Fachausschuss befasst sich mit Flüchtlingsproblematik Wohngemeinschaft für Minderjährige

Rund 50 unbegleitet eingereiste minderjährige Flüchtlinge leben in Bremen. So lautet die offizielle Bezeichnung für Jugendliche, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben allein über tausende von Kilometern in ein fremdes Land aufgebrochen sind. In Walle liegt eine Einrichtung für minderjährige Asylsuchende. Mit der Gesamtproblematik hat sich der Fachausschuss "Migration, Kultur und Sport" des Stadtteilbeirats Walle beschäftigt.
18.05.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anne Gerling

Rund 50 unbegleitet eingereiste minderjährige Flüchtlinge leben in Bremen. So lautet die offizielle Bezeichnung für Jugendliche, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben allein über tausende von Kilometern in ein fremdes Land aufgebrochen sind. In Walle liegt eine Einrichtung für minderjährige Asylsuchende. Mit der Gesamtproblematik hat sich der Fachausschuss "Migration, Kultur und Sport" des Stadtteilbeirats Walle beschäftigt.

Walle. Nur selten treten Mädchen die weite und gefahrvolle Reise nach Europa an. Meistens sind es junge Männer, deren Familien ihre gesamten Ersparnisse opfern, um ihnen die Flucht aus der Heimat und damit die Chance auf ein besseres Leben zu ermöglichen. Nach Bremen verschlägt es sie zum Beispiel, weil sie eine konkrete Anlaufadresse haben. Oder einfach nur, weil Schlepper sie dort absetzen. Aber wie geht es für sie weiter?

Mit der Problematik befasste sich der Fachausschuss "Migration, Kultur und Sport" während seiner jüngsten Sitzung. Zunächst berichtete Udo Casper. Er ist beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) als Netzwerkkoordinator des Projekts Bremer und Bremerhavener IntegrationsNetz (bin) tätig. Manche würden sich direkt bei den Behörden asylsuchend melden, andere zufällig auf der Straße aufgegriffen, sagte er.

Festgelegtes Verfahren

Für sie alle gilt: Sie werden der Gemeinde zugewiesen, in der sie sich zuerst melden. Somit beginnt ein festgelegtes Prozedere: In der Bremer Erstaufnahme-Einrichtung werden zunächst die persönlichen Daten der Asylsuchenden aufgenommen – mit Foto und Fingerabdruck. Haben sie keine Papiere und geben an, minderjährig zu sein, wird außerdem ihr Alter geschätzt.

"Wenn die Mitarbeiter die Angaben für glaubwürdig halten, wird eine Amtsvormundschaft eingerichtet", schildert Udo Casper. Denn nur ein Vormund kann im nächsten Schritt bei der Bremer Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) für minderjährige Flüchtlinge Asyl beantragen und sie in ausländer- und asylrechtlichen Angelegenheiten vertreten. Ihnen wird außerdem ein persönlicher "Case Manager" im Sozialzentrum an die Seite gestellt.

Das Wichtigste ist jedoch eine Unterkunft: Während minderjährige asylsuchende Mädchen in allgemeinen Inobhutnahme- und Jugendhilfeeinrichtungen, Pflegefamilien oder betreuten Wohnformen untergebracht werden, gibt es für junge männliche Asylsuchende eine Erstaufnahmeeinrichtung des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in Lesum.

Das Wohnheim mit derzeit 32 belegten Plätzen ist eine von drei Bremer Einrichtungen, die junge männliche Asylsuchende unterbringen. Ferner kümmert sich die Hans-Wendt-Stiftung in ihrer Wohn- und Betreuungseinrichtung in Lehesterdeich aktuell um 14 Jugendliche. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) besitzt seit 1990 ein kleines Haus in der Wittmunder Straße in Walle und hat dort eine Wohngemeinschaft (WG) für fünf junge asylsuchende Männer ab 16 Jahren eingerichtet. Die gegenwärtige Bewohner stammen aus Guinea, Sierra Leone und Algerien. "Die Zusammensetzung ändert sich, je nachdem, wo die Hauptkrisengebiete in Afrika sind", berichtet Mitarbeiterin Heike Wewer. "Wir achten darauf, dass jeder jemanden zum Kommunizieren hat, der seine Sprache spricht." Kleine Häuser dicht an dicht: In der Wittmunder Straße kennt man sich. "Unsere Jugendlichen sind dort voll integriert", sagt Wewer. Gerade wegen der familiären Atmosphäre fühlten sich die jungen Männer dort wohl, glaubt sie. Natürlich gäbe es auch Probleme, aber "wir halten engen Kontakt zu den Nachbarn und bekommen gute Rückmeldungen."

Zwei Sozialpädagogen und ein Erzieher mit Migrationshintergrund arbeiten in der WG, um die fünf jungen Männer zu einem selbstständigen und eigenverantwortlichen Lebensstil zu befähigen: Sie sollen möglichst schnell Deutsch lernen und zum Beispiel einkaufen, Essen kochen und Wäsche waschen können, wenn sie ausziehen, berichtet Wewer. Bis sie 18 Jahre alt sind können die Jugendlichen in der DRK-WG bleiben, bei Bedarf länger. Ziehen sie später in eine eigene Wohnung, werden sie – falls nötig – weiter vom WG-Team betreut.

Offiziell sind die jungen Männer "geduldet". Ihr Asylgesuch wurde abgelehnt, aber sie können aus unterschiedlichen Gründen nicht abgeschoben werden. Vier der Jugendlichen gehen zur Schule. Einer macht eine betriebliche Ausbildung. Damit haben sie laut Wewer gute Chancen auf einen sicheren Aufenthaltsstatus. Nur eines bereitet ihr Kopfzerbrechen: "Die Wohnungssuche ist extrem schwierig." Folglich wäre in dem Fall die Unterstützung durch die Ortspolitik willkommen.

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