Ortsamtsleiter Mester blickt auf 2011 in Walle zurück: Es geht voran in der Stadtteilpolitik - wenn auch langsam "Viel bewegt und manches angeschoben"

An der Vegesacker Straße wurde nach mehr als zwei Jahren der Grundstein für ein neues Schulgebäude gelegt, über den ehemaligen BSV-Platz gleich nebenan wird jetzt am Runden Tisch verhandelt, der "Monster-Schredder" ist passé, und in der Überseestadt geht es weiterhin stetig voran: "Viel bewegt und manches angeschoben", kommentiert Ortsamtleiter Hans-Peter Mester die Arbeit des Waller Beirats in 2011.
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Von Anne Gerling

An der Vegesacker Straße wurde nach mehr als zwei Jahren der Grundstein für ein neues Schulgebäude gelegt, über den ehemaligen BSV-Platz gleich nebenan wird jetzt am Runden Tisch verhandelt, der "Monster-Schredder" ist passé, und in der Überseestadt geht es weiterhin stetig voran: "Viel bewegt und manches angeschoben", kommentiert Ortsamtleiter Hans-Peter Mester die Arbeit des Waller Beirats in 2011.

Walle. "Ein Walle ist gleich zehn Jahre", heißt es im Waller Beirat gern mit einem Augenzwinkern in Anspielung darauf, dass die Mühlen in der Ortspolitik eben langsam mahlen. Diesen "Schnack" bestätigt jetzt auch die Walle-Jahresbilanz aus dem Ortsamt: Darin finden sich etliche Themen wieder, die auch schon im Vorjahr die Tagesordnungen der Beiratssitzungen bestimmt hatten. Guckt man allerdings genauer hin, so zeigt sich: Hier und da hat sich auch etwas bewegt - und zwar nicht nur im Beirat selbst, wo die Neuwahlen im Mai für eine Mandatsverschiebung sorgten: SPD, CDU und Die Linke hielten ihre Mandate, während die GRÜNEN sich von drei auf fünf verstärkten. FDP und DVU sind nicht mehr im Beirat vertreten. Beiratssprecher wurde erneut Gerd-Rüdiger Kück - zum achten Mal!

In Bewegung ist zum Beispiel die Situation im Ortsteil Osterfeuerberg, der auch dieses Jahr zu den Arbeitsschwerpunkten der Kommunalpolitiker zählte. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei dem vierspurigen Osterfeuerberger Ring, der den Ortsteil in zwei Hälften zerschneidet, die nicht miteinander korrespondieren. Das könnte sich aber ändern: Bei der geplanten Fortsetzung der Kanalsanierung vom Waller Bahnhof aus in Richtung Kreisel bietet sich nämlich jetzt tatsächlich die Möglichkeit, die Straße schlanker zu machen und Osterfeuerberg dadurch stärker zusammenwachsen zu lassen. "Erste Überlegungen dazu werden jetzt präzisiert", sagt Ortsamtsleiter Hans-Peter Mester. Und was die Anrainer zusätzlich freuen dürfte: Das Planrecht soll so geändert werden, dass sich dort zukünftig auch kein Gewerbe mehr ansiedeln kann.

Impulse für Dithmarscher Freiheit

Auch auf sozialer Ebene hat Osterfeuerberg den Beirat beschäftigt: 2009 war das Gebiet Dithmarscher Freiheit zum Stadtteil mit besonderem Entwicklungsbedarf erklärt worden. Seitdem wurde dort mit dem zweijährigen Förderprogramm "Wohnen in Nachbarschaften" (WiN) für stabilisierende Impulse gesorgt. "Das erwies sich als hilf- und erfolgreich", bilanziert nun Mester, der es als gutes Zeichen wertet, dass die WiN-Laufzeit nicht verlängert werden konnte. Denn: "Eine Verlängerung war nicht verhandelbar, weil die dafür notwendigen Defizitkriterien im strukturellen Bereich - anders als vor zwei Jahren - erfreulicherweise nicht mehr nachgewiesen werden konnten."

Nördlich vom Ortsteil Osterfeuerberg sorgte in diesem Jahr die an der Mülldeponie geplante Ansiedlung einer Steinbrechanlage - der "Monster-Schredder" - für reichlich Schlagzeilen. Seit Oktober 2010 hatten die Ortspolitiker gegen die Anlage gekämpft, die dann in diesem Jahr mit Unterstützung der Bremischen Bürgerschaft tatsächlich verhindert werden konnte. Dem Naherholungsgebiet Waller Feldmarksee bleibt damit eine erhebliche Lärmbelastung erspart.

Zusätzlicher Lärm steht den Wallern aber voraussichtlich an anderer Stelle durch die Zunahme des Bahn-Güterverkehrs ins Haus. Allein bis zum Jahr 2015 sollen es 30 Prozent mehr sein und 280 Güterzüge täglich über Bremens Gleise rollen, davon 150 in der Nacht. Das bringt Stress für diejenigen mit sich, die entlang der 130 Kilometer langen Bahnstrecke im Land Bremen leben. Gemeinsam mit elf anderen Bremer Stadtteilbeiräten macht sich der Stadtteilbeirat Walle deshalb seit April im Regionalausschuss "Bahnlärm" dafür stark, Lärmbelastungen für die Anwohner einzugrenzen.

Einen großen Schritt nach vorne gab es dieses Jahr nach mehr als zwei Jahren des Wartens auch in Sachen "Förderzentrum Vegesacker Straße": Im Mai 2009 war die Schule wegen baulicher Mängel geschlossen worden; in diesem August endlich wurde nach intensiver Planungsphase der Grundstein für einen Ergänzungsbau gelegt. Mit Nachdruck hat der Beirat außerdem auch in diesem Jahr wieder die Versorgung der unter dreijährigen Kinder angemahnt. Die bisherige Berechnungsgrundlage, in die auch pädagogische Spielkreise einbezogen werden, sieht er kritisch und fordert schon jetzt die Schaffung weiterer Krippenplätze.

Leider wenig erfreulich hat sich aus Sicht des Ortsamtes das Thema "Niederdeutsches Theater" entwickelt. Seit vielen Jahren ein Sorgenkind der Waller Ortspolitik, rückte dieser über die Stadtteilgrenzen hinaus wahrgenommene Kulturstandort in 2011 wieder in die Tagesordnung der Beiratsarbeit: Das Waldau-Theater steckte finanziell in der Klemme. In mehreren Gesprächsrunden wurde ausgelotet, welche Unterstützung für das traditionsreiche Haus organisiert werden könnte - ohne Erfolg: "Im Ergebnis war schließlich festzustellen, dass die weitere Entwicklung dieses Unternehmens mit den Möglichkeiten eines Beirates nicht mehr beeinflussbar ist", bedauert Mester.

Neuland bei Flächenerhalt betreten

Neuland hat der Beirat bei den Überlegungen zur weiteren Nutzung des ehemaligen BSV-Sportplatzes an der Dedesdorfer Straße betreten. Seit 2010 kämpft die Bürgerinitiative "Waller Mitte" für den Erhalt als Freifläche. Dieses Jahr nun wurde ein Runder Tisch ins Leben gerufen, an dem sich unter externer Moderation alle beteiligten Akteure auf die Suche nach Gemeinsamkeiten und Kompromissen begeben haben. Mit Bürgerinitiative, Beirat und Behörden wird unter Federführung des Senators für Umwelt, Bau und Verkehr ein komplex angelegtes, modellhaftes Beteiligungsmodell entwickelt, das am Ende zu einem von allen Beteiligten mitgetragenen Ergebnis führen soll. "Eine erste Etappe konnte mit der Einigung über ein Zwischennutzungskonzept bewältigt werden", freut sich Mester.

Im kommenden Jahr ist das 2002 gestartete "Sanierungsgebiet Waller Heerstraße" zehn Jahre alt. In diesem Jahr sind im Rahmen des Langzeitprojektes mit der Fertigstellung der Baustelle am Wartburgplatz sichtbare Zeichen gesetzt worden. Und am Waller Bahnhof werden nach der Kanalsanierung nun auch Bushaltestellen, Rad- und Fußwege umgestaltet. Den Sanierungs-Schlusspunkt sollen nächstes Jahr letzte Maßnahmen im sogenannten Bereich 7 bilden: "Zwischen Fernsehturm und Walle-Center, begrenzt von Waller Heerstraße und Bahndamm, sollen mit den verfügbaren Restmitteln Akzente gesetzt werden, die der Erhöhung der Lebensqualität in diesem Quartier dienen", sagt Hans-Peter Mester. Beirat und Stadtplaner hatten sich Anfang Oktober bei einer Ortsbegehung mit Anwohnern einen Eindruck von deren Wünschen und Bedürfnissen verschafft.

In der Überseestadt geht es voran - davon kündeten 2011 mehrere Architekturwettbewerbe und eine Vielzahl von Baugenehmigungsverfahren. Entsprechend wird demnächst beim Landmark-Tower und am Europahafen, der seit Juni auch endlich eine Marina hat, ambitionierte Architektur das Stadtbild komplettieren. Und nach langer Vorlaufphase ist auch das zwölf Hektar große Siedlungsgebiet Hafenkante am Wendebecken in das Stadium der Realisierung aufgerückt. Großen Klärungsbedarf allerdings gibt es im Gesamtareal Überseepark aktuell noch in Sachen Skatepark, und zwar konkret darüber, von wem die Anlage später unterhalten und gepflegt werden soll.

Auch im Jahr 2012 werde es eine Fülle von Aufgaben und Herausforderungen geben, denen sich der Waller Beirat zu stellen habe, so Mester. "Dabei zeichnet sich ab, dass dem Aspekt Bürgerbeteiligung eine zunehmend stärkere Bedeutung zukommen wird", ist er überzeugt.

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