Markt soll attraktiver werden

Waller Beirat will Wochenmarkt erhalten

Backwaren, Fisch, Antipasti und Kaffee: All dies wünschen sich Kunden auf dem Waller Wochenmarkt, wie sie in einer Befragung erzählt haben. Der Beirat hat noch andere Ideen, um den Markt attraktiver zu machen.
06.07.2020, 06:15
Lesedauer: 3 Min
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Waller Beirat will Wochenmarkt erhalten
Von Anne Gerling
Waller Beirat will Wochenmarkt erhalten

Immer mehr Waller haben in den vergangenen Monaten den Markt auf dem Wartburgplatz wiederentdeckt. Viele Kunden wünschen sich dort nun mehr Händler.

Roland Scheitz

Ein positiver Nebeneffekt der Corona-Pandemie: Viele Menschen zieht es zum Einkaufen offenbar wieder mehr nach draußen auf die Wochenmärkte. So zum Beispiel in Walle, wo dienstags, donnerstags und sonnabends zwischen 8 und 13 Uhr bis zu zehn Händler auf dem Wartburgplatz Obst, Gemüse oder Fleisch anbieten. Neuerdings sind an ihren Ständen wieder längere Schlangen von Wartenden zu beobachten.

Wird dieser Boom anhalten oder mit dem Abflauen der Pandemie womöglich wieder abebben? Niemand vermag das vorherzusagen – unabhängig davon aber hatten sich die Waller Ortspolitiker angesichts des zunehmend ausgedünnten Markt-Angebotes schon einige Monate vor dem Beginn der Pandemie Gedanken dazu gemacht, wie sie ihren Wochenmarkt langfristig erhalten, weiterentwickeln und so für die Menschen im Stadtteil wieder attraktiver machen könnten. Und zwar so, dass auch die Händler dabei ein gutes Auskommen haben.

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Im Dezember hatten Brigitte Grziwa-Pohlmann und andere Waller SPD-Politiker auf dem Markt mit Händlern und Besuchern gesprochen. Es fehlten ein Bäcker und Händler mit Fisch, Käse, Bio-Lebensmitteln und Antipasti oder auch ein Kaffee-Stand, teilten die Kunden dabei unter anderem mit – auf die sehr stark in Walle vertretenen Mode-Stände könne man hingegen weitestgehend verzichten. Unterm Strich zeigte sich ganz deutlich: Die Waller hätten gerne mehr Händler auf ihrem Wochenmarkt. „Das kann ich nachvollziehen – ich habe aber keine Händler, die nach neuen Standorten suchen“, sagt dazu Claas Türke, Prokurist beim Großmarkt, der Bremens Wochenmärkte ausrichtet.

Der Wunsch nach mehr Marktbeschickern ist demnach auch aus anderen Stadtteilen schon an ihn herangetragen worden – allerdings bezögen sich die meisten eingehenden Bewerbungen ausschließlich auf große Märkte wie etwa den bei vielen Bremern äußerst beliebten Findorff-Markt. Zwingen könne er niemanden nach Walle, so Türke. Dass der Waller Markt unter Händlern nicht besonders beliebt ist, erklärt er sich unter anderem damit, dass die Fläche ohnehin nichts zu bieten habe: Kein Café, nichts zu gucken, nichts los. Aus Erfahrung wisse er aber: „Attraktive Plätze ziehen in der Regel attraktive Märkte nach sich.“ Dementsprechend wäre auch aus Perspektive des Großmarkts wünschenswert, dass der Platz auf die eine oder andere Weise belebt werde.

Angebote aus dem Gastronomiebereich

„Ich würde mich zum Beispiel freuen, wenn aus dem Gastronomiebereich Angebote kommen würden. Ich kann aber nicht jedes Café abtelefonieren“, sagt der Großmarkt-Prokurist etwa. Wer einen Gastro-Stand auf dem Markt betreiben wolle, der müsse verschiedene Auflagen erfüllen. Zum Beispiel brauche man ein Gesundheitszeugnis und müsse mobil sein.

In den vergangenen zehn Jahren habe der Großmarkt etwa 50 Prozent seiner Erzeuger verloren, sagt Türke außerdem zu dem Wunsch nach mehr Ständen von regionalen Anbietern. So werde inzwischen auf vielen Feldern Mais für Biogasanlagen angebaut, wo früher Obst und Gemüse wuchsen. Und im Alten Land, wo es einst viele kleine Bauern gab, seien heute nur noch zehn große Betriebe ansässig, die sich ihre Abnehmer selber aussuchten. Auch die kleinen Dorfbäcker, die früher mit ihren Wagen herumfuhren, gebe es heute fast nicht mehr: „Es findet also ein Prozess im Hintergrund statt, den wir überhaupt nicht steuern können.“ Um dem entgegenzuwirken, würde er sich eine Förderung für Händler und deren Nachwuchs wünschen.

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Die Waller Ortspolitiker haben ein ganzes Bündel an Maßnahmen aufgelistet, mit denen sich ihrer Ansicht nach aber doch etwas für ihren Markt am Wartburgplatz tun ließe. Zum Beispiel, indem einmal wöchentlich nicht von 8 bis 13 Uhr, sondern nachmittags die Stände aufgebaut würden.

„Die Händler könnten dann morgens noch einen anderen Markt ansteuern und bräuchten nur einmal ihren Wagen zu packen“, sagt Christof Schäffer (Grüne). Kunden könnten außerdem über das Internet Obst und Gemüse bei den Händlern vorbestellen und dann direkt vor Ort abholen, so Schäffer weiter: „Und während der Ernte-Saison könnten vielleicht auch an einem gemeinsamen Stand Früchte auf dem Wochenmarkt verkauft werden, die auf den Parzellen im Bremer Westen geerntet worden sind.“

Neun Händlern die Standgebühr erlassen

„Warum nicht einfach mal neuen Händlern für die ersten Wochen die Standgebühr erlassen? Dann könnten sie ausprobieren, ob es sich für sie lohnt“ fragt sich wiederum Anwohner Günther Schminke, für den auch eine Staffelung der Standgebühr vorstellbar wäre – wieso sollte schließlich ein Händler einen Stand in Walle anmieten, wenn er für denselben Preis auch einen in Findorff bekomme?! Uneinheitliche Standgebühren würden zu einer Wettbewerbsverzerrung führen, ist allerdings Türke überzeugt: „Eine Förderung müsste anders aussehen.“

Es gibt also noch einiges auszudiskutieren. Der Waller Beirat will nun eine Arbeitsgruppe bilden. Ziel ist es, mit Claas Türke, Händlern, Geschäftsleuten und Behördenvertretern an einem Runden Tisch ein Konzept zu entwickeln: „Wir melden uns bei Ihnen.“

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