Osterfeuerberger Ring Waller lehnen Straßenbahntrasse ab

Osterfeuerberg. Seit 2007 entwickeln engagierte Bürger Ideen, wie ihr Ortsteil lebenswerter gestaltet werden kann. Beim jüngsten Treffen haben sie sich mit zwei Vorschlägen zum Rückbau des Osterfeuerberger Rings befasst.
05.05.2013, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Anne Gerling und Ilka Riechers

Osterfeuerberg. Seit 2007 entwickeln engagierte Bürgerinnen und Bürger in der Zukunftswerkstatt Osterfeuerberg Ideen, wie ihr Ortsteil lebenswerter gestaltet werden kann. Beim jüngsten Treffen haben sie sich intensiv mit den beiden Vorschlägen zum Rückbau des Osterfeuerberger Rings befasst, die die Baubehörde kürzlich vorgestellt hatte. Am Ende der Beratung stehen nun mehrere neue Varianten.

"Erst die Häfen, dann die Stadt": Nach diesem Grundsatz von Bremens Nachkriegsbürgermeister Wilhelm Kaisen wurden einst vierspurige Straßen in Richtung Hafenquartier gebaut, die unter anderem das Osterfeuerbergviertel in zwei Teile zerschnitten haben. Die Häfen haben sich verlagert, die Verkehrsachsen aber sind geblieben.

Das Paradebeispiel ist der rund 40 Meter breite Osterfeuerberger Ring. Schon seit vielen Jahren wünschen sich die Anlieger in Osterfeuerberg, die Hauptverkehrsstraße so umzubauen, dass der Ortsteil wieder zusammenwächst und die Verkehrssituation sich entschärft. "Optisch ist der Osterfeuerberger Ring eine Katastrophe und auch verkehrstechnisch überdimensional. Auf jeden Fall muss er verkleinert werden", betonte Joseph Heseding vom Bündnis 90/Die Grünen aus Walle auch bei der jüngsten Zukunftswerkstatt in der Mensa der Grundschule am Pulverberg.

Ein erster Schritt in Richtung Verkehrsberuhigung wurde im Sommer 2010 gemacht: Seither darf auf dem jeweils rechten Fahrbahnstreifen geparkt werden. Doch diese Maßnahme konnte an der trennenden Wirkung der gewaltigen Schneise im Endeffekt nichts ändern. Da Hansewasser noch in diesem Jahr mit der Sanierung und Umgestaltung des Kanals unter dem Osterfeuerberger Ring beginnen will, könnte nun der Stein tatsächlich ins Rollen kommen.

Im März hatten Stadtplaner bei einer Einwohnerversammlung zwei verschiedene Entwürfe dazu vorgestellt, wie die Straße im Zuge dieser Baumaßnahme umgestaltet werden könnte (wir berichteten). Die beiden Varianten unterscheiden sich in der Breite des mittig angelegten Grünstreifens – einmal 13, einmal 17 Meter – sowie im Fahrbahnenverlauf und der Anordnung von Parkplätzen, Fahrrad- und Fußwegen. Bei beiden Varianten ist die Option enthalten, später eine Straßenbahntrasse in den Grünstreifen integrieren zu können.

"Diese Entwürfe nahmen zwar Aspekte der Vorschläge aus der Zukunftswerkstatt auf, hatten aber weiterhin den Kardinalfehler, dass die trennende Wirkung, die die Straße für den Ortsteil hat, nicht aufgehoben wurde", kommentiert Wolfgang Golinski (SPD), Beiratssprecher, Bauausschusssprecher und Mitinitiator der Zukunftswerkstatt Osterfeuerberg.

Seit 2007 entwickeln engagierte Bürger in diesem Forum Ideen und Visionen, um ihr Quartier attraktiver und lebenswerter zu machen. Drei Arbeitsgruppen haben sich dort nun unabhängig voneinander mit den Vorschlägen aus dem Bauressort beschäftigt. "Bei der Präsentation nach der Gruppenarbeit kam als Konsens aller drei Gruppen heraus, dass die Errichtung einer Straßenbahnverbindung von Findorff über Utbremer Ring, den Kreisel, den Osterfeuerberger Ring und den Waller Ring für so illusorisch gehalten wird, dass man stattdessen auch eine Schifffahrtsverbindung zwischen dem Torfkanal und der Weser planen könnte", fasst Golinski zusammen. "Alle drei Gruppen möchten die Straßenbahntrasse komplett streichen."

Einig seien sich alle außerdem darin, dass es deutlich mehr Überwege als bisher über die Straße geben und die Aufenthaltsqualität verbessert werden müsse. "Offiziell" kann der Osterfeuerberger Ring momentan in Höhe des Utbremer Kreisels sowie an der Holsteiner-, der Fiegen- und der Fleetstraße überquert werden.

Verschlechterung der Wohnqualität

Auf große Ablehnung stieß vor allem die 17-Meter-Variante. Sie sieht vor, auf der südlichen Seite die derzeitige Nebenfahrbahn zu einer Hauptfahrbahn umzugestalten. "Die Nebenfahrbahn führt direkt an den Häusern vorbei. Dadurch wird sich die Wohnqualität erheblich verschlechtern", kritisiert Golinski.

Nur bedingt positiv beurteilten einige andere Teilnehmer der Zukunftswerkstatt die 13-Meter-Variante: "Es fallen die Nebenfahrbahnen weg, aber dadurch wird die trennende Wirkung nicht aufgehoben."

Die Arbeitsgruppe von Wolfgang Golinski schlägt nun vor, beide Fahrstreifen auf die südliche Seite zu verlegen, denn dadurch könnten wesentlich mehr Überwege als bisher geschaffen werden. Und sollte sich die Straßenbahn nicht stoppen lassen, sollte es eine Kombination aus Fahrstreifen und Straßenbahntrasse geben. Die dadurch frei werdende Fläche auf der nördlichen Seite, insbesondere zwischen Kreisel und Holsteiner Straße, könnte dann als "Ort der Begegnung" genutzt werden, erklärt Golinski, etwa für einen Boule-Platz oder einen Kinderspielplatz. "Nur dadurch wird die trennende Wirkung aufgehoben", sagt Golinski. Der Nachteil dieser Variante sei jedoch, dass im Bereich zwischen Holsteiner Straße und Fleetstraße Grundstückszufahrten geschaffen werden müssten. "Und die Kreuzung Osterfeuerberger Ring/Holsteiner Straße muss wegen der erforderlichen Linksabbiegespuren neu konzipiert werden."

Eine andere Gruppe schlug vor, durch Sichtachsen und eine niveaugleiche, farbige Pflasterung mehr Überwege in die 17-Meter-Variante aus dem Bauressort einfließen zu lassen. Schleichwege könnten durch einen neuen Verkehrsplan eingedämmt werden. Zudem solle der erhebliche Parkdruck zwischen Holsteiner Straße und Hemmingstedter Schanze durch Anwohnerparken vermindert werden.

Am Ende dieses sechsten Forums stand keine Entscheidung für eine konkrete Variante. Die Zukunftswerkstattteilnehmer ermächtigten allerdings die Grünenpolitiker Jupp Heseding und Lutz Wendeler sowie Wolfgang Golinski (SPD), sich gegenüber den Behörden und Senatoren im Namen der Zukunftswerkstatt Osterfeuerberg zu äußern.

Über die Neugestaltung des Osterfeuerberger Rings wird am morgigen Montag, 6. Mai, ab 18 Uhr im Fachausschuss für Bau, Umwelt und Verkehr des Beirats Walle im Ortsamt, Waller Heerstraße 99, öffentlich beraten. Dazu sind Vertreter der Baubehörde, von Hansewasser und vom Amt für Straßen und Verkehr geladen. Weitere Themen sind die Entwicklungsagentur West und die Konzeption für das Radrennen.

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