Behördenvertreter berichtet dem Beirat Der lange Weg zu Tiny Houses

Es ist nicht lange her, dass die Initiative Tiny-House-Kultur ihre Vision des reduzierten Wohnens an der Stromer Straße dem Beirat vorstellte. Nun erklärte die Behörde, warum es dort nicht klappen könnte.
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Von Matthias Holthaus

„Der Senat hat großes Interesse daran, dass diese Siedlungsform in Bremen Fuß fassen kann“ heißt es zu Beginn der Präsentation, die Tom Lecke-Lopatta von der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau (SKUMS) dem Woltmershauser Beirat auf seiner jüngsten digitalen Sitzung vorgestellt hat. Die besagte Siedlungsform ist dabei die Idee der Tiny Houses, die bereits Ende September dem Beirat vorgestellt wurde.

Damals berichtete die Initiative Tiny-House-Kultur von den Möglichkeiten des Wohnens auf begrenztem Raum: Von Nachhaltigkeit sprachen deren Vertreter, aber auch von gemeinschaftlichem Wohnen und einem Ort der Begegnung. Und dieser Ort könnte durchaus in Woltmershausen liegen: An der Stromer Straße, wo bereits ein geeignetes, der Stadt gehörendes Gelände gefunden wurde.

Auch die Behörde sieht Vorteile

Diese Idee stand nun ein weiteres Mal auf der Tagesordnung und der SKUMS-Vertreter erläutert Vorteile und Schwierigkeiten, die sich ergeben, wenn solch ein Projekt verwirklicht werden soll. Die Vorteile: Zwar sei die Dichte so hoch wie eine normale Reihenhaussiedlung, doch müsse durch den reduzierten Erschließungsaufwand weniger stark in die Natur eingegriffen werden. Auch für ungünstig geschnittene Grundstücke sei diese Wohnform gut geeignet, zudem sei dort ein generationsübergreifendes Wohnen mit gemeinsam genutzter Infrastruktur möglich.

Gegenüber Bauträgern hätten Tiny House-Initiativen jedoch Schwierigkeiten, sich am Bodenmarkt durchzusetzen und die Stadt Bremen verfüge nur noch über wenige, „Ladenhüter“ genannte Grundstücke. Außerdem sei es teilweise erforderlich neues Baurecht zu schaffen – ein Umstand, der die angedachte Ansiedlung in der Stromer Straße schwierig mache. Denn das 3223 Quadratmeter große Gelände sei als Gewerbegebiet ausgewiesen. Erschwerend komme hinzu, dass auf der Fläche inzwischen schützenswerte Bäume wachsen. Lecke-Lopatta bringt dann noch eine Alternative zur Stromer Straße ins Gespräch: „Es wäre sinnvoll, über ein Grundstück im Dorfkampsweg zu reden.“

Beratung für Tiny House-Interessenten

Wie geht es weiter mit den Tiny Houses in Bremen? Eine Baulücken-Recherche steht an und Gutachter sollen sich Genehmigungsbeispiele aus anderen Städten anschauen. Zudem sollen Tiny House-Interessenten bei der Vorbereitung, dem Grundstückserwerb und den Planungen beraten werden.

Edith Wangenheim sagt anschließend: „Warum nicht einem Ladenhüter an der Stromer Straße eine Chance geben? Genau an dieser Stelle könnte das ein schönes Ausprobieren sein.“ Karin Bohle-Lawrenz (FDP) sieht das ähnlich: „Warum dauert das so lange? Es gibt hier so viele Interessenten, es muss doch auch mal was durchgezogen werden.“

Bebauungsplan wird als Problem genannt

Ole Lindemann (CDU) meint, bei der größeren Fläche am Dorfkampsweg wisse man nicht, wie die Eigentümer reagieren werden. „Und für die Fläche an der Stromer Straße müsste man einen neuen Bebauungsplan auflegen“, doch dafür fehlten nach Auskunft der Behörde die personellen Kapazitäten. Eine Zuschauerin sagt anschließend, mangelnde „Man-Power“ könne doch nicht das Argument sein. Sie hält es für nicht zielführend, nun andere Flächen zu suchen, auf die die Stadt keinen Zugriff habe.

Tom Lecke-Lopatta schloss seinen Vortrag mit den Worten: „Es ist sinnvoll, dass sich der Beirat damit befasst, mit einem Aufhebungsplan für das ganze Gebiet und einem neuen Bebauungsplan. Ein entsprechender Beiratsbeschluss, der für ein größeres Gebiet wirbt, wäre hilfreich.“ Edith Wangenheim ergänzte zum Ende der Debatte, das Areal sei doch eigentlich ein Mischgebiet und kein reines Gewerbegebiet, was der SKUMS-Vertreter durchaus „aufgreifenswert“ fand.

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