Waller Mitte

Waller hoffen auf schönen neuen Ort

Die Tage der Sportklause an der Vegesacker Straße sind gezählt. Voraussichtlich im August wird das kleine Holzgebäude abgerissen. Anschließend soll dort das Torhaus 1 gebaut werden.
18.07.2018, 16:55
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Waller hoffen auf schönen neuen Ort
Von Anne Gerling
Waller hoffen auf schönen neuen Ort

Der Entwurf für den vierstöckigen Neubau an der Vegesacker Straße kam schon bei der Präsentation vor knapp einem Jahr gut an.

kammler+partner

Walle. Seit einer gefühlten Ewigkeit scharren rund um den Dedesdorfer Platz verschiedenste Interessenten mit den Hufen, die gerne eines der vier Grundstücke rund um die beliebte Freifläche zwischen Steffensweg, Dedesdorfer Straße, Vegesacker Straße und Helgolander Straße bebauen wollen. Jetzt zeichnet sich ab, wer der erste Akteur bei der Bebauung des Platzes „Waller Mitte“ sein wird. Immobilien Bremen (IB) geht mit dem Martinsclub in Verhandlungsgespräche über das Projekt „Torhaus 1“ an der Vegesacker Straße – momentan steht auf dieser Fläche noch das alte BSV-Vereinsheim „Sportklause“.

Der Martinsclub will nach dem Abriss der Sportklause auf dem Grundstück ein rund 550 Quadratmeter großes viergeschossiges Gebäude errichten. Darin ist neben inklusiven Wohnmöglichkeiten für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung ein gemütlicher Veranstaltungsraum mit Gastronomie im Erdgeschoss als Anlaufpunkt für die Nachbarschaft und das Quartier geplant. Ganz wichtig: Das Gebäude soll im Zusammenspiel mit dem Platz und den Bedarfen der Anwohner entstehen. Einen ersten Entwurf hatte der Martinsclub im August 2017 dem Fachausschuss „Quartiersentwicklung“ des Waller Beirats präsentiert.

Darin waren neben der Gastronomie im Erdgeschoss ein Multifunktionsraum, ein Bühnenbereich und ein Seminarraum im Obergeschoss angedacht; diese Räume und auch einzelne Büros könnten später zum Beispiel an Gruppen und Akteure aus dem Stadtteil vermietet werden. Eine weitere Idee war, dass ins Obergeschoss ein Martinsclub-Stadtteil-Koordinator einziehen könnte, der sich von dort aus um Projekte im Bremer Westen wie zum Beispiel das „Blauhaus“ in der Überseestadt kümmern und gleichzeitig Ansprechpartner rund um den Platz sein könnte. Auch Wasseranschlüsse und WCs für den Außenbereich waren Bestandteile der Planung.

„Wir haben im Vorfeld viele Gespräche mit Nachbarn, der Bürgerinitiative und den Akteuren vor Ort geführt“, sagt Sebastian Jung, Mitglied der Geschäftsleitung des Martinsclub. Um die Nachbarschaft möglichst konkret in die Pläne einzubeziehen, hatte der Martinsclub im Vorfeld einen Workshop mit interessierten Anwohnern organisiert. Deren Ideen, wie etwa Spielmöglichkeiten für Kinder oder Public Viewing für Fußballspiele, sind in die Bewerbung für das Grundstück eingeflossen. Wann mit dem Bau begonnen werden kann, wird momentan mit Immobilien Bremen geklärt. Der Martinsclub plant, den Neubau 2020 abgeschlossen zu haben.

Erfreut hat der Waller Beiratssprecher Wolfgang Golinski (SPD) auf die Neuigkeiten reagiert: „Es hat ja schon eine Präsentation zu dem Projekt gegeben, die wir alle sehr überzeugend fanden“, sagt er. „Wir können uns das gut vorstellen – zumal der Martinsclub da ja nicht nur sein Ding machen will, sondern ein offenes Haus plant.“

„Die Bürgerinitiative freut sich sehr, dass der Martinsclub den Zuschlag bekommen hat“, sagt auch Anne Schweisfurth von der Bürgerinitiative Waller Mitte, die sich 2010 gegründet hatte, um die völlige Bebauung des Platzes zu verhindern und dem Stadtteil eine Freifläche zu sichern. Was Schweisfurth besonders positiv findet: „Es gab in den letzten zwei Jahren einen konstruktiven Austausch darüber, wie eine Zusammenarbeit und Verzahnung von Martinsclub, Stadtteil und Bürgerinitiative aussehen könnte, um einen kulturellen sozialen Gestaltungsraum zu schaffen.“

Der Waller Wirt Alex Becker, der die Sportklause im Jahr 2007 übernommen hatte, ist derzeit damit beschäftigt, das urige Lokal komplett auszuräumen. Angedacht ist, dass er im Konzert mit dem Martinsclub hier einen neuen kulturellen Treffpunkt entwickeln wird – „in welchem Vertragsverhältnis auch immer.“ Momentan laufen die Vorbereitungen für den Abriss des alten Erdbunkers auf dem Gelände. Becker vermutet, dass in diesem Zuge auch der alte Sportklausen-Holzständerbau voraussichtlich ab August abgerissen wird, sodass hoffentlich noch in diesem Jahr mit den Vorbereitungen für den Neubau begonnen werden kann. Dass die Stadt Geld in die Hand nimmt, um hier eine 6000 Quadratmeter große Freifläche für die Waller zu schaffen, ist in den Augen des Waller Gastronomen eine absolute Besonderheit. „Damit das wirklich funktioniert, braucht man gute Gebäude und Menschen, die ein Auge auf den Platz haben.“ Deshalb sei es ein Glücksfall, dass sich mit dem Martinsclub ein sozialer Träger gefunden habe, „der die Lust, das Potenzial und den langen Atem mitbringt, um hier gemeinsam mit den Menschen vor Ort ein Projekt zu entwickeln. Dem Ende der Sportklause sieht Becker mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. „Das alte Gebäude birgt zwar unglaublich viel Geschichte“, sagt er, „aber unter den Aspekten Wohnen, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit denke ich, dass es ein schöner Ort für die Erinnerung, aber nichts für die Zukunft ist.“

Die Stammgäste haben sich beim letzten WM-Deutschlandspiel gegen Südkorea von ihrer Sportklause verabschiedet. Das Ergebnis passte vermutlich zur Grundstimmung der meisten Gäste. Doch Alex Becker konnte sie an diesem Abend mit positiven Zukunftsaussichten trösten: „Ich erwarte und bin ganz sicher, dass wir hier einen wirklich schönen neuen Ort bekommen werden!“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+