Die Allmende feiert ihren Geburtstag und schaut dabei in eine ungewisse Zukunft Seit fünf Jahren eine Hilfe für Bedürftige

Osterfeuerberg. Hoffnung in vielerlei Hinsicht gibt die Allmende. Zum einen versorgt sie Bedürftige mit Möbeln und Hausrat, des Weiteren gibt sie Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt keine Chance mehr haben, einen Arbeitsplatz und damit auch einen Sinn im Leben und neue Zuversicht. Bereits seit fünf Jahren holen die Mitarbeiter der Allmende nicht mehr gebrauchte, aber durchaus noch zumutbare Möbel von ihren Besitzern ab und lassen sie kostenlos bedürftigen Menschen zukommen. Das fünfjährige Bestehen feierten die Mitarbeiter, Vorstände, Unterstützer und Freunde jetzt am Allmende-Sitz in der Holsteiner Straße 80.
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Von Liane Janz

Osterfeuerberg. Hoffnung in vielerlei Hinsicht gibt die Allmende. Zum einen versorgt sie Bedürftige mit Möbeln und Hausrat, des Weiteren gibt sie Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt keine Chance mehr haben, einen Arbeitsplatz und damit auch einen Sinn im Leben und neue Zuversicht. Bereits seit fünf Jahren holen die Mitarbeiter der Allmende nicht mehr gebrauchte, aber durchaus noch zumutbare Möbel von ihren Besitzern ab und lassen sie kostenlos bedürftigen Menschen zukommen. Das fünfjährige Bestehen feierten die Mitarbeiter, Vorstände, Unterstützer und Freunde jetzt am Allmende-Sitz in der Holsteiner Straße 80.

'Seit Hartz IV eingeführt und die Leistungen der Sozialhilfe weitgehend gestrichen wurden, kann sich kaum jemand, der ALG II empfängt, neue Möbel leisten. Daraus ist die Idee der Allmende entstanden', sagt Thomas Tscheu, Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft Projob. Gerade einmal 27,41 Euro stehen Hartz-IV-Empfängern im Monat für neue Möbel zur Verfügung. 'Wenn Sie mal schauen, was beispielsweise ein Sofa kostet, wissen Sie, wie lange ein Hartz-IV-Empfänger dafür sparen muss', so Tscheu.

Die Allmende ist ein Projekt der Projob, die wiederum eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des Vereins für Innere Mission ist. Deshalb trat nicht nur Tscheu mit einer Gratulationsrede vor die Anwesenden, auch Pastor Uwe Mletzko war gekommen, um den Helfern seinen Dank und der Allmende seinen Segen auszusprechen.

18 Injobber arbeiten bei Allmende

Derzeit arbeiten bei der Allmende 18 ehemalige langzeitarbeitslose Männer in so genannten Integrationsjobs (Injobs), dazu zwei Anleiter, eine Pädagogin und zwei Fahrer. Einer davon ist Harald Barzen, der von Beginn an bei der Allmende dabei ist. Er und sein Kollege legten mit ihren Möbeltouren allein in diesem Jahr rund 20000 Kilometer zurück. 'Dabei sind wir in der ganzen Stadt unterwegs, waren schon in jedem Stadtteil', sagt er. Wenn jemand ein gut erhaltenes Möbelstück abzugeben hat, kann er die Allmende anrufen. Dann kommen Mitarbeiter vorbei, schauen sich das Möbelstück an und fotografieren es. Beim nächsten Besuch nehmen sie das Stück wenn nötig auseinander, nummerieren die Teile und transportieren alles ab - entweder ins Allmende-Möbellager oder direkt zu seinem nächsten Besitzer nach Hause.

'Die Möbel, die wir abholen und weiter vermitteln, dürfen nicht zu groß und müssen noch nutzbar sein. Fünf Meter lange Schrankwände oder feuchte Matratzen nehmen wir nicht mit', sagt Thomas Tscheu. Das liegt zum einen daran, dass Bedürftige meist kleine Wohnungen haben, in die so große Schränke schlicht nicht hinein passen. Darüber hinaus muss die Allmende für jedes Möbelstück, das sie entsorgen lassen muss, bezahlen. 'Und das können wir uns einfach nicht leisten', so Tscheu.

Die Prozedur, sich die Möbelstücke vorher anzuschauen und zu fotografieren entwickelten die Mitarbeiter aus ihren Erfahrungen heraus. 'Früher haben wir einfach rote Punkte auf die Möbelstücke geklebt, die wir abholen sollten. Als wir wiederkamen klebten die Punkte auf ganz anderen, nicht mehr brauchbaren Stücken', erzählt Anleiter Jürgen Mades den Gästen. Weitere Fortschritte sind die Computerarbeit, die Räumlichkeiten und auch das Auto als wichtigstes Arbeitsmittel. Ihr erstes Jahr war die Allmende im alten Lutherhaus in der Gröpelinger Heerstraße untergebracht. Acht Injobber haben die Möbel im Auto mit dem Hänger abgeholt. Die Empfänger lebten ausschließlich im Bremer Westen. Im zweiten Jahr wurde die Allmende an die Projob übergeben. Später konnte sie einen Kleintransporter leasen, zog in die größeren Räumlichkeiten nach Osterfeuerberg und hat inzwischen eine Werkstatt im Keller, in der kleinere Schäden an den gespendeten Möbeln behoben werden können. Heute erledigen die Fahrer

ihre Touren mit einem großen Möbelwagen.

Der Begriff 'Allmende' bezeichnete ursprünglich die Bürgerweide um 1100. Bedürftige hatten dort die Möglichkeit, kostenlos Lebensmittel anzupflanzen und ihr Vieh weiden zu lassen. 'Aber im Gegensatz zur Bürgerweide sind wir immer noch kostenlos', so Mades.

Alles in allem hat sich in den vergangenen fünf Jahren mit der Allmende ein Netzwerk entwickelt, das in seiner Form etwas Besonderes ist. 'Wenn hier Strukturen abgebaut werden müssen, wird es die so schnell nicht wieder geben', sagt Kai Hausen vom Verbund arbeitsmarktpolitischer Dienstleister in Bremen (Vadib). Anlass zu dieser Sorge sind aktuelle Sparbeschlüsse der Bundesregierung. Sollten diese durchgesetzt werden, würde in Bremen mindestens die Hälfte der derzeit insgesamt 3700 öffentlich geförderten Arbeitsplätze abgebaut werden. Das könnte auch für einige der 18 Allmende-Injobber das Aus bedeuten. Jürgen Mades und seine Kollegen gehen also in eine ungewisse Zukunft.

Wer Möbelstücke abholen lassen möchte, kann sich unter Telefon 611845 an die Allmende wenden. Pro Abholungen werden zehn Euro Fahrtkosten fällig. Die Allmende nimmt die Möbel als Spenden entgegen, sie kauft sie nicht ab. Elektrogeräte werden nicht übernommen. Wer auf Möbelstücke der Allmende angewiesen ist, kann ins Lager, Holsteiner Straße 80, fahren und sich dort Stücke aussuchen. Die Bedürftigkeit muss nachgewiesen werden. Die Lieferung der Möbelstücke kostet zehn Euro Benzinpauschale bei Fahrten in den Bremer Westen, 15 Euro in alle anderen Stadtteile. Das Allmende-Möbellager ist von Montag bis Donnerstag von 9 bis 11 Uhr geöffnet. Hausrat gibt es Dienstag und Donnerstag von 9 bis 11 Uhr.

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