Erster Klimatag an Waller Oberschule

Unterricht der besonderen Art

Mülltrennung, politische Teilhabe, Klimawandel, Ernährung, Mobilität und Energie: Mit diesen Aspekten haben sich beim ersten Klimatag die Schüler der Oberschule an der Helgolander Straße beschäftigt.
19.02.2020, 23:59
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Unterricht der besonderen Art
Von Anne Gerling

Walle. Was ist besser – Mülltrennung oder Müllvermeidung? Unter anderem darüber haben beim ersten Klimatag am Dienstag in der Oberschule an der Helgolander Straße die Schülerinnen und Schüler der fünften Klassen diskutiert. Das Beste ist natürlich, erst gar keinen Müll zu produzieren. Das geht auch in der Schule – zum Beispiel, indem das Pausenbrot in einer Brotdose mitgebracht wird, anstatt es in Papier oder Alufolie einzupacken.

Unter dem Motto „Klima@Helgo – du kannst es ändern!“ haben sich alle Jahrgänge einen Tag lang mit verschiedenen Aspekten rund ums Klima beschäftigt. Der stellvertretende Schulleiter Michael Rohdenburg und seine Mitorganisatoren hatten als Kooperationspartner die Bremer Stadtreinigung, Fridays for Future, das Alfred-Wegener-Institut (Awi), Cambio, das Universum und die SWB gewonnen. Deren Vertreter sprachen mit den Schülern über korrekte Mülltrennung, den Sinn von Klimademos, Erderwärmung und Klimawandel, regionale Lebensmittel, alternative Pkw-Antriebstechniken oder erneuerbare Energien.

Und das kam an. „Wir haben gar nicht gemerkt, dass das Unterricht ist. Es war toll – wir hätten aber gerne mehr Zeit gehabt“, meinen etwa Aylin und Nesrin aus dem zehnten Jahrgang, nachdem sie an einer von der SWB betreuten Station Experimente zur Stromerzeugung mit Wind, Sonne und Wasser gemacht hatten.

Höchste Konzentrationsstufe herrscht auch im neunten Jahrgang, wo die Jugendlichen in Teams eine Stadt-Rallye vorbereiten. „Wir haben verschiedene Ziele vorgegeben und die Schüler sollen herausfinden, wie sie mit Bus und Bahn am schnellsten dorthin gelangen“, erklärt dazu Lehrerin Solveigh Jahn: „Am Donnerstag fahren sie die Strecken ab und kommen dann mit Fotos zurück. Wer am schnellsten ist, gewinnt.“ Draußen auf dem Schulhof erklärt währenddessen Mercedes-Benz-Mitarbeiter Jan Wildemann einer anderen Neuntklässler-Gruppe, wie eigentlich ein Elektro-Motor funktioniert und welche anderen alternativen Antriebsarten es gibt. Die Lehrerinnen Jennifer Weber und Miriam Wilkening haben ein Spiel entwickelt, um den Siebtklässlern den Treibhauseffekt zu veranschaulichen: Gelbe Bälle fliegen von der Sonne auf die Atmosphäre und werden dort von den Schülern gegen rote Bälle ausgetauscht, die nun in Richtung Erde geworfen werden: Dort wird es mit jedem neuen roten Ball sichtlich heißer und heißer. Einen Raum weiter starren etwa 20 Augenpaare gebannt auf jeweils zwei Wassergläser, die die beiden polaren Eiskappen symbolisieren. In einem davon – die Arktis – schwimmt ein Eiswürfel. Das zweite Glas steht für die Antarktis, hier liegt der Eiswürfel auf einer Art Podest, dem Festland. Als das Eis zu schmelzen beginnt, steigt in diesem Glas der Wasserpegel. Genau so geschehe es am Südpol, sagt Lehrerin Carolin Riechmann: „Aber was hat das überhaupt mit uns zu tun? Was interessiert es mich hier oben, wenn da unten das Eis schmilzt?“ Der zwölfjährige Sefer weiß die Antwort: „Der Meeresspiegel ist überall gleich, er steigt also auch hier. Denn die Meere sind miteinander verbunden.“ Sefer und Sultan sind sich nach der Unterrichtseinheit einig: „Es macht richtig Spaß, so viel über das Klima zu erfahren.“ Worte, die Klimawissenschaftlerin Renate Treffeisen, die das Awi-Klimabüro für Polargebiete und Meeresspiegelanstieg leitet, freuen dürften. Sie hat den Mädchen und Jungen an diesem Tag den Unterschied zwischen Meereis und Festlandeis erklärt. „Es ist mir eine Herzenssache, dass unsere Mitmenschen diesen Planeten und die Schöpfung erhalten“, begründet sie, weshalb sie die Einladung der Waller Schule, beim Klimatag mit dabei zu sein, sehr gerne angenommen hat.

Auch Angela Husmann vom Abfall-Beratungsteam der Bremer Stadtreinigung ist der Einladung der Schule gerne gefolgt. Früher habe sie als Busfahrerin Schülergruppen zu einem Umweltzentrum gefahren, erzählt sie: „Da habe ich dann immer gehört, wie sich die Kinder hinterher unterhalten haben und meinten: Das muss ich unbedingt Mama erzählen! Das war richtig toll.“ Beim Klimatag sortiert Husmann mit den Fünftklässlern Müll – gar nicht so einfach, was in den Gelben Sack, in die Tonnen für Biomüll und Restmüll oder auf den Sperrmüll gehört, finden die Kinder. Alles Übungssache, weiß Husmann aber aus Erfahrung: „Ich vertraue darauf, dass da was hängen bleibt. Die Kinder machen toll und sehr diszipliniert mit. Sie sind sehr interessiert und freuen sich, wenn sie es richtig machen!“

Nach dieser gelungenen Premiere ist Michael Rohdenburg umso überzeugter: Der Klimatag soll zu einer festen Einrichtung an der Schule werden und künftig jedes Jahr stattfinden, sodass sich die Schüler während ihrer Schulzeit mit den verschiedenen Aspekten zum Thema Klima beschäftigen. Die Idee zu der Veranstaltung sei eher spontan entstanden, erzählt SWB-Projektmanager Felix Mahn, der mit den Schülern beim Klimatag das Thema Energieversorgung behandelt hat: „Wir hatten über mögliche Schulkooperationen gesprochen. Dabei erzählten einige Kollegen von der Klimawoche und so entstand die Idee, einen echten Klimatag ins Leben zu rufen, der sich nicht nur mit Mikroplastik oder Müll beschäftigt.“ Isabell Müller aus der Bildungsbehörde hatte daraufhin eine schulinterne Fortbildung für die Lehrer organisiert.

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