Bremens längstes Gebäude feiert 100. Geburtstag / Zwei Sonderausstellungen öffnen am Sonnabend Speicher XI: Aus zwei mach eins

Er misst 400 Meter – ungefähr so lang wie die Obernstraße – und damit ist der Speicher XI in der Überseestadt Bremens längstes Gebäude. In diesem Jahr feiert der rote Backsteinbau mit 16 Segmenten à vier Stockwerken und jeweils 450 Quadratmetern Fläche seinen 100. Geburtstag. Das wird mit zwei Sonderausstellungen gefeiert, die am 26. Mai zur Langen Nacht der Museen eröffnet werden.
21.05.2012, 05:00
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Von Anne Gerling

Er misst 400 Meter – ungefähr so lang wie die Obernstraße – und damit ist der Speicher XI in der Überseestadt Bremens längstes Gebäude. In diesem Jahr feiert der rote Backsteinbau mit 16 Segmenten à vier Stockwerken und jeweils 450 Quadratmetern Fläche seinen 100. Geburtstag. Das wird mit zwei Sonderausstellungen gefeiert, die am 26. Mai zur Langen Nacht der Museen eröffnet werden.

Überseestadt. Viel weiß man heute nicht mehr über den Mann, der Bremens längstes Gebäude seinerzeit entworfen hat. Nicht einmal der Vorname des Architekten Nause von der bremischen Bauinspektion ist in der Bauakte überliefert. Aber er hat ganze Arbeit geleistet. Denn auch nach der Vereinigung der beiden Speicher XI und XIII wirkt die Fassade des Gesamtensembles alles andere als monoton. Und das verdankt sie Nauses raffinierter architektonischer Gliederung.

Ganz richtig: Vereinigung. Ursprünglich hatte Nause zwei separate Bodenspeicher konstruiert, die von der Konstruktion, dem Grundriss und dem Aufriss nahezu identisch waren. Die Gebäude waren jeweils zur Landseite hinter den zugehörigen Kajeschuppen gebaut und 1911/1912 in Betrieb genommen worden.

Rascher Wiederbau

Den Zweiten Weltkrieg überstanden beide Speicher ohne große Schäden: Fünf der sieben Abteilungen von Speicher XI waren am 5. Mai 1945 bis auf unwesentlichen Bruch an Dächern, Fenstern und Transportluken erhalten geblieben. Nur Abteilung 7 war bis zur Rampenoberkante völlig zerstört, und Abteilung 6 hatte eine Schadensstelle im Fahrstuhlturm. In Speicher XIII waren die Abteilungen 2 und 3 bis auf die Grundmauern zerstört. Die anderen nur gering beschädigt.

Die von der US-Militärregierung für die stadtbremischen Häfen eingesetzte "Bremen Civil Port Authority" gab am 14. November 1945 dem Hafenbauamt die Order, die Speicher XI und XIII zur künftigen Einlagerung von amerikanischen Nachschubgütern instand zu setzen. Flott begannen die Reparatur und der Wiederaufbau der beschädigten und zerstörten Abteilungen. Dabei wurde zwischen 1947 und 1949 die Lücke zwischen den beiden Speichern durch ein verbindendes Betriebsgebäude mit Büros, Aufenthalts-, Abstell- und Sanitärräumen sowie einer Trafostation geschlossen. Dort hatte ursprünglich ein eingeschossiges Küpergebäude gestanden.

Von nun an wurde der Gesamtbau als Speicher XI geführt. Die Nummerierung der Abteilungen im ehemaligen Speicher XIII lief bis 16 durch. Das neue Betriebsgebäude erhielt die Segmentnummer 8. Auch die Kajeschuppen 11 und 13 sind beim Wiederaufbau verbunden worden. Bis heute bleibt unklar, weshalb der neue Schuppen nicht analog zu Speicher XI Schuppen 11 genannt wurde, sondern die 13 abbekam.

Ab den 1950er-Jahren florierte der Überseehafen. Im Speicher XI wurden Baumwolle, Kaffee und andere Güter gelagert. Doch ab den 1980er-Jahren sanken am Überseehafen die Umsätze. Seither fristete auch Speicher XI eher ein Schattendasein.

Die Folge: Im Jahr 1991 führte ein Gutachten über den baulichen Zustand des Überseehafens zur sofortigen Schließung. 1998 wurde das Hafenbecken mit 3,5 Millionen Kubikmetern Sand verfüllt. Als letzte der Umschlags- und Lagereinrichtungen des zugeschütteten Überseehafens steht Speicher XI aus "hafengeschichtlichen Gründen" seit 1994 als Industriedenkmal unter Denkmalschutz. 2001 kaufte die Firma Dr. Hübotter Wohnungsbau den Speicher und sanierte ihn bis 2003.

Diese Entscheidung gilt bis heute als Meilenstein in der Entstehungsgeschichte der Überseestadt. Die Hälfte der ehemaligen 30000 Quadratmeter Lagerflächen wurde zur Hochschule für Künste (HfK) umgebaut, die übrige Hälfte zum Kulturforum und zu Dienstleistungsbüros: Zum Wintersemester 2003/2004 zogen mit der Hochschule für Künste die ersten neuen Nutzer ins Gebäude ein. Anfang 2004 folgten die Mieter der vorderen Segmente, und am 28. Februar 2004 feierte schließlich das Hafenmuseum Speicher XI Eröffnung.

2010 wurde das Architekturbüro Schomers und Schürmann für die "denkmalgerechte und vorbildliche Gesamtplanung zur Sanierung und Revitalisierung von Speicher XI" mit dem Bremer Denkmalpflegepreis ausgezeichnet. Landeskonservator Georg Skalecki hob in seiner Laudatio hervor, dass die "Revitalisierung" des Hafenspeichers für alle späteren Maßnahmen in der Überseestadt vorbildhaft gewesen sei.

Den 100. Geburtstag von Speicher XI feiern Hafenmuseum und Infocenter Überseestadt mit zwei zusammenhängenden Ausstellungen. Sie werden in der Langen Nacht der Museen am Sonnabend, 26. Mai, um 18 Uhr eröffnen. "100 Jahre auf 400 Metern" heißt es im Außenbereich des Speichers. Und im Infocenter Überseestadt wird im Auftrag der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH ein Modell des Speichers im Maßstab 1:100 gezeigt. Neugierige können die Schubladen des Modells öffnen und mehr über die Nutzung des Speichers und seine "Bewohner" erfahren.

Weitere Informationen gibt es unter www.hafenmuseum-speicherelf.de und auch www.ueberseestadt.de.

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