Rosemarie Dragheim hat die Leitung des Kulturhauses Pusdorf an Ute Steineke übergeben 'Ich will noch ganz viel lernen'

Woltmershausen. Ein dickes Schlüsselbund hat Rosemarie Dragheim, Leiterin des Kulturhauses Pusdorf, ihrer Nachfolgerin Ute Steineke bei der Verabschiedung überreicht. Die ist fast in die Knie gegangen, als sie die 40 Schlüssel in Empfang nahm. Kaum zu glauben, dass es im Kulturhaus so viele Schlösser gibt. Die vielen Schlüssel sind allerdings nicht nur für die Türen, sondern auch für Briefkästen und Schränke. Und außerdem hat Rosemarie Dragheim noch jede Menge kleiner Aufmerksamkeiten an das Bund gehängt: hier einen Gutschein für eine Massage oder eine Vertretung, dort einen Beutel Entspannungstee.
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Von Doris Bettmann

Woltmershausen. Ein dickes Schlüsselbund hat Rosemarie Dragheim, Leiterin des Kulturhauses Pusdorf, ihrer Nachfolgerin Ute Steineke bei der Verabschiedung überreicht. Die ist fast in die Knie gegangen, als sie die 40 Schlüssel in Empfang nahm. Kaum zu glauben, dass es im Kulturhaus so viele Schlösser gibt. Die vielen Schlüssel sind allerdings nicht nur für die Türen, sondern auch für Briefkästen und Schränke. Und außerdem hat Rosemarie Dragheim noch jede Menge kleiner Aufmerksamkeiten an das Bund gehängt: hier einen Gutschein für eine Massage oder eine Vertretung, dort einen Beutel Entspannungstee.

Und es ist auch kein Haus der verschlossenen Türen, ganz im Gegenteil, das Kulturhaus Pusdorf ist seit eh und je ein offenes Haus. Das wird auch so bleiben, wenn die neue Geschäftsführerin Ute Steineke ohne ihre Vorgängerin das Haus leitet. Rosemarie Dragheim, die im nächsten Jahr 63 Jahre alt wird, zieht sich dann aus der Arbeit im Kulturhaus zurück. Ob ihr das wirklich gelingt, da hatten selbst die Gäste, die zu ihrer vorläufigen Verabschiedung gekommen waren, Zweifel. Keiner kann sich das Kulturhaus Pusdorf ohne Rosemarie vorstellen, die sich 28 Jahre mit Leib und Seele für das Haus engagiert hat und die soziokulturelle Stadtteilarbeit in Woltmershausen auf Vordermann gebracht hat. 'Ohne sie wäre das Kulturhaus nicht das, was es heute ist', lobten Ingrid Pöppel und Elsbeth Lorenz vom Vorstand des Kulturhauses die Arbeit Rosemarie Dragheims.

1980 ist Rosemarie Dragheim nach Woltmershausen gezogen. Für sie war wichtig, sich auch in ihrem Lebensumfeld zu engagieren. 1982 hat sie mit einer kleinen Initiativgruppe den Kulturladen an der Huchtinger Straße eröffnet. Die Sozialpädagogin war maßgeblich beteiligt an der Gründung des Vereins Kulturstrand, der das Pusdorfer Blatt herausgegeben hat, hat den Kulturladen Pusdorf e.V. 1984 mit ins Leben gerufen, der 1987 die Trägerschaft des Kulturladens übernommen hat. Zwölf Jahre hat sie sich ehrenamtlich engagiert, und nebenbei musste sie auch noch ihren Lebensunterhalt verdienen. 1994 hat sie sich auf eine halbe Stelle beworben. 'Endlich konnte ich mein Hobby zum Beruf machen', erinnert sich Rosemarie Dragheim. Neue Aufgaben standen ins Haus. 2000 konnte das Kulturhaus in die größeren Räume in der Woltmershauser Straße 444 ziehe. Sie hat den Umbau und den Umzug organisiert. 2002 übernahm sie die Leitung des Hauses.

In all den Jahren hat sie sich in die Arbeit gestürzt. Wenn an den Wochenenden im Kulturhaus das Licht brannte, saß Rosemarie Dragheim an ihrem Schreibtisch und hat aufgearbeitet, was in der Woche vor lauter Arbeit liegengeblieben war. 'In der soziokulturellen Arbeit kann man nicht auf die Stunden gucken,' die Erfahrung hat sie in den Jahren gemacht.

Hier all die Projekte, Kurse, Veranstaltungen, Ausstellungen, Feste und Kooperationen zu erwähnen, die sie mit ihren ehrenamtlichen und festangestellten Mitarbeitern auf die Beine gestellt hat, würde den Rahmen sprengen. Nur ein Projekt sei erwähnt, weil es ihr besonders am Herzen liegt: der Spiel- und Wassergarten, der nach sieben Jahren Entwicklungsarbeit 2006 realisiert werden konnte. In dem Projekt steckt viel von ihrer Kraft und Beharrlichkeit.

Was macht Rosemarie Dragheim nur ab Januar, wenn sie keinen Verpflichtungen im Kulturhaus mehr hat? 'Ich bleibe vier Wochen im Bett und lese,' sagt sie lachend, denn sie weiß schon heute, das klappt doch nicht. 'Wäre ja auch seltsam, wenn ich sagen würde, nichts wie weg hier.' Aber schon jetzt fühlt sie sich ein bisschen erleichtert, nachdem sie die Leitung an Ute Steineke übergeben hat. 'Ich bin nicht mehr für alles verantwortlich, das Gefühl hatte ich schon am ersten Wochenende nach der Übergabe.' Ruhestand wird es für sie aber auch nicht so richtig geben. 'Ich will noch ganz viel lernen', und darauf freut sie sich.

Für Ute Steineke ist es ein großes Glück, dass sie die Stelle, die jetzt allerdings eine halbe Stelle geworden ist, bekommen hat. 'Ich hätte mir nicht träumen lassen, den Job in Bremen zu kriegen und auch noch in dem Bereich, in dem ich arbeiten möchte.' Steineke hat viele Jahre als Theaterpädagogin und Kursusleiterin gearbeitet. Sie war im Kulturladen Huchting, in der Kulturwerkstatt Westend, sie war an der Gründung der Speicherbühne beteiligt und arbeitet bereits seit 2007 im Kulturhaus Pusdorf. Was die Beharrlichkeit und den Kampf um Gelder und Stellen angeht, wird es so weitergehen, verspricht Ute Steineke und hat auch schon jede Menge Ideen im Kopf für den Fährtag, Ferienprogramme, Geschichts-, Kinder- und Friedensprojekte, Sommerfeste, Kunstprojekte mit Schulen usw... 'Ich kann mir so viel vorstellen, aber die finanziellen und personellen Möglichkeiten sind leider begrenzt.'

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