sagt: „Während der Arbeiten vor Ort haben wir schon ordentlich Nachfragen für weitere Projekte gehabt.“

„Wir haben schon positive Rückmeldungen von unseren Kunden bekommen“, sagt auch Marktleiter Andre Krull. Er ist sich mit Sahantürk einig: Das Motiv passt gut zu den vielen jungen Leuten, die tagtäglich in der Gegend unterwegs sind – Schüler der Europaschule Schulzentrum Utbremen zum Beispiel und natürlich die Waller Kinder, die jetzt endlich wieder den „Penny-Spielplatz“ im Utbremer Grün gleich hinter dem ehemaligen Kino ansteuern können.

Info

Zur Sache

Utbremen schrieb Kinogeschichte

1955 begann der Filmunternehmer J. Heinrich Rhode, der in den 1950er-Jahren auch den „Admiral-­Palast“ an der Hemmstraße, das „Camera-­Filmtheater“ an der Horner Heerstraße, das „Rex“ an der Gröpelinger Heerstraße, die „Kurbel“ an der Waller Heerstraße und die „Blende“ an der Woltmershauser Straße betrieb, an der Ecke Haferkamp/Landwehrstraße mit dem Bau des „Regina-Filmtheaters“ nach Plänen der Architekten Wilhelm Wortmann und Erik Schott. Den Standort unmittelbar am zentralen Verkehrsknotenpunkt inmitten der ringsum heranwachsenden westlichen Vorstadt hatte Rhode mit Sorgfalt ausgewählt.

Am Freitag, 23. August 1957, öffnete das neue Kino um 15.30 Uhr seine Glastüren für die erste Vorstellung auf einer 60-Quadratmeter-Leinwand – als damals 51. Kino in Bremen und Umgebung, wie der Weser-Kurier berichtete. Das Regina hatte die größte Leinwand von allen und im Laufe der Jahre kam eine Fülle von technischen Besonderheiten hinzu.

25 Jahre lang gönnten sich viele Besucher aus Bremen und umzu hier immer mal wieder ein paar schöne Stunden, bis das Regina Ende April 1983 geschlossen wurde. „In seine Räumlichkeiten zieht ein Supermarkt ein“, kündigte am 23. April 1983 der Weser-Kurier an.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+