Corona und die weiterführende Schulen Unterschiedlich große Probleme

Auch an den weiterführenden Schulen im Bremer Westen gibt es coronabedingte Probleme. Nicht alle Schülerinnen und Schüler kommen ohne Präsenzunterricht klar.
22.02.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten

Der Alltag in Zeiten der Pandemie: Nach den Kitas und Grundschulen lud der Waller Bildungsausschuss nun auch die Leitungen der weiterführenden Schulen ein, im Rahmen der aktuellen Videokonferenz Bericht über ihre Erfahrungen zu erstatten. Die Rückmeldungen waren so differenziert wie die Schulen und ihre jeweilige Schülerschaft selbst. Nicht alle Schülerinnen und Schüler kommen gleichgut mit dem Lernen aus der Distanz zurecht. Den „echten“ Unterricht können die Geräte nicht ersetzen.

Die politisch beschlossene Rückkehr zum verbindlichen Präsenzunterricht ab dem 1. März sei gut, so Matthias Möller, denn: „Wir sind dabei, Schüler zu verlieren und haben einige schon verloren“, mahnte der Leiter des Schulzentrums Walle. Corona habe bestehende Probleme verstärkt: „Schüler, die sich schon vorher nicht gut organisieren konnten, gehören zu den Verlierern.“ Dies zeige sich unter anderem darin, dass ein Teil der Schüler sich aus dem Online-Unterricht ausklinke, oder gar nicht erst teilnehme – je nach Abteilung seien das bis zu 30 Prozent, so der Schulleiter.

Die Schulen haben das Beste aus der Krise gemacht

Obwohl die Schulen „das Beste aus der Krise“ gemacht hätten: „Videokonferenzen sind nicht beziehungsförderlich. Die Beziehungsebene ist für den Unterricht extrem wichtig. Und wir haben in Walle viele Schülerinnen und Schüler, die diese Beziehung brauchen.“ Die Lehrkräfte und Sozialpädagogen, die nach wie vor persönlich und online zu erreichen seien, meldeten zwar keine Zunahme von Anfragen seitens der Schülerschaft, so Möller auf Nachfrage, ob sich häusliche Probleme in den Pandemiemonaten verstärkt hätten. Er zweifle aber daran, dass es diese Zunahme nicht gibt, und vermute vielmehr eine Hemmschwelle, sich Hilfe zu holen. „Ich habe das Gefühl, dass sich Probleme aufstauen, die man sonst früher gesehen hätte“, so der Waller Schulleiter.

Von einer „Dunkelziffer“ in diesem Bereich geht auch sein Kollege Börje Horn aus – obgleich das Kollegium des Schulzentrums Rübekamp weit über den Unterricht hinaus versuche, den Kontakt mit den Schülerinnen und Schülern aufrecht zu erhalten. Am Rübekamp seien die berufsbildenden Abteilungen der Schule besonders hart von der Pandemie betroffen, so Horn: In den Ausbildungsgängen für das Gaststätten- und Nahrungsmittelgewerbe sei wegen der Schließung der Küchen und Betriebe der praktische Anteil komplett weggebrochen.

Das, was machbar ist, ist endlich

Was die zusätzlichen Herausforderungen für die Kolleginnen und Kollegen in den Schulen betreffe, sei „endlich, was da geht“, prophezeite der Schulleiter. „Die Belastungen, die Zumutungen sind einfach zu hoch.“

Als „Riesenproblem“ und „Stress pur“ hatten die Schulen vor allem die Vormonate mit den wechselnden behördlichen Vorgaben erlebt, bestätigte Peter Hons, Leiter des Schulzentrums Grenzstraße. Vom Unterricht auf Distanz zeichnete Hons ein durchaus recht heterogenes Bild: In der Waller Bildungseinrichtung, die Berufsschule, Berufsfachschule und berufliches Gymnasium unter einem Dach vereint, „kommen manche Schüler gut mit dem Distanzunterricht zurecht. Aber manche brauchen viel mehr Betreuung“, sagt der Schulleiter.

Es hat sich eine gewisse Routine eingestellt

„Im Moment läuft es endlich mal ruhig“, berichtete Katja Ollmann, Leiterin der Berufsschule für Großhandel, Außenhandel und Verkehr (BSGAV). Nach dem ewigen Hin und Her der Vormonate habe sich eine gewisse Routine eingestellt, in der die Schülerinnen und Schüler nur für die Klausuren in die Schule kommen. Mit dieser Methode seien nicht nur die jungen Leute zufrieden: „Viele Betriebe waren genervt, als noch Präsenzunterricht galt. Sie hatten ihre eigenen Mitarbeiter oft ins Homeoffice geschickt, und befürchteten, dass die Auszubildenden die Infektion in die Betriebe tragen könnten.“ Der Distanzunterricht laufe sehr gut, so die Schulleiterin, „weil wir sehr gut aufgestellt sind und erwachsene Schüler haben, die in der Lage sind, selbstständig zu arbeiten.“ Eine auffällige Zunahme an Ausbildungsabbrüchen beobachte man allerdings in einer Klasse, die speziell für junge Mütter eingerichtet wurde. „Für sie ist es zurzeit am Schwierigsten“, so Ollmann.

Vor allem für die leistungsschwächeren Schülerinnen und Schüler habe die Pandemie den Weg in den Beruf aktuell „massiv erschwert“, hieß es aus der Allgemeinen
Berufsbildenden Schule am Steffensweg. Viele seien mit dem Digitalunterricht überfordert, die Unterstützung aus dem Elternhaus sei oft nicht vorauszusetzen, und der Austausch zwischen Schule und Elternschaft wegen der sprachlichen Barrieren ohnehin nicht gerade einfach, so Schulleiterin Susanne Schröder. „Für viele ist unsere Schule ein wenig Heimat. Doch das gelingt zurzeit nur bedingt.“

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