100 Jahre Lampen-Meyer in Bremen-Walle Licht ist hier Familiensache

Am 7. Februar 1921 wurde die Geschäfts-Meldebescheinigung für Heinrich Wilhelm Meyer und sein Elektro-Geschäft ausgestellt. Im Jubiläumsjahr wird der Lampenladen von seiner Enkelin Kirsten Marbach geführt.
08.02.2021, 05:00
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Von Anke Velten

Wäre es ein Jahr wie alle anderen, so gebe es mit Sicherheit einen feierlichen Empfang. Doch anders als vor 25 oder 50 Jahren dürfen diesmal nur virtuell die Korken knallen. Der Grund zum Gratulieren: Das Waller Fachgeschäft Lampen-Meyer begeht in diesen Tagen sein 100-jähriges Bestehen. Im Haus an der Waller Heerstraße/Gustavstraße wird in der dritten Generation Licht gemacht.

Die Firmenchronik beginnt am 7. Februar 1921 – am Anfang des Jahrzehnts, das im Rückblick als „golden“ in Erinnerung geblieben ist. Das einstige Dorf Walle hatte sich in einen pulsierenden Stadtteil verwandelt, Hunderte von Häusern und Wohnungen wurden bezogen und mussten eingerichtet werden. Man muss sich Heinrich Wilhelm Meyer (1899-1963) als ehrgeizigen und zielstrebigen Mann vorstellen, sagt seine Enkelin Kirsten Marbach. Bereits im Alter von 21 Jahren machte sich der gelernte Elektriker selbstständig mit einem eigenen Geschäft an der Waller Heerstraße 51. Es ist nicht belegt, ob er bereits zu dieser Zeit ein Auge auf Anni geworfen hatte – Tochter des Klempnermeisters Dess, mit dem er sich die Geschäfts-
adresse teilte. Sicher ist, dass die beiden im Jahr 1926 heirateten, kurz nachdem der Bräutigam seine Meisterprüfung vor der Bremer Gewerbekammer abgelegt hatte.

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Die Nachfrage nach Licht in Bremen war groß

Fortschrittlich und innovativ war der gebürtige Osnabrücker auf jeden Fall. Anfang der 1920er-Jahre verfügten längst noch nicht alle Bremer Häuser über einen Stromanschluss, und es dauerte fast zwanzig weitere Jahre, bis sämtliche städtischen Haushalte ans öffentliche Netz angeschlossen waren. Die Nachfrage nach Licht und moderner Technik war groß und stieg. „Anfangs waren auch Haushalts- und Rundfunkgeräte im Sortiment“, weiß Kirsten Marbach. Wie gut die Geschäfte liefen, zeigt die Tatsache, dass der junge Handwerksmeister schon 1924 das imposante Wohn- und Geschäftshaus an der Waller Heerstraße 33b erwarb, in dem sich zuvor die Nebenstelle V der Sparkasse Bremen befunden hatte.

„Durch Fleiß, Umsicht und handwerkliches Können bauten die Eheleute das Geschäft gemeinsam auf“, heißt es in einem Zeitungsbericht anlässlich des 50-jährigen Firmenjubiläums im Jahr 1971. Als Kunden gewannen die Meyers nicht nur Privatleute, sondern beleuchteten auch Schulen, Behörden, Banken und Industrieunternehmen. Die Waller Lichttechniker waren bundesweit unterwegs und wirkten Mitte der 1950er-Jahre sogar beim Bau eines Stahlwerks in der indischen Industriestadt Rourkela mit. Der Unternehmergeist vererbte sich auf Sohn Rolf, der 1953 als Teilhaber ins Unternehmen eingetreten war, 1961 seinen Meisterbrief als Elektroinstallateur erhielt und nach dem Tod des Vaters im Jahr 1963 das Geschäft übernahm.

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In diese Zeit fallen auch die frühesten Kindheitserinnerungen von Kirsten Marbach, Jahrgang 1956: An das Decla-Kino gegenüber, an das Konfitürengeschäft nebenan, an den Hufschmied in der Gustavstraße, an die Lebensmittelgeschäfte, Obst- und Gemüseläden, die Drogerien, Bekleidungs- und Schuhgeschäfte, Gaststätten und Tanzlokale in der – vor der autofreundlichen Verbreiterung – alleeartigen Chaussee. 1975 wurden das Eigentum und die Geschäftsräume von Lampen Meyer um das Haus Nummer 33c erweitert, in dem sich zuvor ein „Bonschenladen“ befunden hatte.

Lampen-Meyer: Das Internet als große Konkurrenz

Nach Rolf Meyers frühem Tod im Jahr 1984 übernahm seine Frau Gertrud die Geschäftsführung gemeinsam mit Sohn Olaf – ebenfalls Elektroinstallateurmeister – und Tochter Kirsten, die als Groß- und Außenhandelskauffrau Ende der 1970er-Jahre ins Unternehmen eingetreten war. Olaf Meyer, der im Betrieb für den Außendienst zuständig war, hat vor kurzem seinen Ruhestand angetreten. Seine Schwester ist – auch jetzt – Tag für Tag im Laden zu finden. Im Sortiment sind mehr als Tausend Leuchten und Leuchtmittel aller Art. Zudem können Lampenschirme geordert werden, die von einem thüringischen Traditionsbetrieb nach Wunsch maßgefertigt werden. In seinen Blütezeiten gab es im Betrieb genug zu tun für rund 20 Mitarbeiter. Doch dann wurden nach und nach langjährige Geschäftsbeziehungen „outgesourced“, Baumärkte wurden immer riesiger, und das Internet wurde erfunden. Kunden, die sich interessiert umschauen und sich ausführlich beraten lassen, bevor sie das Produkt ihrer Wahl online bestellen: So etwas hat man auch hier schon oft genug erlebt, erzählt Marbach. Auf der anderen Seite gebe es da aber auch die vielen treuen Kunden, deren Namen und Familiengeschichten man oft schon seit Jahrzehnten kennt. Beim gemeinsamen Plausch könne der Verkauf einer Glühlampe dann schon einmal eine Viertelstunde dauern, so Marbach: „Dieser persönliche Kontakt, das gibt’s ja heute immer weniger.“

Immer öfter tauchen aber auch einmal neue Gesichter auf, die man vorher noch nie im Laden gesehen hatte, erzählt die Geschäftsfrau: „Besonders nach dem ersten Lockdown war es sehr auffällig: Viele junge Leute kamen, weil sie gerne möchten, dass es uns weiter gibt.“

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