Städtebauliche Entwicklung in Woltmershausen

Tabakquartier: Investoren beteiligen sich an Kosten der Stadt

Die städtebauliche Entwicklung des Tabakquartiers geht weiter: Stadt und Eigentümer des Grundstücks unterzeichnen eine Absichtserklärung. Die Investoren verpflichten sich darin zu Zahlungen an die Stadt.
20.04.2021, 19:58
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Von Karin Mörtel
Tabakquartier: Investoren beteiligen sich an Kosten der Stadt

Das "Forum" genannte Bürogebäude am südlichen Ende des Tabakquartiers wird ab Sommer 2021 gebaut. Für Wohnungen existiert momentan noch kein Baurecht.

JUSTUS GROSSE

Die Verwandlung der ehemaligen Tabak- und Zigarettenfabrik der Martin Brinkmann AG in ein Wohn- und Arbeitsviertel Bremens nimmt weiter Fahrt auf. Am Dienstagnachmittag haben die Stadt und das Immobilienunternehmen Justus Grosse, dem die knapp 18 Hektar große Fläche in Woltmershausen gehört, eine Absichtserklärung unterzeichnet, die dem WESER KURIER vorliegt. In diesem sogenannten „letter of intent“ geht es um die gemeinsamen Ziele von Stadt und Investoren zur weiteren städtebaulichen Entwicklung im Tabakquartier.

Auf sieben Seiten sind darin Details festgelegt wie zum Beispiel zur Energieversorgung, die möglichst frei von fossilen Brennstoffen sein soll. Außerdem ist darin von einem breit gefächerten Wohnungsmix die Rede, von einer besseren Anbindung an die restliche Stadt sowie von einer Vielzahl an Mobilitätsangeboten, damit die Bewohner möglichst viele Strecken ohne ein eigenes Auto zurücklegen können.

Investoren beteiligen sich an Kosten

Außergewöhnlich an dem Vertrag ist eine vereinbarte Kostenumlage, die die Investoren zu Geldzahlungen an die Stadt verpflichtet, um öffentliche Infrastrukturmaßnahmen im Tabakquartier mitzufinanzieren.

Das könnte der Ausbau von Radwegen sein, eine verbesserte Anbindung an Bus und Straßenbahn bis hin zu dem geplanten Tunnelbau für das Tabakquartier unter den Eisenbahnschienen der Linie Bremen-Oldenburg. 110 Euro pro Quadratmeter Bruttogeschossfläche Wohnen werden fällig, sobald die Bebauungspläne fertig sind und damit Baurecht für die entsprechenden Wohnungen existiert.

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„Wir haben lange um diesen für uns einmaligen Passus gerungen“, erklärte Clemens Paul, geschäftsführender Gesellschafter bei Justus Grosse. Absicht der Eigentümer sei es, „damit ein Zeichen zu setzen, dass wir bereit sind, unseren Beitrag zu leisten für die übergeordnete Entwicklung der Fläche für die Allgemeinheit.“

Auf ihrem Grundstück verpflichten sich die Investoren zusätzlich unter anderem zum Bau einer später öffentlichen Straße sowie öffentlicher Grünanlagen und Spielplätze.

Fabrikgebäude bleiben erhalten

„Mit der Unterzeichnung des 'letter of intent' für das Tabakquartier haben wir heute den Grundstein für ein bedeutendes Projekt für die Stadtentwicklung links der Weser gelegt“, sagte Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne) nach Vertragsabschluss. Aus ihrer Sicht wird auf der ehemaligen Gewerbebrache durch den Erhalt der historischen Baustruktur „ein neues Quartier mit einem sehr urbanen Flair entstehen.“ Da die komplette denkmalgeschützte Fabrik sowie ein Großteil der Lagerhallen und Tabakspeicher erhalten blieben, sei das Projekt auch „ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz“, so Schaefer.

Alt- und Neubauten harmonisch miteinander zu einem urbanen und durchmischten Stadtquartier zu verbinden – das ist das Ziel der städtebaulichen Entwicklung im Tabakquartier. Das gilt auch für das weitere Gebiet im Westen bis zu den Bahnschienen, zu dem auch das heute von der SWB genutzte Areal der ehemaligen Gaswerke mit seiner 140 Meter langen Kohlenhalle und weiteren historischen Gewerbebauten aus der Gründerzeit zählt.

Wohnen erst ab Herbst 2021 im Tabakquartier erlaubt

Insgesamt etwa 55 Hektar zählen im Eingangsbereich von Woltmershausen zu dem städtebaulichen Entwicklungsgebiet, für das die Stadt bereits in Abstimmung mit den Eigentümern, den Bürgern und der Politik einen Masterplan erarbeiten ließ. Dieser wird auch in dem aktuellen Schriftstück als Grundlage für die weiteren Planungen im Tabakquartier genannt.

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Im Herbst, so stellt es die Stadt in Aussicht, könnte der erste Bebauungsplan fertig sein, der erstmals Wohnen im Tabakquartier erlaubt. Zunächst in einem der drei historischen Tabakspeicher. Perspektivisch soll aber in den kommenden Jahren fortlaufend Baurecht für Wohnungen in weiteren Bereichen folgen.

Clemens Paul hofft, spätestens im Herbst 2022 mit den ersten Wohnungsneubauten beginnen zu können. Geplant ist ein breiter Mix an Wohnungstypen und -formen von Kleinstwohnungen bis hin zu großen Lofts. 30 Prozent sind als Sozialwohnungen eingeplant. Pauls Resümee zwei Jahre nach Erwerb des Grundstücks: „Was das Gewerbe angeht, ist im Tabakquartier schon ordentlich Leben in der Bude, und wir freuen uns schon auf die ersten Bewohner“

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