Ein Wochenmarkt für die Überseestadt

Premiere mit Herbstprinz

Bis der Supermarkt in die Überseestadt kommt, wollte man nicht warten. Auf dem Großmarktgelände hat nun ein Wochenmarkt eröffnet, der freitags Obst, Gemüse, Backwaren sowie Fisch- und Fleischwaren anbietet.
19.11.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten
Premiere mit Herbstprinz

Fünf Wochen dauerte es von dem Entschluss bis zum ersten Markttag auf dem Großmarktgelände in der Überseestadt.

Christina Kuhaupt

Nun hat die Überseestadt ihren eigenen Wochenmarkt. Er ist noch ziemlich klein, doch er könnte größer werden, wenn es den Leuten gefällt. Die Premiere in der vergangenen Woche war schon einmal vielversprechend. Viele Nachbarn hatten nur darauf gewartet. Sie kamen, sahen, und freuten sich sichtlich, und auch für die Marktleute war es kein Tag wie jeder andere. Künftig soll das Großmarktgelände auf der Winterhafen-Seite an jedem Freitagnachmittag von 15 bis 19 Uhr zu ihrem Freiluft-Nahversorgungszentrum werden. Und wenn irgendwann wieder Normalität einkehrt, könnte sich hier ein richtiger Dorfplatz entwickeln.

„Ich find’s super“, schwärmte zum Beispiel Gina Rische, während sie am Stand der Sozialen Manufakturen stöberte. Unter der Woche habe sie kaum Gelegenheit, einen der Märkte in der Umgebung zu besuchen: „Ich arbeite bis 16 Uhr. Der Nachmittagstermin ist für mich perfekt“, erklärte die junge Frau, die seit eineinhalb Jahren in der Überseestadt lebt. „Meine Meinung: Es ist wunderbar, ich bin ganz begeistert“, lobte Sophie Meentzen, die das Sortiment aus Kerzen und Konfitüren, Süßem und Salsas betreute. „Ich wohne auch um die Ecke, und hier gibt es sonst ja gar nichts.“

Supermarkt eröffnet erst im Frühjahr

Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) und Großmarkt-Chef Hans Peter Schneider fanden, dass sich das endlich schnellstens ändern müsse. „Bis der Supermarkt in der Greenyard-Halle eröffnet, wird es noch bis zum kommenden Frühjahr dauern“, wusste die Senatorin. Beim gemeinsamen Kaffeetrinken habe man sich „tief in die Augen geblickt“, so Vogt, und beschlossen, dass man so lange nicht mehr warten sollte. „Auf diesen Termin habe ich mich wahnsinnig gefreut“, erklärte Vogt in ihrer Eröffnungsrede – zumal sie in ihrem beruflichen Alltag zurzeit ansonsten wenig Grund zur Freude habe.

Die Wochenmärkte dagegen können nicht klagen. „Vor allem jetzt während der Corona-Pandemie sind die Märkte für viele Bremerinnen und Bremer besonders attraktiv“, erklärte M3B-Geschäftsführer Schneider, in dessen Zuständigkeit nun auch Wochenmarkt Nummer 38 gehört. „Sie bieten eine gute Einkaufsalternative und auch ein besonderes Einkaufserlebnis: Erledigungen an der frischen Luft machen, kein Kontakt zu Ladentüren, Warenkörben oder Einkaufswagen, frische Produkte aus der Region, die direkt vom Feld kommen und auf den Verkaufsstand landen – wo gibt’s das sonst?“ Beim Blick in die Runde entdeckte er „viele tolle Händler“. Und was dem regelmäßigen Marktbesucher und Hobbykoch besonders gefiel: „Man sieht hier sofort, dass ein Markt zu viel mehr da ist als zum Einkaufen. Hier entsteht Nachbarschaft und Geselligkeit.“

Gerade einmal fünf Wochen waren zwischen dem besagten tiefen Augenblick und der Marktpremiere am 13. November vergangen. In der Zwischenzeit musste ein gutes Dutzend Marktbeschicker gewonnen werden, die in der Überseestadt anbieten, was die Kundschaft auf einem Wochenmarkt erwarten kann – Obst und Gemüse, Backwaren, Gewürze, Blumen und Pflanzen, Oliven und Salate, Fleisch und Wurst. Käse- und Fischstand sollen noch dazu kommen, während auf gastronomische Angebote notgedrungen noch eine Weile verzichtet werden muss. Trotz der kurzen Planungszeit und des ungewöhnlichen Nachmittagstermins erwies sich die Organisation als leichter als gedacht, berichtete Torsten Haar. „Das Interesse war groß”, berichtete der Leiter des Bereichs Geschäftsentwicklung bei M3B. Das konnte Jörg Niepel bestätigen, der in der Überseestadt mit seiner Steinofenbäckerei vertreten ist. „Ich musste nicht lange überredet werden, ich habe sofort ja gesagt”, so der Markthändler aus Rotenburg (Wümme). Schließlich habe er selbst schon seit Jahren immer wieder angeregt, einen Wochenmarkt auf dem Großmarktgelände einzurichten. „Aber dass das so einschlägt – das ist schon schön.”

„Entweder gern oder gar nicht“

Heike Köpcke bietet mit ihrer Familie unter anderem den Finkenwerder Herbstprinz und die Köstliche von Charneux in rustikalen Holzkisten feil. Mit ihrem Angebot an Obst, Fruchtsäften und Konfitüren aus dem Alten Land hatten die Köpckes am Vormittag auf dem Domshof gestanden, und würden es am frühen Sonnabend wieder tun. Eine sehr kurze Nacht also, von der auch die eineinhalbstündigen Fahrten zwischen Stade und Bremen abgezogen werden wollen. „Aber schon meine Großmutter sagte immer: Entweder gerne oder gar nicht”, sagte die Obsthändlerin gut gelaunt. „Ich wollte schon immer gerne in die Überseestadt. Die Stimmung ist hier so besonders, so viele haben sich auf uns gefreut!” Viel Fröhlichkeit hatten auch Manuela von Halle, Petra Willmes und Silke Krebs im Sortiment – und dazu außergewöhnliche Blumen und Herbstpflanzen. Die drei Freundinnen aus Bremen haben sich erst vor wenigen Wochen als „Blumenfeen” selbstständig gemacht, und befahren mit ihrem mobilen Blumenladen mittlerweile fünf Märkte an sechs Tagen der Woche. „Das war schon immer mein Traum”, erklärte von Halle, die zuvor jahrelang als Floristin in Schwachhausen angestellt war.

Auch für den Waller Beirat war dieser Freitag, der 13. ein Glückstag. Nicht erst seit einigen Wochen, sondern bereits seit vielen Jahren setze sich die Stadtteilpolitik für ein größeres Angebot in der Überseestadt ein, stellte Thorsten Jahn (SPD) klar, der für den Waller Fachausschuss Überseestadt, Wirtschaft und Arbeit das Mikrofon ergriffen hatte. „Und darum freuen wir alle uns heute sehr.“

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