Tabakquartier in Woltmershausen

7000 Quadratmeter für die Kultur

Nicht nur Wohnen und Gewerbe, sondern auch die Kultur bekommt mit der Halle 1 einen Platz im neuen Tabakquartier in Woltmershausen. Der Beirat hofft auf positive Effekte für den gesamten Stadtteil.
26.02.2020, 17:29
Lesedauer: 3 Min
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Von Matthias Holthaus
7000 Quadratmeter für die Kultur

In der denkmalgeschützten Halle 1
der ehemaligen ­Tabakfabrik Martin Brinkmann informiert Justus-Grosse-­Geschäftsführer ­Joachim Linnemann (rechts) Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) über den Umbau für die geplanten Kulturangebote.

Christina Kuhaupt

„Das wird uns alle bereichern“, betont Carmen Emigholz, Staatsrätin für Kultur, während der Sitzung des Beirates Woltmershausen im Gemeindehaus der Evangelischen Freikirche. Sie spricht von Neu­igkeiten aus dem Tabakquartier, wo sich in
der heute denkmalgeschützten Halle 1 der ehemaligen Zigarettenfabrik der Martin Brinkmann AG die freie Kunstszene und auch die Bremer Philharmoniker ansiedeln sollen. Aber auch ringsherum sieht Emigholz Möglichkeiten: „Woltmershausen hat einen Anspruch, sich zu entwickeln. Nicht nur das ­Tabakquartier.“

Und eigentlich geht es um die ganze Stadt: Dort mangelt es an Probe- und Aufführungsorten, an Plätzen, wo Experimentieren möglich ist und wo kurzfristig kulturelle Nutzung stattfinden kann. Das soll sich nach dem Willen des Kulturressorts ändern. Und zusammen mit den Projektentwicklern von Justus Grosse wurde nun eine Lösung gefunden.

Ein neues Zentrum für die Freie Szene soll es werden, heißt es in der Beschlussvorlage der städtischen Deputation für Kultur. Ein Zentrum, „das nicht nur Kulturschaffenden vielfältigen Entfaltungsraum bieten soll, sondern auch einen wichtigen Impuls zur Stadtentwicklung in einem zentralen Quartier in unmittelbarer Innenstadtnähe setzen kann“. Rund 5500 Quadratmeter Raumbedarf sieht Carmen Emigholz für die Freie Kunstszene, dazu kommen noch 1500 Quadratmeter für die geplante Ansiedlung der Bremer Philharmoniker. „Wir wollen gerne junge Kreative binden“, sagt Emigholz und meint damit Tänzer, bildende Künstler, Schauspieler, Musiker.

Mehrere kleine und ein großer Spielort sollen entstehen sowie „ein Klangkörper, der für alle offen und für alle bezahlbar ist“. Auf Papier liest sich das so: „Neben dem bereits als Veranstaltungshalle hergerichteten sogenannten Heizwerk sind weitere dezidierte kulturelle Nutzungen vorgesehen.“ Sinnvoll seien zwei bis drei größere Säle mit Bühnen für Aufführungen und Proben sowie kleinere Veranstaltungsräume, die für Lesungen, Kurse und Proben genutzt werden könnten.

Eine modulare, multifunktionale Bauweise werde angestrebt, die Veränderungen zulasse. „Für ein Bremer Zentrum der Freien Szene erscheint eine Bündelung dieser Nutzungen sinnvoll“, heißt es in der Vorlage weiter, und Carmen Emigholz präzisiert: „Das ist der ausdrückliche Wille – dass sich das Gebiet öffnet, dass alle herkommen, dass etwas passiert.“

Wobei sie ausdrücklich auch auf Synergien mit den kulturellen Projekten des Stadtteils setzt: „Wir sind auf Ihre Erfahrungen angewiesen und ebenso auf gute Nachbarschaft“, betont sie. „Künstler handeln und arbeiten anders.“ Und auch ein Ausflugsziel solle dieses neue kulturelle Zentrum werden: „Das ist eine einmalige Chance für Woltmershausen und für Bremen. Das wird ein tolles, faszinierendes Projekt. Wir freuen uns, dass dort Kunst zu tollen Konditionen möglich gemacht wird.“

Ortsamtsleiterin Annemarie Czichon findet es „sensationell, dass ein so großes, veränderndes Projekt mit dem Stadtteil gemacht wird. Woltmershausen hat sich viele Jahre benachteiligt gefühlt, und jetzt hat der Stadtteil sogar Vorbildcharakter.“ Beiratssprecherin Edith Wangenheim (SPD) ist ebenfalls angetan, meint jedoch, es müsse dort dann auch mehr ÖPNV geben, damit dort auch etwas stattfinden könne.

„Die Fähre lassen wir uns nicht wieder wegnehmen. Wir wollen nicht ein bloßes Nebeneinander wie in der Überseestadt. Wir hoffen, dass wir miteinander etwas entwickeln.“ Karin Bohle-Lawrenz (FDP) findet es „prima, dass es sich dort belebt. Doch eine Struktur muss da sein, auch im Interesse des Stadtteils.“ Für sie ist aber auch das Schwimmen eine Art von Kultur: „Ich möchte darauf hinweisen, dass wir kein Schwimmbad haben. Dass dort noch etwas hinkommt, ist für viele Menschen ein Anliegen.“

Eine Chance und „eine große Aufgabe“ sieht eine Rednerin aus dem Publikum auf Woltmershausen zukommen: „Künstler bringen Impulse. Wir haben die Aufgabe, sie in den Stadtteil einzuladen und eine Verbindung zu schaffen.“ Jan Beckmann von den Grünen betont, es sei wichtig, sich zu öffnen und dort auch hinzugehen: „Mal schauen, was dort für Veranstaltungen laufen, dann ist das auch kein Fremdkörper mehr.“ Annemarie Czichon bedankte sich bei allen, die das Projekt möglich machen.

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