Ideen für den Stadtteil

Offenerer Eingang für Waller Mitte

In Walle hapert es an einigen Stellen, was auch den Stadtteilvertretern bewusst ist. Der Fachausschuss Quartiers- und Stadtteilentwicklung präsentierte jetzt einige Verbesserungsvorschläge.
27.09.2020, 17:54
Lesedauer: 4 Min
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Von Anke Velten
Offenerer Eingang für Waller Mitte

Das Areal auf dem Bahndamm zwischen Kastanienstraße, Kohlenstraße sowie den Tunneln an der Hemmstraße und Münchener Straße soll beplant werden – und das auf jeden Fall unter Beteiligung der Bevölkerung.

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Walle. Die Waller Mitte soll eine Eingangssituation erhalten, die offener, sichtbarer und sicherer gestaltet wird, als es bislang der Fall ist. Es ist nicht genau das, was sich die Antragsteller im März dieses Jahres gewünscht hatten – soll aber immerhin als praktikable Zwischenlösung dienen, die die zuständigen Stellen zügig umsetzen können und sollen. Im Rahmen der Sitzung des Waller Fachausschusses für „Quartiers- und Stadtteilentwicklung“ wurde vorgestellt, worüber Sprecher Karsten Seidel mit dem Amt für Straßen und Verkehr verhandelt hat.

Konkret sieht das Konzept vor, dass auf beiden Seiten der Vegesacker Straße eine Öffnung von rund zweieinhalb bis drei Metern geschaffen wird, auf der Parken künftig nicht mehr möglich ist. Die Öffnung wird auf beiden Seiten von Fahrradständern begrenzt. Außerdem wurde die Behörde aufgefordert, auf beiden Straßenseiten das Verkehrsschild „Spielende Kinder“ zu installieren. Die Maßnahmen sollen eine sicherere und komfortablere Querung vor allem für Kinder, Jugendliche und mobilitätseingeschränkte Menschen gewährleisten. Zudem würden davon auch die Mitarbeiter des Umweltbetriebs profitieren, die mit ihren Fahrzeugen bislang umständlich über den Fußweg rangieren müssen, erklärte Seidel.

Ein Kreis von Aktiven um den Verein Torhaus 2 und die Bürgerinitiative Waller Mitte hatte vor einigen Tagen mit einem Aktionstag an der Vegesacker Straße an den Bürgerantrag erinnert, den der Beirat vor einem halben Jahr beschlossen hatte – der Stadtteilkurier berichtete. Aktuell sei der Eingangsbereich fast durchgängig von parkenden Autos blockiert: Ein Sicherheitsrisiko für Fußgänger und Radfahrer, die sich durch die parkenden Autos schlängeln müssen, mahnen die Antragsteller. Sie stellen sich vor, für einen barrierefreien Zugang die Vegesacker Straße auf Höhe des Fuß- und Radwegs aufzupflastern und gegebenenfalls ein taktiles Leitsystem einzurichten. Die jetzigen Parkplätze vor dem Durchgangsweg könnten mit sogenannten „Parklets“ einladend umfunktioniert werden: Unter diesem Begriff haben sich Stadtmöbel auf ehemaligen Parkplatzflächen bereits in vielen anderen Großstädten etabliert, erklärte Mitunterzeichnerin Sonja Gerling. Das neue Konzept soll den Bürgerantrag nicht ersetzen, betonte Seidel: Es soll vielmehr eine temporäre Lösung schaffen, bis die Bauarbeiten für das Torhaus 1 an der Vegesacker Straße und die damit verbundenen Belastungen abgeschlossen seien – und das kann noch dauern. Laut Seidels Informationen werde sich der Baubeginn „stark“ verzögern.

Geduld zählt zu den Schlüsselkompetenzen der Langstreckendisziplin im Waller Beirat. Der Fachausschuss „Quartiers- und Stadtteilentwicklung“ wurde vor zwei Jahren speziell gegründet, um sich Projekte vorzunehmen, deren Planung und Umsetzung Legislaturperioden überschreiten kann.

Wie Ende März bekannt wurde, steht ein solches Vorhaben auf dem Grundstück bevor, das von Kastanienstraße, Kohlenstraße und den Tunneln an der Hemmstraße und Münchener Straße begrenzt wird. Das etwa 400 Meter lange und zwischen 25 und 80 Meter breite Areal auf dem Bahndamm wurde vor einigen Monaten von der Deutschen Bahn an den Investor Frank Ebner verkauft – und er wünscht, dass lokale Vorstellungen und Interessen in die Planung des Neubaugebiets einfließen. Vor wenigen Tagen habe der erste Workshop der dafür speziell gebildeten „Planungszelle“ stattgefunden und einige Eckpunkte der Entwicklung herausgearbeitet, berichtete Seidel.

Für Walle von besonderer Bedeutung sei die gewerbliche Nutzung, um Betriebe mit Flächenbedarf im Stadtteil zu halten. Schon jetzt sei seitens ansässiger Unternehmen Interesse angemeldet worden. Wichtig sei, dass bei der künftigen Nutzung die Stadtteile auf beiden Seiten des Bahndamms nicht belastet würden. „Auf keinen Fall“ wünsche man daher kommerzielle Ansiedlungen, die viel Verkehr mit sich bringen würden. Grundsätzlich könne sich die Arbeitsgruppe auf dem Gelände auch Wohnen in einem kleinen Rahmen vorstellen. Bislang befinde sich das Projekt noch in einer frühen Phase, betonte Seidel – und die „außergewöhnliche Situation“, dass der Investor den Beteiligungsprozess angestoßen habe, gewährleiste, dass „nicht hinter verschlossenen Türen gemauschelt wird“.

„Walle Central“ ist ein Vorhaben, das den Stadtteil voraussichtlich ebenfalls noch lange begleiten wird. Unter diesem Begriff wird das Gebiet zwischen Waller Heerstraße, Nordstraße, Waller Ring und Hansestraße verstanden – plus dem Heimatviertel im Waller Wied. Bei bislang zwei Workshops konnten Bürgerinnen und Bürger ihre Vorstellungen davon einbringen, welche Veränderungen ihr Quartier in Zukunft wirtschaftlich und sozial voranbringen könnten.

Dabei sei immer wieder der Wunsch nach mehr freien Plätzen mit Aufenthaltsqualität geäußert worden, so Seidel. Neben der Entwicklung bestehender Plätze – dem „riesigen ungenutzten Potenzial“ am Wartburgplatz oder dem als Parkplatz „vergeudeten“ kleinen Bodelschwinghplatz – stehe auch eine ungewöhnliche Idee im Raum, so Seidel: Der Teilbereich der Elisabethstraße zwischen Vegesacker- und Bremerhavener Straße könnte zum autofreien „Elisabethplatz“ umgewidmet werden. Was die Anwohner davon halten, und ob man im Rahmen einer temporären Sperrung einen Testversuch starten könnte: Das soll ein Workshop „Plätze in Walle“ ergeben, den Seidel nach einem Beschluss des Ausschusses für den Winter 2020/2021 planen wird.

Wie intensiv und kreativ sich die Waller mit der zukünftigen Entwicklung ihres Stadtteils beschäftigen: Das wird auch in den senatorischen Behörden wahrgenommen. Vonseiten der Stadtplanung sei vorgeschlagen worden, dass sich Walle für das Bundesprogramm „Post-Corona-Stadt“ bewerben solle, berichtete Seidel. Die „Nationale Stadtentwicklungspolitik“, eine Gemeinschaftsinitiative von Bund, Ländern und Kommunen, sucht innovative Ideen zur Resilienzsteigerung und Stärkung der Stadt- und Quartiersstrukturen. Die Initiative will an zehn bis 15 ausgewählte Pilotprojekte Fördermittel in Höhe von insgesamt 3,5 Millionen Euro verteilen.

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