Serie: Stadtspaziergang

Ein Hauch von Nordsee-Flair am Waller Sand

Mitten in Bremen gibt es schüne Ecken zum Ausspannen. In unserer Serie Stadtspaziergang stellen wir diesmal das Gebiet Waller Sand vor.
22.06.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Jörn Hildebrandt (Text) und Roland Scheitz (Fotos)
Ein Hauch von Nordsee-Flair am Waller Sand

Ein bisschen wie im Urlaub: Sandstrand und Sonnenschirme. Und das alles mitten im Bremer Westen.

Roland Scheitz

Eine der schönsten und vielfältigsten Blühflächen Bremens erwartet den Besucher des Strandparks „Waller Sand“, der im Jahre 2019 eröffnet wurde. Im Juni ist der Weg zum Molenturm ein Highlight, das kein Naturliebhaber versäumen sollte. Denn dort blühen derzeit Wilde Malve, Gelbe Resede, Natternkopf und vieles mehr in riesigen Beständen und locken unzählige Hummeln und Bienen an.

Die Umgestaltung des Wendebeckens am Ende der Überseestadt diente vor allem dem Hochwasserschutz, doch unter Beteiligung von Beiräten und Anwohnern entstand ein Strandpark mit ausgedehntem Sandstrand, an dem man unter Sonnenschirmen Schatten findet und kleine Dünen leichtes Nordseeflair aufkommen lassen – Urlaubsfeeling mitten in der Großstadt, auch wenn man dort wegen des Schiffsverkehrs nicht baden darf.

WES Überseestadt Serie Stadtspaziergang zwischen Waller Sand und Molenturm Blumen Möwen Wiese Wendebecken

Zwischen Blumen und Bäumen hindurch führt dieser Weg direkt zum Molenturm.

Foto: Roland Scheitz

Wir beginnen den Spaziergang am Ende des Kommodore-Johnsen-Boulevards. Dort gibt eine große Infotafel eine erste Übersicht über den gesamten Waller Sand. Gehen wir weiter geradeaus, kommen wir an ein Gebäude, dessen Flachdach als Aussichtsplattform dient. Von hier bietet sich ein großartiges Hafen-Panorama: zur Linken die Weser mit dem Lankenauer Höft, das große Hafenbecken direkt vor uns, und zur Rechten der Blick über den Bremer Westen mit dem Kraftwerk Hafen, dem Einkaufszentrum Waterfront und der Getreideverkehrsanlage, einem riesigen roten Backsteingebäude. Von hier oben ist auch der Sandstrand in voller Länge zu überschauen.

Möwen, Enten, Kormorane

Direkt vor uns liegen mehrere Stege, die ins Hafenbecken führen und die vor allem von Möwen als Ruheplatz genutzt werden. Mehrere Plattformen an den Stegen bieten drei Möwenarten Landemöglichkeiten: den Lachmöwen mit ihren schwarzen Gesichtsmasken, den großen Silbermöwen und den ihnen ähnlichen Sturmmöwen, die aber deutlich kleiner bleiben. Auf dem Wasser des Hafenbeckens tummeln sich zahlreiche Stockenten, aber regelmäßig auch Haubentaucher und Kormorane.

Es lohnt sich, einen Blick auf den Boden um die Aussichtsplattform zu werfen: Dort blüht gelb der Doppelsame, als leicht bitter schmeckende Salatbeilage auch unter dem Namen Rucola bekannt, mit vier in Kreuzform stehenden Blütenblättern. Hier findet sich auch das gleichfalls gelb blühende Schmalblättrige Greiskraut mit sonnenartigen Blüten – ein Neueinwanderer aus Südafrika, der sich von Bremen aus inzwischen über ganz Deutschland ausgebreitet hat.

WES Überseestadt Serie Stadtspaziergang zwischen Waller Sand und Molenturm Blumen Möwen Wiese Wendebecken

Stammt eigentlich aus Südafrika, gedeiht aber auch in Walle: Schmalblättriges Greiskraut.

Foto: Roland Scheitz

Wir gehen geradeaus nach unten und erreichen den Steindamm, der das Hafenbecken einfasst. Zwischen den Steinen leuchten die Blüten des blauen Natternkopfs, der grau-weißen Graukresse und die langen Ähren eines hohen Grases: Die bläulich-grüne Strandquecke besiedelt eigentlich die höher gelegenen Salzwiesen der Küsten, kann aber aufgrund des Salzgehalts der Weser bis nach Bremen vordringen.

Nach wenigen Schritten werden wir von einem Blütenmeer (2) überrascht: Bevor der Dammweg (3) bis zum Molenturm in der Ferne beginnt, breitet sich auf kiesigem Grund bunte Vielfalt aus: Neben der violetten Wilden Malve blühen vor allem die blassere Moschus-Malve, gelbe Nachtkerzen, roter Klatschmohn und Gelbe Resede – sie erzeugen eine enorme Farbenpracht, die sich entlang des gesamten Weges bis zum Molenturm hinzieht.

Exzellentes Nektarangebot

Zur Linken befestigt ein steiniger Damm das Ufer der Weser. Auf ihm blühen dicht an dicht die Küsten-Kamille und hohe Sumpf-Kratzdisteln – sie bieten exzellente Nektarangebote für Schwebfliegen, Hummeln und Honigbienen. Trotz der windigen Exposition flattern immer wieder Falter wie Kohlweißlinge, Kleines Wiesenvögelchen und derzeit auch Distelfalter über die blühenden Flächen. Der Distelfalter ist als Wanderfalter aus dem Mittelmeer-Raum eingeflogen und wird, nachdem er eine Generation mit Eiern, Raupen und Puppen durchlaufen hat, im Herbst zurück gen Süden fliegen, da er die kalte Jahreszeit nicht übersteht.

Rechts des Weges ist ein großer Stein, ein Findling, mit einem Schild markiert, der während der Eiszeit vor etwa 11.000 Jahren nach Bremen gelangte und vermutlich aus Südschweden stammt.

Kurz vor dem Molenturm

WES Überseestadt Serie Stadtspaziergang zwischen Waller Sand und Molenturm Blumen Möwen Wiese Wendebecken

Vor dem Molenturm sind sogenannte Kletterbalken montiert.

Foto: Roland Scheitz

lässt sich auf der rechten Seite beobachten, wie sich die Vegetation entwickelt, wenn man ihr freien Lauf lässt: In diesem Wildwuchsbereich wurde nicht, wie auf dem Damm, eine Samenmischung ausgesät, sondern hier konnte sich die Natur unbeeinflusst entwickeln: Hohe Gräser, Echtes Labkraut, Brennnesseln und Brombeeren bestimmen das Bild.

Fast immer halten am Molenturm Angler ihre Leinen ins Wasser. Es lohnt sich, einen Blick die Mauer hinab zu werfen; denn eine Vielzahl von Kräutern schafft es, sich an den senkrechten Steinen zu halten.

Riesige Erzengelwurz-Blüten

Wir gehen den gesamten Weg zurück und wenden uns nach links, um am Sandstrand entlang zu flanieren. Auf der Steinpackung haben sich die halbkugeligen Blütenstände der riesigen Erzengelwurz entfaltet. Diese wichtige Arzneipflanze sollte nicht mit dem ähnlichen Riesen-Bärenklau verwechselt werden, der bei Berührung schlimme Hautreizungen verursachen kann und deshalb regelmäßig entfernt wird.

WES Überseestadt Serie Stadtspaziergang zwischen Waller Sand und Molenturm Blumen Möwen Wiese Wendebecken

Neben dem Dünenbereich laden fest installierte Liegestühle zum Verweilen ein.

Foto: Roland Scheitz

Liegestühle laden zum Entspannen neben abgesperrten Düneninseln ein, die nicht betreten werden sollten. Der Weg zurück zum Ausgangspunkt führt an einem kleinen Wasserspielplatz vorbei, an dem Kinder mit zwei Handpumpen Wasser schöpfen können. So kommen sie trotz Badeverbots doch noch in Kontakt zum kühlenden Nass.

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