Hundefreilauf Ortstermin im Waller Park

Seit Jahren warten Waller Hundehalter auf eine Freilauffläche im Stadtteil. Zwei von ihnen möchten den Leinenzwang im Waller Park lockern. Nun war der Petitionsausschuss der Bürgerschaft vor Ort..
04.03.2020, 17:22
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Ortstermin im Waller Park
Von Anne Gerling

Wäre es möglich, in einem Teil des Waller Parks Hunde frei herumlaufen und spielen zu lassen, ohne andere Parkbesucher zu stören? Dieser Frage ist bei seinem ersten Ortstermin im Jahr 2020 nun der Petitionsausschuss der Bremischen Bürgerschaft unter dem Vorsitz von Claas Rohmeyer (CDU) und Mustafa Öztürk (Grüne) nachgegangen.

Lange hatten die Waller Hundehalter Volker Kutscher und Monika Lüke auf diesen Tag gewartet: Seit etwa sieben Jahren setzen die beiden sich dafür ein, dass Hunde in der Grünanlage unter bestimmten Voraussetzungen von der Leine gelassen werden können, um eine artgerechte Haltung der Tiere zu ermöglichen. Nachdem der im Oktober 2018 gestartete städtische Ordnungsdienst verstärkt kontrolliert hatte, ob Vierbeiner in der Grünanlage wie vorgeschrieben angeleint sind, hatten die beiden im April 2019 eine Petition auf den Weg gebracht. Diese zielt darauf ab, den Leinenzwang im Waller Park zeitweise aufzuheben und eine Wiese auf der südlichen Parkseite nahe der Emder Straße als Freilauffläche auszuweisen.

„Wir hatten eine öffentliche Beratung im Ausschuss und möchten uns nun vor Ort ein Bild machen, weil nicht ersichtlich war, was dagegen spricht und wie die Örtlichkeiten sind“, stimmte nun Öztürk den Petitionsausschuss auf den Ortstermin ein und Kutscher erklärte noch einmal den Hintergrund: „Wir hatten diese Wiese ausgesucht, weil sie jahrzehntelang nicht genutzt wurde und unter Wasser stand.“

Das Umweltressort lehnt das Vorhaben ab. Die Begründung: Kläffende Hundemeuten könnten Parkbesucher belästigen. Kutscher ist anderer Ansicht: „Da nicht alle Hundehalter gleichzeitig Gassi gehen, wäre über den ganzen Tag verteilt jeweils eine überschaubare Zahl von Hunden hier. Außerdem haben die Besitzer ihre Tiere natürlich im Griff.“ Kutscher und Lüke sind überzeugt: „Alles in allem benehmen sich die Hunde im Park besser als so manche Besucher.“ Das bedeute: Wenn rücksichtslose Radler, Grillfeiern und laute Musik in der Grünanlage geduldet werden, dann muss dort auch Hundefreilauf möglich sein – für ältere Hundehalter aus der Nachbarschaft ebenso wie für sozial Schwächere ohne Auto, die sich auch nicht täglich ein Bus- und Bahnticket leisten könnten.

Dieses Argument kann Claas Rohmeyer nachvollziehen, der selbst schon einen älteren Herrn im Rollstuhl beobachtet hat, der mit Hund im Park unterwegs war. Hundefreilaufflächen in anderen Teilen Walles, über die schon lange im Stadtteil diskutiert wird – etwa am Hagenweg, am Waller Feldmarksee oder an der Hafenstraße – seien deshalb nicht im Sinne der Petenten, betont der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete. Ihnen nämlich gehe es ausdrücklich um ein wohnortnahes Angebot für die Menschen rund um den Park.

Die von Kutscher und Lüke ursprünglich vorgeschlagene Wiese ist mittlerweile zu einer Blumenwiese für Insekten umgestaltet worden und kommt deshalb als Hundewiese nicht mehr in Frage. Sie liege ohnehin zu nah am benachbarten Friedhof, sodass sich Trauergemeinden womöglich vom Hundegebell gestört fühlen könnten, ist Carsten Tornow überzeugt, der im Bauressort die Schaffung von Hundefreilaufflächen verantwortet und derzeit in ganz Bremen nach geeigneten Flächen sucht: „Vorhin war dort gerade eine Beisetzung. Ich finde das nicht ganz passend.“ Anders als manch andere Stadtteile habe Walle kaum Freiflächen, sagt der Behördenvertreter. Aber: „Der Waller See hat die Chance, den ersten Hundestrand in Bremen zu bekommen. Extra dafür würden wir das Wassergesetz ändern.“

Der Waller Park jedoch diene ausschließlich Erholungszwecken, was mit frei laufenden Hunden kaum vereinbar sei. Zumal seiner Ansicht nach innerhalb der historischen Grünanlage aus optischen und finanziellen Gründen auch keine Flächen abgetrennt und eingezäunt werden könnten, so Tornow. Einen zwangsläufigen Widerspruch zwischen Erholungsgebiet und Hundewiese sehen die Mitglieder des Petitionsausschusses allerdings nicht. Gerade die Gegenwart von Tieren wirke entspannend, meint jemand. „Manche Leute sehen einen Hund und freuen sich, weil sie auch mal einen hatten“, findet wiederum ein anderes Ausschussmitglied. Wo aber wäre ein als Hundewiese geeigneter Platz? Nachdem die Wiese beim Friedhof umgestaltet wurde, hat Rohmeyer sich im Park umgesehen und dabei ein interessantes Areal entdeckt: Der Weg führt die zehnköpfige Besucherdelegation zu einer Fläche zwischen dem See und der Langen Reihe. Lüke und Kutscher wären damit einverstanden: „Die Hundehalter sind hier flexibel. Hauptsache, es ist der Park.“ Mit diesem Ort habe er große Bauchschmerzen, sagt allerdings Tornow: „Das ist das absolute Herzstück des Parks. Hier wird im Sommer viel gepicknickt, das gibt Konflikte.“

Wenn überhaupt, dann käme seiner Ansicht nach schon eher ein zur Heerstraße hin gelegener Bereich nordöstlich vom See in Frage, an dem ein großer Johannisbrotbaum steht. Einige Mitglieder des Petitionsausschusses könnten sich vorstellen, dieses Areal inklusive Weg mit einem Zaun zu sichern. Parkbänke stehen bereits ganz in der Nähe – sie müssten einfach nur in eine andere Richtung gedreht werden, findet Rohmeyer und wendet sich an Tornow: „Wenn dies die Fläche wäre, über die man nachdenken könnte – und zu der Sie uns Kosten für eine Umzäunung nennen könnten – dann könnte dies ein Kompromiss sein.“ Sobald die Ergebnisse der Prüfung vorlägen, könne man mit dem Thema in den Beirat gehen, hält Öztürk fürs Protokoll fest. Ortsamtsleiterin Ulrike Pala bittet um eine möglichst schnelle Rückmeldung; sie möchte das Thema gern gleich in der nächsten Beiratssitzung am 19. März behandeln. Kutscher und Lüke sind sich einig: „Es ist gut gelaufen.“

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