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Ein QBZ ist weiterhin der Wunsch

Was passiert an der Ellmersstraße, wenn im Mai 2022 die Berufsschule für Großhandel, Außenhandel und Verkehr in die Überseestadt umzieht? Der Waller Beirat wünscht sich ein Quartiersbildungszentrum.
21.12.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Ein QBZ ist weiterhin der Wunsch
Von Anne Gerling
Ein QBZ ist weiterhin der Wunsch

Im Mai 2022 wird die Schule in ihren Neubau ziehen. Wenn es nach dem Beirat geht, soll hier an der Ellmersstraße ein Quartiersbildungszentrum entstehen.

Roland Scheitz

Die ersten Wände stehen schon: Während man dem Neubau für die Berufsschule für Groß- und Außenhandel und Verkehr (BS GAV) an der Nordstraße mittlerweile förmlich beim Wachsen zugucken kann, gibt es noch keinen Plan für das alte Schulgelände an der Ellmersstraße ab dem Umzug im Mai 2022.

Dabei hatte der Waller Beirat das Thema bewusst frühzeitig – nämlich schon vor mehr als einem Jahr – angesprochen und klar gesagt, was er sich dort nach dem Abriss des mehr als 50 Jahre alten und maroden Berufsschulkomplexes vorstellt: Ein Quartiersbildungszentrum (QBZ), in dem auch gleich noch neue Räumlichkeiten für das Jugendfreizeitheim Haferkamp und das Kinder- und Familienzentrum Haferkamp geschaffen werden könnten. Denn beide Einrichtungen sind mittlerweile in keinem guten baulichen Zustand mehr und haben außerdem auch so gut wie kein Außengelände. Ein weiterer Wunsch des Beirats: Dass Genossenschaften oder Baugruppen auf dem Areal Wohnungen bauen könnten.

Viel hatten die Waller Ortspolitiker in den folgenden Monaten von der Stadt nicht zu diesem Vorschlag gehört und deshalb das Thema für die letzte Beiratssitzung des Jahres noch einmal auf die Agenda gesetzt. Dazu eingeladen waren Vertreter der betroffenen Ressorts Bau, Bildung und Soziales sowie von Immobilien Bremen (IB), von denen sich die Beiratsmitglieder erhofften, dass sie zu ihrem Wunsch Position beziehen würden.

Es braucht neues Planungsrecht

Es zeigte sich: Zwischenzeitlich hat es in der Angelegenheit ressortübergreifende Gespräche gegeben. Und auf dieser Grundlage skizzierte Stadtplanerin Georgia Wedler, Referatsleiterin im Bauressort, nun, wie es mit der etwa 10 000 Quadratmeter großen Fläche weitergehen soll. Was das Baurecht angeht: Im Flächennutzungsplan ist das Grundstück als Schulfläche festgesetzt, einen Bebauungsplan gibt es dafür bislang nicht.

Das Areal gilt als sogenannter unbeplanter Innenbereich und für eine neue Bebauung wäre entscheidend, ob sich das Vorhaben in die nähere Umgebung einfügt. Da sich in diesem speziellen Fall aus dem Umfeld aber sehr viele Fragen ergäben, bräuchte man Wedler zufolge vermutlich zunächst neues Planungsrecht.

So sei neben der Frage nach zukünftigen Räumen für Freizeitheim und Kindertagesstätte unter anderem zu klären, wer Träger eines Quartiersbildungszentrums sein könnte, ob es auf dem Grundstück auch Wohnprojekte, Carsharing oder Platz für Sport und Bewegung geben sollte oder ob womöglich die zukünftige Fahrrad-Premiumroute „D 15“ von Bremen-Nord über Gröpelingen, Walle und die Innenstadt nach Hemelingen durch den angrenzenden Grünzug verlaufen werde.

Was für ein QBZ spräche: Vor zwölf Jahren war im Zuge einer Stadtmonitoring-Untersuchung auch ein Gebiet in Utbremen zunächst als „Vermutungsgebiet für soziale und städtebauliche Problemlagen“ identifiziert worden. Die Sozialindikatoren hätten damals zwar gegen eine Förderung über das Programm Wohnen in Nachbarschaften (Win) für benachteiligte Quartiere gesprochen, so Wedler: „Aber der Anteil an Alleinerziehenden und Menschen mit Unterstützungsbedarf war durchaus hoch.“

Zur Kita Haferkamp steht die Frage im Raum, ob diese erweitert oder neu gebaut werden sollte. Wolfgang Bulling vom Referat Tagesbetreuung in der Bildungsbehörde hat die Einrichtung Ende September besucht. Dort gebe es aktuell 60 Plätze für Kinder über drei Jahren in vier Gruppen à 15 Kindern, da der Platz für eine Gruppen-Vollbelegung mit 20 Kindern nicht ausreiche.

Auch eine Durchgängigkeit sei aktuell nicht realisierbar, da es im Haus keine Plätze für Kinder unter drei Jahren gebe, so Bulling: „Wir müssen also angesichts der angestrebten Versorgungsquote noch Plätze in diesem Bereich schaffen.“

Die Vorplanung läuft

Im Oktober sei Immobilien Bremen mit der Vorplanung beauftragt worden: „Unabhängig von der Frage nach einem QBZ. Damit haben wir den ersten Pflock eingeschlagen, um ermitteln zu lassen, was dort möglich ist.“ Wedler zufolge wird IB eine ressortübergreifende Bedarfsplanung machen; in diesem Zuge solle es auch darum gehen, ob in Utbremen ein QBZ gebraucht werde.

Das Bildungsressort hatte diese Frage im März bereits mit einem Nein beantwortet; Dörte Kleemiß aus dem Liegenschaften-Referat der Bildungsbehörde hatte dem auch nichts Neues hinzuzufügen. Der erste Schritt werde sein, „die öffentlichen Bedarfe abzufragen und in den Dialog mit der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau zu gehen“, kündigte Günter Klänelschen an, der bei der städtischen Liegenschaftsverwaltung Immobilien Bremen für Planung und Ausbau zuständig ist.

Aussagen, die den Waller Beirat nun auf ein transparentes Verfahren inklusive Beteiligungsmöglichkeiten hoffen lassen. „Ich finde es sehr ermutigend, dass Sie die verschiedenen Aspekte in Ihr Brainstorming einbezogen haben“, freute sich etwa Karsten Seidel (Grüne). Er wolle aber auch „noch einmal nachdrücklich darauf hinweisen, dass Beirat und Bürger einbezogen werden. Was können wir für eine frühzeitige Beteiligung tun?“

Utbremen brauche ein Quartiersbildungszentrum, so Jörg Tapking (Linke): „Das Gebiet war schließlich schon einmal kurz davor, Win-Gebiet zu werden.“ Brigitte Grziwa-Pohlman (SPD) hat als Kita-Leiterin seinerzeit das 2011 eröffnete QBZ Robinsbalje in Huchting mit entwickelt. Dort wurde unter anderem ein Bewegungsraum integriert, der dann von Schule, Kita und auch von Bürgern genutzt wurde. „Es gibt aber beim QBZ keine Standard-Variante,“ sagt sie: „Sondern da geht es darum, was wir hier brauchen – und zwar nicht nur aus schulischer Sicht. Wir haben hier die einmalige Chance, ein Gebiet ganz neu zu denken und zu bebauen.“

Ob die Waller Ortspolitiker die Behördenvertreter mit ihrer Begeisterung für ein QBZ wohl anstecken konnten? Eine Botschaft jedenfalls ist definitiv bei Georgia Wedler angekommen. „Beteiligung steht hier in der Mitte, das ist mir ganz wichtig“, sagt sie. „Da muss man aber auch fragen, wer das macht.“

Info

Zur Sache

Vorbild Groningen

Ein Quartiersbildungszentrum (QBZ), in dem Kinder, Eltern und alle aus der Nachbarschaft Beratung, Gesellschaft und Angebote finden: Die Idee, mehrere QBZ in der Stadt einzurichten, kam 2008 auf. Vorbild ist unter anderem Groningen, wo seit zwei Jahrzehnten jeder Stadtteil eine „Vensterschool“ bekommen hat, in der Bildungs- und Betreuungsangebote koordiniert und unter einem Dach angeboten werden. Das im November 2011 eröffnete QBZ ­Robinsbalje in Huchting war Vorreiter in Bremen. Im April 2011 folgte das QBZ Blockdiek in Osterholz und seit April 2015 gibt es das QBZ Morgenland in Gröpelingen. Laut Koalitionsvertrag möchte die Stadt den QBZ-Ausbau weiter vorantreiben.

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