Ärger um Hundefreilauf Waller wollen legal Gassi gehen

Mehrere Hundehalter aus Walle haben sich an den Petitionsausschuss der Bürgerschaft gewandt. Sie plädieren dafür, im Waller Park eine Freilauffläche für Vierbeiner auszuweisen.
24.07.2019, 19:53
Lesedauer: 5 Min
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Waller wollen legal Gassi gehen
Von Anne Gerling

Mittwochmorgen um halb zehn im Waller Park. Der Himmel ist blau und im Schatten der großen Bäume lässt es sich gut aushalten. Wunschlos glücklich sind Volker Kutscher und Monika Lüke dennoch nicht, die gerade mit Lissi und Hope ihre tägliche Gassirunde durch den Park drehen. Gerne nämlich würden die beiden Waller die Vierbeiner in der Grünanlage auch einmal von der Leine und richtig spielen lassen. Dies ist in der Grünanlage allerdings offiziell verboten. Seit einigen Monaten kontrollieren regelmäßig Mitarbeiter des Ordnungsamtes, ob sich auch alle Hundebesitzer daran halten.

„Ein Hund muss laufen und sich beschäftigen können“, sagt Lüke, die ausgebildete Tierpflegerin ist, im Bremer Tierheim gearbeitet hat und beinahe ihre Ausbildung zur Hundetrainerin abgeschlossen hat. Gemeinsam mit Volker Kutscher kämpft sie seit Langem darum, dass zumindest in einem Teilbereich des Parks die Leinenpflicht aufgehoben wird. Kutscher hat sämtliche Bürgerschaftsfraktionen, den Bürgermeister sowie mehrere Zeitungen und Fernsehsender in der Angelegenheit angeschrieben und im Laufe der vergangenen Monate drei Petitionen an die Bürgerschaft gerichtet.

„Die Stadt Bremen darf den Bürger nicht zum Straftäter machen, was sie aber tut. Ohne Leine Bußgeld von der Stadt, mit Leine nicht artgerechte Haltung, somit Verstoß gegen Tierschutzgesetz und auch Anzeige“, heißt es in einer der Petitionen, in der Kutscher zuletzt beantragt hatte, den Leinenzwang im Waller Park zeitweise aufzuheben und eine Wiese auf der südöstlichen Parkseite nahe der Emder Straße als Freilauffläche auszuweisen. Diese Grasfläche sei ihrer Beobachtung nach regelmäßig überschwemmt und werde deshalb von anderen Parkbesuchern nicht als Liegewiese, zum Spielen oder Grillen genutzt, erzählen Kutscher und Lüke. Alles, was Hundebesitzer bräuchten – eine Sitzbank zum Schnacken, ein Mülleimer und eine Laterne in der dunklen Jahreszeit – sei dort bereits vorhanden, ergänzt Lüke: „Und die Fläche müsste nicht einmal speziell eingezäunt werden, denn ich habe doch meinen Hund unter Kontrolle.“ Zusätzlich könne zum Beispiel eine Hundehaltehaftpflichtversicherung allen zur Auflage gemacht werden, die das Angebot nutzen wollten.

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Kurz nach Abgabe seiner Petition Mitte April erlebte Volker Kutscher eine Überraschung: „Nach mehr als zehn Jahren wurde die Wiese plötzlich gerodet und soll wohl eine Blumenwiese werden. Jetzt wurde Sie nochmals gerodet und sieht aus wie ein Acker mit tiefen Reifenspuren von den Traktoren.“ Wer die Wiese nun überquert, muss aufpassen, in den tiefen Furchen nicht zu stolpern.

„Für Radfahrer im Park gibt es Duldung"

In die Fläche sei Saatgut eingebracht worden, da sie – wie alle ungenutzten städtischen Grünflächen – als Blumenwiese für Bienen hergerichtet werde, bestätigt Sprecher Jens Tittmann aus dem Umweltressort. Mit Kutschers Petition stehe diese Maßnahme aber in keinem Zusammenhang. Dennoch: In den Augen der beiden Waller passt dies zu ihrem Eindruck, Hundehalter würden häufig als Menschen dritter Klasse behandelt: „Für Radfahrer im Park gibt es Duldung, für Griller und Picknicker ebenso. Nur für Hundehalter soll es dort keinen Platz geben.“

Verantwortlich für deren schlechtes Image sind ihrer Ansicht nach einige wenige schwarze Schafe unter den Hundebesitzern, die weder ihre Tiere unter Kontrolle hätten, noch deren Hinterlassenschaften aufsammelten: „Die allergrößte Mehrheit der Hundehalter – nicht nur im Waller Park – ist vorausschauend, erkennt frühzeitig, wenn zum Beispiel Kinder kommen und leint die Hunde dann an.“ Monika Lüke ist seit fast 37 Jahren regelmäßig mit ihren Hunden im Waller Park unterwegs. In den letzten 15 Jahren habe es dort keine Vorkommnisse mit Hunden gegeben, sagt sie: „Dieses zeugt einwandfrei von der Verantwortung und Voraussicht der Hundehalter.“

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Anfang Juli hat Volker Kutscher Post vom Petitionsausschuss erhalten: Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne) bekräftigt in dem zweiseitigen Schreiben, was schon in der Vergangenheit aus seinem Haus zu hören war: „Wir sind der Auffassung, dass sich die Aufhebung des Leinenzwanges im Waller Park nicht mit seiner wichtigen Naherholungsfunktion für die Waller Bevölkerung vertragen würde.“ Da es im Stadtteil nur sehr wenige öffentliche Grünanlagen gebe, sei es besonders wichtig, dass diese von allen Bevölkerungsgruppen gemäß ihrer Widmung genutzt werden könnten – zur Erholung also. „Durch den Anblick von freilaufenden Hunden in einer nicht eingezäunten Grünfläche wäre es jedoch zu befürchten, dass einige Erholungsuchende Menschen den Waller Park aus Angst um sich oder Sorge um ihre Kinder nicht mehr aufsuchen würden. Damit bliebe der Park diesen Menschen verschlossen.“ Eine eingezäunte Fläche wiederum „würde dem abgestimmten Pflege- und Entwicklungskonzept, das eng an den historischen Bezügen angelegt wurde, widersprechen.“ Voraussichtlich könne aber am Hagenweg eine Freilauffläche angelegt werden. Dorthin wäre der tägliche Weg für Volker Kutscher und Monika Lüke deutlich zu weit. Sie wollen deshalb weiter für eine Freilauffläche im Park kämpfen, noch hat außerdem der Petitionsausschuss in der Sache nicht entschieden. „Die Hunde benehmen sich im Park wesentlich ruhiger und gesitteter als mancher Besucher“ sind Lüke und Kutscher überzeugt. „Auch handelt es sich hier im Park um eine überschaubare Hundeschar. Jeder Hundebesitzer kennt hier den anderen und weiß, welcher Hund zu wem gehört.“

Mehr als 1000 Unterschriften gesammelt

Zum Beispiel zu Arno Kuhlemann, der seit einem Dreivierteljahr gemeinsam mit dem Waller Beirat versucht, mit der Stadt eine Lösung für Hundehalter im Waller Park auszuhandeln. Mehr als 1000 Unterschriften hat er gesammelt und im Mai ebenfalls eine Petition an die Bürgerschaft auf den Weg gebracht, die auf eine Änderung der gesetzlichen Grundlagen abzielt. „Wir möchten damit erreichen, dass der Senator prinzipiell überhaupt Freilaufflächen in Parks genehmigen darf“, erklärt der Waller dazu: „Denn in stark bebauten Stadtteilen wie Walle haben wir ansonsten ja nichts, es gibt also gar keine andere Möglichkeit.“ So seien zwischenzeitlich zwar verschiedene Grundstücke, etwa an der Bogenstraße, an der Eduard-Suling-Straße oder am Hagenweg – in Betracht gezogen worden: „Aber die sind inzwischen alle nicht mehr da.“

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Im Mai hatte auch Kuhlemann vom Petitionsausschuss eine Stellungnahme des Senats bekommen. In dem Schreiben teilt Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) mit, dass sein Haus gemeinsam mit dem Umweltressort im gesamten Stadtgebiet weitere Hundefreilaufflächen schaffen wolle: „In Betracht kommende Flächen werden derzeit einer ökologischen Begutachtung unterzogen, um das Vorhandensein geschützter Arten auszuschließen.“

„Wir möchten eigentlich nur einen Zustand gegenseitigen Respekts und Duldung wieder herstellen, wie wir ihn vor den verschärften Kontrollen durch den Ordnungsdienst jahrzehntelang in Walle hatten. Statt Strafandrohung brauchen wir dafür eine gesetzliche Grundlage“, hat dazu Arno Kuhlemann dem Petitionsausschuss erwidert. Er geht davon aus, dass im September sein Anliegen entweder vom Ausschuss ins Landesparlament eingebracht wird oder aber, falls tatsächlich eine Gesetzesänderung notwendig sein sollte, durch eine Fraktion in die Bürgerschaft eingebracht werden müsste: „Wenn der Waller Beirat das nächste Mal tagt, wird es spannend. Dann ist ein konkreter Antrag von uns dabei.“

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