Energiesanierung öffentlicher Gebäude

Mehr Herzblut für den Klimaschutz

Wenn Fotovoltaikanlagen unter bestimmten Bedingungen Pflicht werden sollen, dann möge die Stadt Bremen möglichst bei ihren eigenen Gebäuden damit anfangen, fordert der Waller Bauausschuss.
16.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten

Die Bremer Bürgerschaft hat sich vorgenommen, Bremen und Bremerhaven in sogenannte Solar Cities zu verwandeln. Anfang Juni forderten die Regierungskoalitionen den Senat auf, die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen. Geplant ist die verpflichtende Installation von Fotovoltaikanlagen bei Neubauten und bei der Sanierung von Bestandsgebäuden, sofern dies technisch machbar und wirtschaftlich zumutbar ist. Und nun sollte die Stadt bitteschön möglichst sofort bei sich selbst anfangen, fordert der Waller Bauausschuss. Prüfungen haben bereits ergeben, wie viel potenzielle Energie in öffentlichen Gebäuden steckt. Wenn es nach den Wallern geht, könnten noch in diesem Jahr die ersten Schuldächer im Stadtteil Strom aus Sonnenstrahlen produzieren.

Der Beirat Walle stellte sich einstimmig hinter die Beschlussvorlage der Grünenfraktion, die sich an die Verantwortlichen von Immobilien Bremen (IB) richtet. Im Antrag heißt es, dass die energetische Sanierung und der Einstieg in die Produktion von Strom durch Fotovoltaik nun dringend und „zügig geboten“ sei. Als geeignet betrachtet der Beirat beispielsweise die Dächer der Europaschule Schulzentrum Utbremen, der Oberschulen Helgolander Straße und Waller Ring, sowie der Schulzentren Grenzstraße und Rübekamp. Die Waller Stadtteilpolitiker berufen sich dabei auf das „Klimaschutz-Teilkonzept“, das bereits seit 2018 vorliegt.

Immobilien Bremen, zuständig für mehr als 2000 städtische Gebäude, hatte externe Gutachter eingeschaltet, um Gebäude und Haustechnik der stadteigenen Liegenschaften nach energetischen Kriterien zu analysieren. Ergebnis der Begehungen von rund 800 Gebäuden: hohe Einsparpotenziale durch energetische Sanierungen, sowie eine enorme Reduktion von CO2-Ausstoß und Betriebskosten durch die Installation von Fotovoltaikanlagen.

Für die Stadtteile Walle und Findorff hatte das Klimaschutz-Teilkonzept ergeben, dass 33 von 47 der untersuchten städtischen Bestandsgebäude grundsätzlich für die Installation von Fotovoltaikanlagen geeignet seien, erklärte Annika Bruck, die in der IB-Abteilung Strategie und Steuerung für Klimaschutzvorhaben und Energiesparprojekte zuständig ist. Die Anlagen könnten theoretisch insgesamt 2,2 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren – rund zwei Drittel mehr, als sie selbst verbrauchen. So sei etwa das Dach der Allgemeinen Berufsschule Steffensweg mit seinen 500 Quadratmetern sehr gut geeignet für eine Fotovoltaikanlage.

Die IB-Mitarbeiterin relativierte: Ein noch zu lösendes praktisches Problem bei den Schulen sei die Speicherung des produzierten Stroms. Die Anlagen produzieren Strom, auch wenn die Schulen an den Wochenenden und während der Ferienwochen kaum Bedarf haben. Zudem fehle bei der Betrachtung bislang noch die statische Begutachtung der Dächer.

Anlass für den Vorstoß des Waller Beirats war ein offener Brief, den Aktive aus dem Umkreis des Vereins „Klimazone Findorff“ sowie des BUND Bremen an die Bremer Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau, den Finanzsenator sowie an die drei Beiräte des Bremer Westens gerichtet hatten. „Wir haben das Gefühl, dass das Thema Fotovoltaik auf öffentlichen Dächern noch nicht mit genug Herzblut und Systematik behandelt wird“, erklärte Sven Punke den Ausschussmitgliedern. Status quo sei, dass in Bremen nur ein Prozent des Stroms über Solarenergie gewonnen werde, berichtete Klaus Prietzel aus dem Vorstand des BUND Bremen. Möglich wäre ein Vielfaches, so Prietzel. „Es geht auch darum, erneuerbare Energien konkurrenzfähiger zu machen. Die öffentlichen Gebäude können dabei eine Vorbildfunktion haben.“

Es sei sehr zu begrüßen, dass die öffentliche Hand nun bereit sei, selbst Geld in die Hand zu nehmen, so Punke. Angesichts der angespannten Haushaltslage sollten aber auch Investitionen Dritter in die Planung einbezogen werden. „Die Förderung der erneuerbaren Energien ist weiten Teilen der Bevölkerung ein wichtiges Anliegen, und die Bereitschaft ist groß, sich an entsprechenden Projekten finanziell zu beteiligen“, berichtete der Findorffer Architekt, der auch Mitgründer und Vorstand der „Bürger Energie Bremen“ ist. Die Genossenschaft mit aktuell rund 200 Mitgliedern betreibt mehrere Solaranlagen in und um Bremen.

Beim Thema Klimaschutz „müssen wir an die Menschen ran“, betonte Ausschussmitglied Alexander Becker (Linke). Er regte an, mit Informationsveranstaltungen im Stadtteil das Bewusstsein für die Dringlichkeit des Themas zu stärken. Einen Kooperationspartner haben die Waller dabei in Stefan Wittig, der im Hause der Umweltsenatorin dafür zuständig ist, ressortübergreifend die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen zu befördern und zu begleiten. Wittig belegte die Symptome des Klimawandels mit statistischen Daten: die über Jahre beobachtete Zunahme von Hitzetagen und Tropennächten, die steigende Gefahr von Überflutungen durch den Anstieg des Meeresspiegels. „Wir müssen uns auf die Veränderungen vorbereiten“, so der städtische „Klimaanpassungsmanager“. Dabei sei „jeder Baum, der gepflanzt, und jeder Vorgarten, der entsiegelt wird, ein wichtiger Baustein.“

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