Freilaufende Hunde

Waller Park: Hundebesitzer fühlen sich schikaniert

Hundebesitzer in Walle sind genervt: Sie haben den Eindruck, dass die Mitarbeiter des neuen Ordnungsdienstes besonders häufig im Waller Park unterwegs sind, um ihnen Ordnungswidrigkeiten nachzuweisen.
25.11.2018, 17:08
Lesedauer: 3 Min
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Waller Park: Hundebesitzer fühlen sich schikaniert
Von Anne Gerling
Waller Park: Hundebesitzer fühlen sich schikaniert

Nur mit Leine darf dieser Parson Russell Terrier in den Waller Park. Das wird nun offenbar scharf kontrolliert. Aber: im Stadtteil fehlen Auslaufflächen für Vierbeiner.

Roland Scheitz

Viele Hundebesitzer in Walle sind sauer. Grund dafür ist der neue Ordnungsdienst, dessen Mitarbeiter neuerdings in Bremens Stadtteilen unterwegs sind, um dort für mehr Sicherheit, Sauberkeit und Ordnung zu sorgen – und dabei nach Ansicht der Hundebesitzer nun besonders häufig im Waller Park ihre Runden drehen, um dort nach unerlaubt frei laufenden Vierbeinern Ausschau zu halten. Denn: Wer seinen Hund im Park von der Leine lässt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld in Höhe von 55 Euro geahndet werden kann.

„Der ganze Spaß ist vorbei. Jetzt hetzt uns nicht nur die Polizei, sondern auch der Ordnungsdienst. Und unsere Tiere werden krank, weil sie nicht mehr richtig rennen können“, schilderte am Donnerstagabend ein Hundehalter dem Waller Beirat. Was den Mann an der ganzen Sache besonders ärgert: „Man hat uns im Vorfeld keine Alternative gegeben. So kann man das nicht machen.“ Bis heute nämlich ist im Stadtteil keine offizielle Hundefreilauffläche eingerichtet worden, auf der sich Vierbeiner unangeleint nach Herzenslust austoben und mit Artgenossen spielen können. Dabei gab es bereits mehrere Anläufe; unter anderem hatte vor acht Jahren eine Wallerin angeregt, ein – mittlerweile bebautes – Areal an der Konsul-Smidt-Straße für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen. Vor zwei Jahren hatte außerdem der Waller Beirat vergeblich versucht, eine offizielle Hundebadestelle am Maschinenfleet einzurichten. Bislang gibt es in Bremen somit nur zwei städtische Flächen, auf denen Hunde ganz legal frei umhertollen können: hinter der Galopprennbahn am Carl-Goerdeler-Park in der Vahr und in den Neustadtswallanlagen neben dem Neustadtsbahnhof.

Im Waller Park ist es bislang zwar noch nicht dazu gekommen, dass tatsächlich eine Strafe eingetrieben wurde, war nun in der Beiratssitzung zu hören. Aber es seien wohl schon etliche Verwarnungen ausgesprochen worden. Irritiert sind manche Waller Tierhalter dabei darüber, dass es zwar noch gar nicht so viele Ordnungsamtsmitarbeiter gibt – diese Kräfte aber verhältnismäßig oft im Waller Park unterwegs sind, obwohl sie sich doch auch um viele andere Dinge kümmern könnten. Und auch dies stößt den Hundehaltern übel auf: Ihren Beobachtungen zufolge sind gelegentlich sogar Personen in ziviler Kleidung im Park unterwegs, um unbemerkt die Lage zu prüfen. Entdeckten sie dabei frei laufende Hunde, würde schnell das Handy gezückt: „Und zehn Minuten später ist dann das Ordnungsamt da.“

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Freilaufflächen fehlen

Inzwischen gehen offenbar viele Menschen aus der Nachbarschaft nur noch mit einem mulmigen Gefühl mit ihren Hunden Gassi im Waller Park und halten ihrerseits Ausschau nach den blauen Uniformen der Ordnungsamt-Mitarbeiter. Dabei habe es in der Vergangenheit eigentlich nie nennenswerte Probleme gegeben, betonten sie nun gegenüber den Waller Ortspolitikern. So sei der Umgangston zwischen Hundehaltern und Polizei über viele Jahre hinweg freundlich und respektvoll gewesen, schilderte nun eine Hundehalterin: „Wir sind immer verantwortungsvoll und rücksichtsvoll mit unseren Hunden unterwegs gewesen und haben sie selbstverständlich angeleint, wenn zum Beispiel Familien ein Picknick gemacht haben oder Kindergruppen aus der Kita im Park unterwegs waren. Außerdem haben wir auch immer die Hinterlassenschaften unserer Hunde eingesammelt.“

All dies scheint nun vorbei; die Waller Hundehalter fühlen sich verfolgt. Und dies umso mehr, nachdem manche von ihnen beobachtet haben, dass zwar regelmäßig Hundebesitzer von den Ordnungsamtsmitarbeitern zur Rede gestellt würden – dass aber Radfahrer, die zeitgleich ebenso unerlaubt durch den Park führen, schlichtweg nicht beachtet würden. In ihren Augen eine Ungerechtigkeit und reine Schikane.

Bei 12 500 registrierten Hunden in Bremen und einer jährlichen Hundesteuer von 150 Euro pro Tier komme pro Jahr eine Summe von 1,875 Millionen Euro zusammen, unterstrich ein Hundehalter. Dass diese Summe ausschließlich dafür eingesetzt werde, um Haushaltslöcher zu stopfen – und nicht den Tieren zugutekomme, etwa durch die Einrichtung von Freilaufflächen – sei seiner Ansicht nach nicht einsehbar.

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Tatsächlich wird auch in Walle durchaus über neue Hundefreilaufflächen nachgedacht: Die Waller Ortspolitiker hatten dem Bauressort schon vor einiger Zeit vorgeschlagen, eine Fläche am Hagenweg als Hundefreilauffläche auszuweisen. Die Angelegenheit wird aktuell in der Behörde geprüft. Zwei Bürger haben nun außerdem beantragt, für den Waller Park eine Ausnahmeregelung zu treffen beziehungsweise dort eine Freilauffläche einzurichten. Der Bauausschuss hat dieses Thema für seine nächste Sitzung auf der Tagesordnung. „Wir stehen dem Thema grundsätzlich positiv gegenüber. Man muss aber auch bedenken, wo man solch eine Fläche einrichtet“, sagt dazu Beiratssprecher Wolfgang Golinski (SPD). Schließlich sei der Waller Park nicht unbedingt besonders groß und für alle Waller da: „Und nicht alle Menschen sind dafür, dass man überall Hundefreilaufflächen schafft.“

Weitere Informationen

Am Montag, 3. Dezember, ab 18 Uhr will sich der Bauausschuss des Waller Beirats mit dem Thema Hundefreilaufflächen im Stadtteil beschäftigen. Die Sitzung ist öffentlich und findet im Ortsamt West im Walle-Center, Waller Heerstraße 99, statt.

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