Investor kauft Grundstück

Planungszelle soll Ideen für Findorffer Bahn-Brache entwickeln

Anstatt mit fertigen Plänen ist kürzlich Investor Frank Ebner mit einer Anfrage auf die Ortspolitik in Walle und Findorff zugekommen: Er möchte gemeinsam mit ihnen eine ehemalige Bahn-Brache entwickeln.
25.03.2020, 17:37
Lesedauer: 3 Min
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Planungszelle soll Ideen für Findorffer Bahn-Brache entwickeln
Von Anne Gerling

Die Brachfläche, die Investor Frank Ebner vor einiger Zeit von der Bahn erworben hat, liegt ausgesprochen zentral. Jeder, der auf der Hemmstraße zwischen Findorff und Walle unterwegs ist, kommt automatisch daran vorbei – nicht jeder aber kennt auch das versteckt auf einem mehrere Meter hohen Damm gelegene Gebiet.

Das verwilderte Grundstück wird von manchen Findorffern „Findorffer Brache“ genannt – offiziell befindet sich die etwa 400 Meter lange und zwischen 25 und 80 Meter breite Liegenschaft zwischen Kastanienstraße, Hemmstraßentunnel, Kohlenstraße und der Unterführung an der Münchener Straße – allerdings auf Waller Territorium.

Anwohner sollen einbezogen werden

Was Ebner damit vor hat, hat er kürzlich im Fachausschuss für Quartiers- und Stadtentwicklung des Waller Beirats vorgestellt. Ihm geht es zunächst weniger um einen konkreten Plan als vielmehr um den Weg dorthin: Bei der Entwicklung des Areals will Ebner, der in der Vergangenheit für die Bahn schon vergleichbare Grundstücke entwickelt hat, ausdrücklich die Anwohner frühzeitig einbeziehen.

Im Flächennutzungsplan ist die Brache aktuell als Grünfläche mit Fotovoltaik-Nutzung verzeichnet. Der Grund dafür: Vor einigen Jahren hatte die Initiative „Leben in Findorff“ (LiF) dafür geworben, die Brachfläche zum Teil als Spielfläche herzurichten und dort außerdem einen Bürgersolarpark zu schaffen. Die 2014 gegründete Genossenschaft „Bürger Energie Bremen“ (Begeno) hatte daraufhin mit der Bahn über einen urbanen Solarpark in Bürgerhand verhandelt. „Wir haben versucht, die Fläche zu entwickeln – aber nicht erfolgreich“, sagt dazu Begeno-Sprecher Ulf Jacob, der auch der Findorffer Grünen-Beiratsfraktion angehört. Und es gab noch andere Interessengruppen, deren Fantasie schon durch das Grundstück beflügelt wurde. So stand vor vielen Jahren einmal die Idee im Raum, dort eine Park-and-Ride-Parkplatz für Freimarktbesucher einzurichten.

Erste Ideen bis zum Sommer

Für eine Bebauung allerdings müsste zunächst der Flächennutzungsplan geändert werden. „Die Stadt ist durchaus offen, die Darstellung zu ändern und einer Entwicklung dort nicht im Weg zu stehen“, teilte dazu stellvertretend für Stadtplaner Thomas Lecke-Lopatta Bauressort-Vertreter Leonard Lange mit. Sein Haus schlägt vor, eine sogenannte Planungszelle – eine repräsentative Arbeitsgruppe mit etwa zehn Mitgliedern – zu bilden. Dieses Gremium aus Nachbarn, Eigentümern, Planern und Ortspolitikern soll möglichst bis zum Sommer erste Ideen entwickeln. Dabei können Beispiele aus anderen Städten unter die Lupe genommen und gegebenenfalls bei fachlichen Fragen Experten hinzugezogen werden. Nach der Sommerpause könnte auf dieser Grundlage dann ein Planänderungsverfahren auf den Weg gebracht werden.

Auf den ersten Blick scheint das Areal prädestiniert für Gewerbe – auch wegen seiner Nähe zur Kohlenstraße. Ebner schließt aber auch andere Arten der Nutzung wie zum Beispiel Wohnen nicht von vorneherein aus: „Das Grundstück liegt sehr zentral. Von dort aus sind es fünf Minuten zur Weser und man kommt auch schnell zur Uni.“ Ein weiterer Pluspunkt sei, dass jeder, der mit der Bahn aus Hamburg komme, an dem Grundstück vorbeifahre: „Da kann man was zeigen und Impulse schaffen. Uns ist es aber wichtig, in einem Prozess zu erarbeiten, was wir da machen.“

Appell: Fahrrad-Schnellstrecke mitdenken

Wer vom Waller Beirat in der Planungszelle mitarbeitet, das wird in diesen Tagen im E-Mail-Umlaufverfahren vereinbart. Auch das Findorffer Stadtteilparlament soll in der Planungszelle vertreten sein. „Ich freue mich, dass Sie die Fläche mit Wünschen aus den Stadtteilen entwickeln wollen“, sagt Ulf Jacob, der betont: „Ich sehe die Chance, hier einen grünen Freiraum zu erhalten.“ Luftlinienmäßig seien von Findorff aus gesehen die Distanzen zwar gering – aber eben zugebaut. Dementsprechend würden sich die Findorffer seiner Ansicht nach freuen, wenn hier neue Wegeverbindungen mitgedacht würden. Karsten Seidel (Grüne), Sprecher des Fachausschusses Quartiers- und Stadtentwicklung im Waller Beirat, würde sich auf der Brache wiederum ein Mischgebiet wünschen, in dem „Findorffs urbane Qualität und Walles gewerbliche Nutzung an diesem Standort“ zusammenwachsen. Er nennt in diesem Zusammenhang das Stichwort „Produktive Stadt“ – also die räumlich enge Mischung von Wohnen, Arbeiten und Produktion als neue Notwendigkeit im Städtebau – und verweist auf die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo, die just im Wahlkampf die „Stadt der Viertelstunde“ propagiert hat: „Also eine Stadt, in der du zu Fuß oder mit dem Fahrrad innerhalb von einer Viertelstunde alles erreichen kannst. Angesichts der Klimakrise ist dies das, wo es hingehen muss.“

Auch das Thema Fahrrad-Schnellstrecke muss Seidels Meinung nach im bevorstehenden Planungsprozess dringend mitgedacht werden: „Wenn der Flächennutzungsplan an dieser Stelle geändert wird, dann muss unbedingt Fläche für eine Premiumroute reserviert werden. Wenn man das jetzt weggibt, dann nimmt man zukünftigen Generationen die Möglichkeit, die vom Mählandsweg kommende Fahrrad-Premiumroute von Bremen-Nord über die Innenstadt nach Hemelingen an dieser Stelle als schnellen Fahrradweg vom Waller Bahnhof zum Hauptbahnhof weiterzuführen. Wir müssen deshalb mit diesem Territorium verantwortungsvoll umgehen.“

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