Nach 15 Jahren

Speicherbühne verlässt die Überseestadt

Wo die Speicherbühne war, übernimmt nun die Bremer Hochschule für Künste. Betreiberin Astrid Müller und ihren Kollegen Marc Pira zieht es nach 15 Jahren weiter.
21.12.2019, 06:43
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Von Chantal Moll
Speicherbühne verlässt die Überseestadt

Marc Pira und Astrid Müller in den leeren Räumen der Speicherbühne.

Roland Scheitz

Die Speicherbühne verabschiedet sich zum Jahresende von ihren derzeitigen Räumen im Speicher der Überseestadt. Nach 15 Jahren entschieden sich Betreiberin Astrid Müller und ihr Kollege Marc Pira, ihr Konzept umzustellen, und nennen sich nun „Speicherbühne mobil“. Den Verein gründeten sie im Jahr 2003, noch bevor sie die Räume der Überseestadt bezogen. Im Speicher waren sie neben Produktion auch Veranstaltungsort für Gastspieler, Parties und Proberaum für Musikgruppen. Die Hochschule für Künste Bremen (HFK) übernimmt die abgegebenen Räume.

Weiter geht es als Speicherbühne mobil

„Wir wollen zum Kern des Geschäfts zurück“, berichtet Betreiber Marc Pira. Deshalb nennen sie ihren Verein nun „Speicherbühne ­mobil“, ein Konzept, das ab sofort keinen ­Veranstaltungsort mehr bietet, sondern auf welchen angewiesen ist. Das Problem sei ­allerdings, dass mit der Speicherbühne ein weiterer Veranstaltungsort in Bremen wegfalle und es nicht viele davon für freie Künstler gebe.

Der Verein selber habe die Entwicklung in der Überseestadt miterlebt und -gestaltet, am Anfang sei hier nichts gewesen. „Jetzt denken immer alle, wir sind mit der ,Speicherbühne mobil’ mit dem Bauwagen unterwegs, obwohl das nicht der Plan ist, aber wer weiß, was noch kommt“, sagt Müller. Die beiden Verantwortlichen des Vereins spielten seit zwei Jahren mit dem Gedanken, die Räumlichkeiten im Speicher aufzugeben. Vor rund einem Jahr beschlossen sie es und fingen in diesem Sommer an, auszuräumen. Am vergangenen Donnerstag war die offizielle Übergabe.

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„Wir sind einfach müde. Wenn die Förderung immer auf wackeligen Beinen steht, ist es anstrengend, den Laden aufrecht zu halten“, sagt Müller. Vor allem sei es anstrengend gewesen, den Ort für Parties freizugeben, um sich die Miete zu sichern. Müller betont dabei, dass die Miete nie zu hoch gewesen sei und die Parties auch schön waren, aber es jetzt an der Zeit sei, das aufzugeben. „Wir wollen wieder in die Produktion“, sagt Betreiber Pira. Außerdem könne man mit weniger auch gut weitermachen, Wachstum sei erstmal nicht angesagt, und das sei auch gut so. Das Ziel sei es, wieder rauszugehen, ran an die Leute, die eigentlich nicht ins Theater gehen. „Wir gehen zurück, weil wir schon immer draußen produziert haben“, sagt Müller. Deshalb musste der Verein sein Equipment halbieren, da die Lagerfläche ab sofort wegfällt und eine neue auch nicht umsonst sei. Der Verein freue sich, dass nun wieder Kraft für etwas neues frei werde. Die alten Kostüme seien auch schön gewesen, aber jetzt könne die neue Produktion frisch starten.

Neues Theaterprojekt schon in Planung

Neues steht schon auf dem Programm: Die Verantwortlichen der „Speicherbühne mobil“ planen mit dem Zentrum für Migranten und interkulturelle Studien (ZIS) ein Theaterprojekt. Dafür arbeiten sie mit sechs deutschen und türkischen Seniorinnen zusammen. Sie beschäftigen sich mit dem Drama „Unwürdige Greisin“ von Bertholt Brecht aus dem Jahr 1939. Dabei widmen sie sich der Rolle der Frau damals und heute in den unterschiedlichen Kulturen. „Im April soll dann die Premiere auf zwei Sprachen sein, Türkisch und Deutsch“, berichtet Müller. Die Proben beginnen im ­Januar.

Ein weiteres Projekt steht noch am Anfang der Planung. In Walle wollen Müller und Pira ein Café Utopia erstellen und sich die Frage stellen: Warum brüllt Deutschland? Es soll ein Diskussionstreff entstehen, aus dem die beiden Künstler eine Produktion schaffen sollen. Ziel sei es auch, mit den neuen Produktionen direkt in die Stadtteile zu gehen – wie nach Walle. „Wir waren schon immer ein politisches Theater, und das bleibt auch so“, sagt Müller. Doch nach dem Auszug aus der Überseestadt ist jetzt erstmal Pause angesagt. „Zum Glück kommt jetzt Weihnachten, das sorgt erstmal für eine natürliche Pause“, sagt Müller. Denn danach solle es direkt weiter gehen.

Die frei gewordenen Räume übernimmt nun die HFK. „Wenn etwas frei wird, sind wir natürlich interessiert und nutzen das auch“, sagt Roland Lambrette. Die Räume werde die Hochschule für den Fachbereich Musik nutzen, vor allem größere Ensembles könnten den Platz zum Proben gebrauchen. Bisher mietet die Hochschule die Segmente 8 bis 16, im vergangenen Jahr bekam sie einen Teil des Segments sieben dazu. Das bietet der Lehrstätte die Möglichkeit, in dem Erdgeschoss ein Schaufenster zu errichten und auf dem öffentlichen Platz besser gesehen zu werden. Nun solle auch eine weitere Ebene in dem Segment der ehemaligen Räume der Speicherbühne frei werden, die die HFK auch nutzen wolle, wenn die Möglichkeit bestehe. „Wir bedauern, dass wir die Speicherbühne als Nachbarn verlieren“, sagt der Rektor der HFK.

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