Pflanzen-Diebstahl Auf dem Friedhof wird geklaut

Beim Besuch am Grab ihrer Mutter auf dem Waller Friedhof machte eine Bremerin eine traurige Entdeckung: Aus der Pflanzschale, die sie erst kurz zuvor aufgestellt hatte, war eine Blume ausgegraben worden.
11.01.2021, 05:00
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Auf dem Friedhof wird geklaut
Von Anne Gerling

Wer macht bloß so etwas? Diese Frage beschäftigt Helga Reiche schon seit längerem. Jetzt hat sie sich an den WESER-
KURIER gewandt. Denn immer wieder musste sie in den vergangenen 17 Jahren feststellen, dass Blumenschalen vom Grab ihrer Mutter auf dem Waller Friedhof gestohlen wurden.

Bei dem halb-anonymen Urnengrab gibt es eigens eine für Grabschmuck vorgesehene Fläche. „Diese Grabstelle wird – wie andere auch – gut besucht und mit frischen Sträußen, Gestecken, Grabschmuck und anderem ausgestattet, ein erfreulicher Anblick in der gesamten Zeit seit Einrichtung“, sagt die Bremerin aus der östlichen Vorstadt.

Sie hat unter anderem schon Blumenschalen mit ihrem Namen beschriftet, um Diebe abzuschrecken: „Leider kein Hinderungsgrund, sie mitzunehmen. Nun stellte ich fest, dass aus der von mir zuletzt dort frisch bepflanzten abgestellten Schale die weiß blühende Christrose herausgenommen worden ist, ebenso war aus einer anderen Schale eine Pflanze herausgebuddelt worden.“ Reiches Geschichte ist kein Einzelfall, wie Jürgen Diekmeyer bestätigen kann, dessen Familie Im Freien Meer eine Friedhofsgärtnerei betreibt: „Das Thema ist so alt wie die Welt.“ Er habe selbst einst zwei ältere Damen angesprochen, die an einem frischen Grab Blumen und Blüten aus den Kränzen zupften – die beiden seien aber wenig einsichtig gewesen. Eine seiner Kundinnen wiederum habe einmal einen Blumenstrauß am Grab ihres Mannes arrangiert und kurz darauf von einer Parkbank aus beobachtet, wie eine Unbekannte den Strauß an sich nahm. Ihre Verfolgung ergab: Die Diebin fuhr per Straßenbahn und Bus zum Diako, um offenbar die Blumen bei einem Krankenbesuch zu verschenken. Sogar frisch aufgefüllte Pflanzerde sei schon geklaut worden, so Diekmeyer: „Wir sind auch schon zu Gräbern gekommen, da waren die Trittplatten weg.“

Und auch Diekmeyers Kollege Holger Winter von der gleichnamigen Friedhofsgärtnerei an der Waller Friedhofstraße hat oft mit dem Thema zu tun: „Die Schamgrenze ist weit gesunken. Manchmal fragt man sich, ob die Leute ihre Parzellen damit ausstatten. Wir haben wegen des Zünslers (ein Schädling, Anm. d. Red.) im vergangenen Jahr viele Buchsbaumkugeln gegen Eiben ausgetauscht. Viele davon waren kurze Zeit später wieder verschwunden.“

Helga Reiches Empörung über die Diebstähle kann auch Kerstin Doty, Sprecherin des Umweltbetrieb Bremen (UBB), der die städtischen Friedhöfe pflegt, gut nachvollziehen. „So etwas ist wirklich respektlos den Trauernden gegenüber“, sagt sie, „aber wir können es als Friedhofsverwaltung leider kaum verhindern.“ Dotys Empfehlung an alle, die ähnliches erleben: „Wem Pflanzen, Metallteile oder Grabschmuck gestohlen werden, der sollte dies auf jeden Fall bei der Polizei zur Anzeige bringen.“ Träten gehäuft Diebstähle und entsprechende Anzeigen auf, so könne dies dazu führen, dass das Friedhofsgelände bei der Polizei stärker in den Fokus rückt.

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