Oberschule am Waller Ring ist Bundessieger Wenn Julia auf Abstand zu Romeo geht

Die Theatertruppe der Oberschule am Waller Ring ließ sich vom Lockdown nicht aufhalten und fand einen Weg, ihre Version von Romeo und Julia umzusetzen. Dafür gab es Platz 1 im Wettbewerb „#coronamachtkreativ“
08.02.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Anke Velten

Das Script stand, die Musik war komponiert, Kostüme entworfen, Bühnenbild und Plakate vorbereitet: Und dann kam der Lockdown. An eine große Premiere wie in den Vorjahren war nicht mehr zu denken. Die Theatertruppe der Oberschule am Waller Ring ließ sich davon nicht aufhalten. Die Jugendlichen machten daraus: „Mit Abstand das Beste“. Dafür, für die schauspielerischen Leistungen und für die Originalität und künstlerische Qualität des Projekts, wurde das Ensemble belohnt. Unter rund 40 Bewerbungen aus ganz Deutschland wählte die Jury des Wettbewerbs „#coronamachtkreativ“ den Waller Beitrag zum Bundessieger. Vom Preisgeld in Höhe von 3000 Euro können auch die Talente kommender Jahrgänge zehren: Sie sollen in die technische Ausstattung des Projektes investiert werden.

Julia ist verknallt in so einen Typen. Der heißt Romeo oder so, und ist voll cute. Und dann ist etwas total Dämliches passiert: Wer Shakespeare kennt, weiß natürlich, welches Stück sich das Schultheater „On Stage“ diesmal vorgenommen und für die Gegenwart in seinen Worten aufbereitet hatte. Die Liebesbeziehung gegen alle gesellschaftlichen Widerstände bleibt auch mehr als 400 Jahre nach der Uraufführung Thema, und auch Zitate aus der Vorlage wurden eingebaut. Mit einer Modenschau, einer Party-Szene und einem Messenger-Verlauf haben die jungen Theatermacher aber auch ihre eigene Lebenswelt im Stück verarbeitet.

Seit vier Jahren gehört das große Theaterprojekt zum Lehrplan der Waller Oberschule. Sämtliche Schülerinnen und Schüler des jeweiligen neunten Jahrgangs wirken auf die eine oder andere Weise auf und hinter der Bühne mit. In jedem Jahr holt sich die Schule professionelle Verstärkung von Opus Einhundert aus dem Theater im Volkshaus. Doch diesmal hatten Alexander Hauer und Linda Baumert mit völlig anderen Bedingungen zu kämpfen. Im Frühjahr 2020 beendete der Lockdown die wöchentliche Probearbeit. Da war das Projekt bereits so weit fortgeschritten, dass alle Beteiligten sich darauf verständigten: „Wir wollten auf keinen Fall aufhören“, erzählt Regisseur Hauer. Er versteht die Auszeichnung auch als Belohnung für die Art und Weise, wie seine Truppe mit den Hindernissen umging, die sich ihr in den Weg stellten. „Wir haben nicht geschaut, was alles nicht mehr geht, sondern Wege gefunden, die gehen. Es ist ein Mutmacher-Projekt“, sagt er.

Statt mit der großen Besetzung von mehr als 100 Jugendlichen wurde das Projekt mit einem Kern von einem guten Dutzend Akteurinnen und Akteuren weitergeführt – inhaltlich und praktisch unter Corona-Bedingungen. Die Pandemie wurde in das Stück hineingeschrieben, geprobt wurde unter allen erforderlichen Abstands- und Hygienevorkehrungen. Zudem beschleunigte das Virus eine Idee, die der Regisseur bereits seit Jahren mit sich trug: Er engagierte Filmemacher Ralf Schreier, der die Aufführung mit seiner Kamera aufnahm. „Mit Abstand das Beste aus Romeo und Julia“ lautet der Titel des rund zwanzigminütigen Films inklusive Szenen aus dem „Making of“. Zu sehen ist er auf https://youtu.be/RWP-ZOcyil4.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hatte im vergangenen Sommer die bundesweiten Jugendmigrationsdienste (JMD) aufgerufen, kreative Projekte in Zeiten der Pandemie zu dokumentieren. Coach Silvia Walter vom JMD
Bremen-Stadt lobte die Waller „Eigenproduktion in Echtzeit“. Sie habe gezeigt, dass trotz der Pandemie etwas Großes entste-
hen könne, bei dem alle Beteiligten an Selbstbewusstsein, sozialen Kompetenzen und kreativen Fähigkeiten gewönnen, so die
Mitarbeiterin der Awo Bremen. Die Waller Inszenierung wurde gefördert von der SWB Bildungsinitiative und der Sparkasse Bremen.

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