Altlasten-Untersuchung im Tabakquartier

Gaswerks-Gelände: Stadt und SWB einigen sich auf Kostenteilung

Die Stadt Bremen und die SWB-Gruppe werden sich die Kosten für die Untersuchung der Altlasten auf dem ehemaligen Gaswerks-Gelände im Tabakquartier teilen.
20.08.2019, 21:46
Lesedauer: 2 Min
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Von Karin Mörtel
Gaswerks-Gelände: Stadt und SWB einigen sich auf Kostenteilung

Auf dem Gelände der SWB-Gruppe in Woltmershausen liegen an zwei Stellen kritische Altlasten im tiefen Boden. Wie groß das Problem ist, wird untersucht.

Schmoll

Der Bremer Senat hat am Dienstag den Weg frei gemacht für die genauere Untersuchung der gefundenen Altlasten auf dem ehemaligen Gaswerks-Gelände im Tabakquartier. Geklärt ist zudem jetzt, dass sich die Stadt Bremen und die SWB-Gruppe die Kosten dafür jeweils zur Hälfte teilen.

Wie berichtet, geht es um zwei besonders kritische Stellen, an denen in tiefen Bodenschichten Teer- und Schweröl sowie weitere umweltschädliche Rückstände der zurückliegenden Gasproduktion gefunden worden waren. Laut Umweltbehörde ist es dringend erforderlich, schnell das ganze Ausmaß der Verunreinigung klären zu lassen. Erst danach kann – sofern nötig – der kontaminierte Boden sowie möglicherweise betroffenes Grundwasser gereinigt werden.

Wasserverunreinigungen bis in benachbarte Wohgebiete

In der Senatsvorlage schildern die Fachleute der Umweltbehörde den akuten Handlungsbedarf sehr eindringlich. So sei davon auszugehen, dass bereits heute von den massiv belasteten Bereichen im tieferen Untergrund, Gefahren für das Grundwasser ausgingen. Teilweise würden sich bereits erhebliche Verunreinigungen des Grundwassers über die Grundstücksgrenze hinaus bis in benachbarte Wohngebiete hinein erstrecken. „Die Schadstofffahne wird derzeit überwacht, den betroffenen Anwohnern im Grundwasserabstrom musste empfohlen werden, kein Grundwasser zu nutzen“, steht in dem Papier.

Offen war jedoch bislang die Kostenfrage für Untersuchungen und Sanierung der Altlasten. Die SWB-Gruppe als heutige Eigentümerin hatte stets darauf verwiesen, dass die Stadt, die bis 1941 das Gaswerk betrieben hatte, eine Mitverantwortung trägt.

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Dieser Argumentation folgte nun der Senat und beauftragte das Umweltressort, die Übernahme der Hälfte der Kosten in einem öffentlich-rechtlichen Vertrag mit der SWB-Gruppe festzuschreiben. „Die Alternative wäre gewesen, dass die Obere Aufsichtsbehörde einen Kostenbescheid an SWB und Stadt als Verursacherinnen der Verschmutzungen verschickt, in dem Rechtsmittel angedroht werden“, erklärt Jens Ttittmann, Sprecher der Umweltbehörde. Dies habe man mit dem gemeinsamen Vertrag vermeiden wollen.

Bei der SWB-Gruppe zeigt man sich zufrieden mit der jetzt gefundenen Lösung: „Unser Ziel bei den Verhandlungen ist gewesen, dass die Stadt als Mitverursacherin die Hälfte der Kosten trägt“, sagt Klaus Simonis aus der Rechtsabteilung der Unternehmensgruppe. Wenn dies nun tatsächlich vertraglich festgeschrieben werde, sei das eine „pragmatische Lösung, mit der wir uns die Verantwortung und die Kosten teilen“, so Simonis.

Pläne für ein urbanes Zukunftsquartier

Die Klärung der Altlasten-Frage gilt als zentral für die Planung der Stadt, den Standort zu einem urbanen Zukunftsquartier zu entwickeln, in dem Wohnen und Gewerbe einen Platz finden. Zum Tabakquartier zählen neben dem ehemaligen Gaswerksgelände auch die stillgelegte Zigarettenfabrik der Martin Brinkmann AG sowie angrenzende Bereiche.

Derzeit lässt die Stadt einen Masterplan für das rund 55 Hektar große Areal erarbeiten, der Ende des Jahres fertig sein soll. Mit dem Konzept gibt die Stadt eine Richtschnur vor, wie die städtebauliche Entwicklung auf dem Gelände aussehen soll. „Dass wir nun den Altlasten-Vertrag auf den Weg bringen, ist der Grundstein dafür, dass wir das Brinkmann-Gelände mit der Neustadt verbinden können“, so Tittmann.

Laut Senatsbeschluss zahlt die Stadt nun zunächst für die Voruntersuchung, die anstehende Gefährdungsabschätzung und Grundwasserüberwachung der kritischen Bereiche 292 000 Euro. Hinzu kommen pro Jahr 90 000 Euro Personalkosten. Da das ganze Ausmaß der Verunreinigung noch nicht bekannt ist, stehen noch keine Sanierungskosten fest. Das Gaswerk war in Woltmershausen von 1902 bis 1964 in Betrieb.

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