Gelände von Rickmers Reismühle gekauft

Specht-Gruppe übernimmt großes Grundstück auf der Bremer Überseeinsel

Die Specht-Gruppe ist für den Bau und Betrieb von Senioren- und Gesundheitsimmobilien zuständig. Mit dem Kauf des Areals hat nun das letzte große Grundstück auf der Überseeinsel einen neuen Eigentümer.
01.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Nina Willborn und Maren Beneke
Specht-Gruppe übernimmt großes Grundstück auf der Bremer Überseeinsel

Auf dem Firmengelände von Rickmers Reismühle arbeiten derzeit noch mehr als 100 Angestellte. Sie sollen mittelfristig umziehen.

Christina Kuhaupt

Das letzte große Grundstück mit direktem Weserzugang auf der Überseeinsel hat den Eigentümer gewechselt. Der Käufer Rolf Specht, geschäftsführender Gesellschafter der gleichnamigen Unternehmensgruppe, bringt es auf den Punkt, wenn er sagt, dass sich das Gebiet von einem Gewerbe- in ein Wohngebiet wandelt. Denn mit Rickmers Reismühle, das Unternehmen, von dem Specht sein Gelände gekauft hat, verlässt die letzte größere produzierende Firma die Landzunge.

Wie viel die Specht-Gruppe, die vor allem für den Bau und Betrieb von Senioren- und Gesundheitsimmobilien bekannt ist, für das 3,2 Hektar große Areal bezahlt, darüber haben beide Unternehmen Stillschweigen vereinbart. Auch, was genau auf dem Gelände passieren wird, steht noch nicht fest: Darüber verhandelt der Firmenchef derzeit mit der Stadt. Bisher ist dort ausschließlich gewerbliche Nutzung erlaubt, Specht will aber, wie seine beiden Nachbarn Kurt Zech und Klaus Meier, Baurecht erwirken. „Diese Fläche gehört zu den schönsten an der Weser“, sagt Rolf Specht.

Mehr als 100 Jahre Tradition

Derzeit stellt die 1899 gegründete Rickmers Reismühle auf dem Gelände noch Reisprodukte her. Das Wasser der Weser braucht das Unternehmen allerdings seit 2006 nicht mehr für die Produktion. Der Reis, den die Mühle als ganze Körner, Mehl oder Flocken an den europäischen Großhandel und die Lebensmittelindustrie liefert, wird nicht mehr per Schiff, sondern per Container mit dem Zug oder in Lkw angeliefert.

Auch die Verwaltung hat derzeit noch ihren Sitz auf der Überseeinsel, insgesamt mehr als 100 Mitarbeiter sind dort tätig. Produktion und Verwaltung sollen, so der Plan, innerhalb Bremens einen neuen Standort finden, an der die Firma weiter wachsen kann – das betrifft laut Unternehmen vor allem den Geschäftszweig der sogenannten Convenience-Produkte, die die Reismühle an internationale Kunden liefert. Doch noch sind die Verhandlungen über den neuen Standort nicht abgeschlossen, voraussichtlich bleibt die Reismühle aber im Bremer Westen. Specht-Gruppe und Reismühle haben eine mehrjährige Übergangsfrist vereinbart, ein Umzug in diesem oder dem kommenden Jahr schließt das Unternehmen aus.

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Foto: Grafik Weser Kurier

„Wir sind froh, mit der Specht-Gruppe einen sehr guten Vertragspartner für die Zukunft des Areals gefunden zu haben“, sagt Rickmers-Reismühlen-Geschäftsführer Ulrich Mittmann. Der Verkauf des Geländes sei ein wichtiger Schritt. Dennoch fällt es dem Firmenlenker persönlich nicht leicht, „einen der schönsten Arbeitsplätze der Stadt“ zu verlassen. „Dass wir uns aus Bremen nicht wegbewegen wollen, sind wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und der Geschichte des Unternehmens schuldig“, sagt Mittmann weiter. Heiner Heseler, Geschäftsführer der Initiative Stadtbremische Häfen (ISH), spricht von einer „guten Lösung für Rickmers Reismühle“. Er verweist aber auch darauf, dass auf der gegenüberliegenden Seite, am Europahafen, die Berthold Vollers GmbH als größeres Gewerbeunternehmen weiterhin ihren Sitz hat. Der Logistiker Vollers schlägt in den Schuppen Tausende Tonnen Tee pro Jahr um.

Mit dem Reismühlen-Gelände hat nun das dritte große Wesergrundstück einen neuen Besitzer: 2018 hatte WPD-Gründer Klaus Meier das frühere Kellogg-Gelände gekauft. Dort rollen die Bagger bereits, auf 15 Hektar entsteht eine Mischung aus Wohnen und Arbeiten. Ein Jahr später folgte die Übernahme des benachbarten 2,5 Hektar großen Grundstücks von Reimer Logistics durch den Unternehmer Kurt Zech. Auch er plant mit einem Mix von verschiedenen Nutzungen. Mit dem Eigentümerwechsel des Reismühlen-Areals ist das Potenzial an der Weserseite nahezu ausgeschöpft.

Landzunge soll behutsam entwickelt werden

Alle drei Unternehmer müssen sich für ihre Pläne mit der Stadt abstimmen, da diese für das Baurecht sorgt. Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne) freut sich über den nächsten Schritt auf der Überseeinsel. „Jetzt gilt es, diese Landzunge gemeinsam mit dem Investor behutsam zu entwickeln“, sagt sie. „Was jetzt kommt, wird die Entwicklung eines Bebauungsplans sein, der dem Standort gerecht wird.“ Gerade das Ende der Insel sei geprägt von viel Natur, aber auch Bestandsgebäuden, die laut Schaefer „womöglich erhaltenswert“ sind.

Ähnlich wie Schaefer äußert sich am Freitag auch Wirtschaftsstaatsrat Sven Wiebe. „Besonders begrüßen wir die Entscheidung der Rickmers Reismühle, am Standort festzuhalten.“ Die Freigabe des Areals sei ein Gewinn für die Stadtentwicklung, die Fläche an der Weser biete Raum für Wohnen, Arbeiten und Bildung. Auch Andreas Heyer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Wirtschaftsförderung Bremen, freut sich über den weiteren „Impuls für die Entwicklung des Projekts Überseeinsel“: „Dort entsteht mit hohem Engagement der verschiedenen Akteure ein zukunftsfähiges Quartier mit Vorbildcharakter.“

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