Sozialressort sichert Zuschuss zu

Quirl-Kinderhäuser haben wieder Zukunft

Walle. Seit dem Insolvenzantrag Anfang November gehen beim Verein „Quirl“ Solidaritätsschreiben ein. Zäh wird laut Geschäftsführerin Katja Barloschky um die Zukunft der drei Kinderhäuser gerungen. Jetzt gibt es grünes Licht aus dem Sozialressort.
08.12.2013, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ulrike Troue und Anne Gerling

Seit dem Insolvenzantrag Anfang November gehen beim Verein „Quirl“ Solidaritätsschreiben aus ganz Bremen ein. Zäh wurde laut Geschäftsführerin Katja Barloschky um die Zukunft der drei Kinderhäuser gerungen, am Freitag gab es grünes Licht aus dem Sozialressort: Es geht weiter! Nun geht es noch um Perspektiven für die anderen Einrichtungen.

Was wird aus den Kinderhäusern? Das sei die dringlichste Frage, sagt Katja Barloschky, Geschäftsführerin der „Frauenbetriebe Quirl“. „Die Kinderhäuser sind der sensibelste Bereich, denn da geht es um Kinder, Eltern und die Frage: Wird mein Kind da weiter betreut?“, betont Barloschky und verweist auf die Anmeldefrist für das kommende Kindergartenjahr im Januar. Die Eltern müssten also in der kommenden Woche Bescheid kriegen.

Werden sie, und zwar einen positiven. Am späten Freitagnachmittag teilte das Sozialressort nach der Verständigung über den Finanzplan mit: Die Zukunft der drei Kinderhäuser ist gesichert. „Wir haben ein großes Interesse an der Fortsetzung des pädagogischen Konzeptes von ,Quirl’ in der frühkindlichen Bildung und Betreuung sowie am Erhalt der Kinderhäuser“, erklärte Senatorin Anja Stahmann. „Dieser Teil von ,Quirl’ wird nun als erster aus der Insolvenz in eine solide Perspektive geführt werden können“, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter Detlef Stürmann.

Eine gute Nachricht nicht nur für die Eltern, sondern auch für die rund 45 „Quirl“-Mitarbeiterinnen im Kita-Bereich hat die Zitterpartie endlich ein Ende. „Ein schönes Weihnachtsgeschenk für uns“, kommentiert Katja Barloschky die Nachricht. „Unsere Kinderhäuser waren und bleiben das Herz von ,Quirl’.“ Somit könnte auch die Kita Blauhaus Realität werden. Dieses Projekt bereitet der Verein momentan gemeinsam mit der Wohnungsbaugesellschaft Gewoba und der „Blauen Karawane“ vor. Die dortige Einrichtung soll Bremens erste Übernachtungskita werden, verrät Barloschky.

Anfang November hatte „Frauenbetriebe Quirl“ Insolvenz anmelden müssen (wie berichtet). Als Konsequenz daraus, so Barloschky, dass die arbeitsmarktpolitischen Projekte nicht mehr ausreichend finanziert werden könnten.

Das 1986 gestartete Beschäftigungs- und Qualifizierungsunternehmen „Quirl“ mit insgesamt 75 Mitarbeiterinnen betreibt drei Kinderhäuser, unter anderem in Walle und Gröpelingen. Unter seiner Regie stehen noch sechs Küchenbetriebe und Gasträume – etwa das bei Gröpelingern äußerst beliebte „Balance Lokal“ in der Lindenhofstraße und das „Hafenbüdchen“ in der Kunsthochschule im Speicher XI, ein Waschsalon in Blockdiek und ein Kolleg für Trainings- und Qualifizierungskurse.

Nachdem nun die Zukunft der Kinderhäuser gesichert ist, rückt für „Frauenbetriebe Quirl“ die Klärung der Perspektive für die Küchen und den Waschsalon ins Blickfeld. „Dazu gibt es bisher noch keine Antwort“, sagt Barloschky. Natürlich werde geprüft, ob sich dort Mittel einsparen lassen. Es werde aber wohl darauf ankommen, glaubt die Geschäftsführerin, ob es gelinge, neue Wege mit den Zuschussgebern zu finden.

Wenn Ende März die Projekte auslaufen, will „Quirl“ sie definitiv nicht mehr anschließend über die sogenannten Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung (AGH-MAE) weiterlaufen lassen, die mittlerweile die In-Jobs abgelöst haben. „Die Auflagen, die im Zusammenhang mit diesen Beschäftigungsverhältnissen jetzt geprüft werden, könnten zum Beispiel die Folge haben, dass nur noch Hartz-IV-Empfänger in den Küchen essen dürften“, erklärt Barloschky diese Entscheidung. Genau die Mischung der Gäste aber mache zum Beispiel den Erfolg des „Balance Lokal“ aus: „Diese Küchen sind Orte der Begegnung – das ist der Sinn!“ Wenn es weitergeht, wird sich einiges ändern. Und daran glauben die Frauen bei „Quirl“. Die Beschäftigten haben den Mut noch lange nicht aufgegeben. Im Gegenteil. „Wir sind volle Lotte am Weitermachen“, sagt Barloschky. „Es gibt weiter Essen, und alle sollen, bitte schön, kommen!“

Der Betrieb laufe ungebrochen, teilweise mit einer „Jetzt-erst-recht“-Haltung weiter, berichtet Barloschky. „Aber es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, die Kolleginnen hätten keine Angst.“ Viele seien schon lange dabei, und zwar mit viel Herzblut. Besonders beeindruckt hat Katja Barloschky die Haltung der Maßnahmen-Teilnehmerinnen. „Die haben am Anfang unsere Mitarbeiterinnen getröstet“, erzählt sie und zieht innerlich den Hut vor diesen starken Frauen. Solidaritätsbekundungen aus Hemelingen, Blockdiek, von der Uni und vielen anderen sind nach dem Insolvenzantrag bei „Quirl“ eingegangen.

Sogar neue Ideen nimmt „Quirl“ in Angriff. So wurden laut Barloschky etwa Konzeptentwicklungsanträge für die Vorhaben „Himmel und Erde“ auf dem ehemaligen JVA-Gelände im Blockland und für ein Projekt mit dem Titel „Kind und Kegel“ in Gröpelingen gestellt. In ersten Fall geht es ums Gärtnern, im zweiten darum, gezielt Frauen und Mütter wieder an den Arbeitsmarkt heranzuführen.

Um die Situation von „Quirl“, Projekte und Pläne geht es in der öffentlichen Sitzung des Sozialausschusses am Mittwoch, 11. Dezember, um 18.30 Uhr in der Elsflether Straße 29.

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